Etwas zögerlich hoben sich die Arme, als Petra Vandecar am Dienstagabend um Zustimmung zur Auflösung des Fördervereins Kitzinger Bäder bat. Schließlich waren die meisten der anwesenden Mitglieder auch am 22. Februar 2002 dabei, damals, als der Verein gegründet wurde. Das eigene Kind wieder aufzugeben, fällt nicht leicht. Aber der Förderverein hat seinen Zweck verloren, seit die beiden Bäder nicht mehr der Stadt Kitzingen gehören. Deshalb hat nun das Finanzamt die Auflösung gefordert.
"Es ist heute vermutlich die letzte Mitgliederversammlung", sagte Vorsitzende Petra Vandecar in ihrer Begrüßung. Vermutlich die letzte deshalb, weil über eine Vereinsauflösung eigentlich deutlich mehr Mitglieder entscheiden müssten, als am Dienstag gekommen waren.

Jugendsport profitiert vom Ende


Die Bilanz über die zehn Jahre seit der Gründung überließ die Vorsitzende Kassenverwalter Gerhard Sauer, der dieses Amt von Beginn an ausführte. "Bei uns gab es nie Misswirtschaft, aber wir haben uns überlebt", fasste Sauer zusammen. Seit die Bäder in Kitzingen nicht mehr der Stadt gehören, hat der Förderverein seine Gemeinnützigkeit verloren und wurde vom Finanzamt aufgefordert, die in der Zeit der Gemeinnützigkeit angesammelten Geldmittel satzungsgemäß einzusetzen. So lautete denn auch der einstimmige Beschluss der Versammlung. Der Geldbetrag, der nach den Kosten für die Vereinsauflösung übrig bleibt, wird der Stadt Kitzingen mit der Maßgabe überwiesen, den Betrag ausschließlich zur Förderung des Jugendsports einzusetzen.
Wie es mit der Auflösung weitergeht, muss der Vorstand zunächst noch abwarten, denn die Satzung schreibt für die Auflösung eine sehr große Teilnehmerzahl vor, die nicht annähernd erreicht wurde. Andererseits, so Schriftführerin Silvia Sauer, wurde die Tagesordnung mit dem Auflösungsvorhaben allen Mitgliedern rechtzeitig auf dem Postweg zugestellt.
Da das Finanzamt jedoch die Auflösung wegen Wegfalls des Vereinszwecks fordert, ist der Vorstand guter Dinge, dass die Auflösung doch noch reibungslos über die Bühne gehen kann.

Mehr als 70 000 Euro bewegt


Als größtes Ereignis in der kurzen Vereinsgeschichte wertete Sauer, dass anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Freibades auf der Mondseeinsel 2005 die Bayern-3-Party-Tour an den Main geholt werden konnte und zum Megaevent wurde. Mit Hilfe vieler anderer Vereine in Kitzingen wurden damals mehr als 70 000 Euro bewegt. "Wir haben Kitzinger Großvereine mit einbezogen, alleine hätten wird diese Veranstaltung niemals stemmen können", bilanzierte Gerhard Sauer den größten Erfolg des Bädervereins. Nach außen hin war dank guter Zusammenarbeit aller Vereine der Eindruck entstanden, dass nur ein Verein das Event organisiert habe. "Wir waren der einzige Verein, der bei der Partytour durch die sieben bayerischen Regierungsbezirke dank vieler Sponsoren mit einem kleinen Gewinn rauskam", erinnerte Sauer mit einer Spur Stolz in der Stimme. Auch viele andere kleinere Veranstaltungen des Fördervereins kamen in der Öffentlichkeit immer gut an, auch wenn zeitweilig das Wetter nicht mitspielte und Improvisieren angesagt war. bag