Es ist nun wirklich nicht das erste Mal, dass Stefan Eirich eine Besuchergruppe durch die Geflügelmastanlage am Rande von Westheim führt. Besser gesagt: Hineinschauen lässt. Denn der Zutritt ist streng verboten – Sicherheit geht vor, sagt Eirich zu den Besuchern, nachdem im Norden des Landes, immer noch die Gefahr durch die Geflügelpest nicht vorbei ist.

Und seine Besucher kommen aus allen Teilen der Republik. Es sind angehende Tierwirte, Landwirte und Geflügelhalter aus ganz Deutschland, Teilnehmer eines Seminars der Landesanstalt für Landwirtschaft in Kitzingen. Warum der Besuch auf dem Betrieb in Westheim? Einige Betriebsbesichtigungen stehen an diesem Tag auf dem Plan, so Stefanie Urselmans von der Landesanstalt für Landwirtschaft, so auch der Betrieb von Eirich, der auf „tierschutzrechtliches Arbeiten“ ausgerichtet ist.

Was das bedeutet, berichtete Stefan Eirich. Äußeres Zeichen: ein blaues Label mit dem Schriftzug „Für mehr Tierschutz“. Was dahinter steht und wie es den Betrieb seit nunmehr zwei Jahren gewaltig verändert hat? Der Betrieb arbeitet nach Richtlinien des Deutschen Tierschutzbunds (wir berichteten).

Äußere Zeichen, für die andere Haltung der mehr als 20 000 Hähnchen in Eirichs Stall: Sie haben mehr Platz, es gibt Strohballen und Picksteine zum Kratzen, Sitzstangen und einen weiteren sichtbaren Unterschied zu konventionellen Betrieben: ein Wintergarten für die Tiere.

Nicht sichtbar: Der große Aufwand an Dokumentationen, der betrieben werden müsse. Und das nicht als Selbstzweck, sondern der Betrieb werde auch ständig kontrolliert. Kontrollen finden laut Eirich mindestens alle vier Wochen statt, „ohne vorherige Ankündigung stehen sie morgens vor der Türe“.

Eirich und andere nach den Tierschutzbund-Richtlinien arbeitende und mit dem Label werbende Betriebe – es sind rund 30 in Deutschland, so Eirich, – bedienen ein Marktsegment, das zwischen billig und Bio liegt. Und diese Vielfalt der Vermarktungsschienen ist auch ein Problem, erklärte einer der Teilnehmer der Besichtigung. Für ihn, wie etliche andere auch, ist Eirichs Betrieb „ein sehr schöner, sehr gepflegter Betrieb“, der einfach eine Nische nutze. Seine Einschätzung dennoch: Diese Haltungsform werde wohl nie so groß werden, wie die konventionelle Haltung von Geflügel.

Unisono lautet das Urteil des Kursteilnehmers und von Stefan Eirich, wenn es um die Haltungsform bei der Geflügelmast geht: „Letztendlich haben es Verbraucher und auch die Handelsketten in der Hand, wie die Tiere gehalten werden.“