KITZINGEN

Untersuchung unter Wasser

Sven Perplies ist ganz schön rumgekommen in der Welt. In Westafrika ist er getaucht und in Panama. Der Auftrag in Kitzingen? „Ganz normal“, sagt er. Für die Stadt sind die Schäden an der Kaimauer alles andere als normal. Sanieren oder neu bauen? Das ist die Frage, die Perplies klären soll. Wie auch immer: Es drohen Kosten im hohen sechsstelligen Bereich.
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Berufstaucher: Sven Perplies lebt an Land und arbeitet unter Wasser. Gestern und heute ist er am Oberen Mainkai in Kitzingen im Einsatz.
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Sven Perplies ist ganz schön rumgekommen in der Welt. In Westafrika ist er getaucht und in Panama. Der Auftrag in Kitzingen? „Ganz normal“, sagt er. Für die Stadt sind die Schäden an der Kaimauer alles andere als normal. Sanieren oder neu bauen? Das ist die Frage, die Perplies klären soll. Wie auch immer: Es drohen Kosten im hohen sechsstelligen Bereich.

Seit gestern taucht der 53-jährige Berufstaucher am Oberen Mainkai in Kitzingen. Die Kaimauer ist seit einem halben Jahr auf einer Länge von rund 190 Metern für Fußgänger gesperrt. Der Stadt waren die ersten Untersuchungsergebnisse zu heikel. Aus rund 80 Prozent der 190 Meter langen Mauer ist das Fugenmaterial im Lauf der Zeit herausgeschwemmt worden. Zum Teil liegen die Steine nur noch lose aufeinander. In seinem ersten Prüfbericht hat Perplies deshalb auch von einem „dringenden Handlungsbedarf“ gesprochen. „Die Sperrung für die Fußgänger war mehr als vernünftig“, urteilt er.

Mit zwei Kollegen war er vor rund einem Jahr schon einmal in Kitzingen und hatte die gesamte Kaimauer am Oberen und Unteren Mainkai inspiziert. Fazit: Kleinere Schäden am Unteren Mainkai, die bereits ausgebessert werden konnten, als die Schleusen im Frühjahr gesperrt waren. Dafür aber bedenkliche Schäden am Oberen Mainkai: bröckelnde Steine, ausgeschwemmte Fugen und ganze Bereiche, die abgebrochen sind. Eine genauere Untersuchung soll deshalb Aufschluss bringen, wie es um das Bauwerk bestellt ist. Und vor allem: Wie es damit weitergeht.

Perplies prüft noch einmal, ob die Tauchermaske sitzt, gibt seinen Kollegen ein Handzeichen und taucht ab. Bis zu vier Meter tief kann der Main am Uferbereich sein. Etwa einen Meter in die Breite kann der Berufstaucher mit seinem Kopfscheinwerfer so ausleuchten, dass die Unterwasserkamera aussagekräftige Bilder macht. Die Sicht im Main ist kein Problem. Etwa einen Meter weit kann Perplies schauen. „Das sind Bedingungen wie im Mittelmeer“, sagt er. Die Temperaturen kommen da nicht ganz heran. 16 bis 17 Grad hat der Main. „Angenehm“, sagt Perplies und streicht über seinen Neoprenanzug.

Tobias Haupt vom städtischen Bauamt hat den ersten Bericht von Perplies ausgewertet. Jetzt zeigt er dem 53-Jährigen, wo er noch einmal genau nachschauen soll. Welche Stellen er exakt unter die Lupe nehmen soll. Mit einem speziellen Hochdruckreiniger säubert Perplies Teile der Mauer von Algen und anderem Bewuchs. Dann macht er Bilder von den kaputten Stellen. Einer seiner Kollegen sichert, der andere steht als Ersatz in voller Ausrüstung zur Verfügung.

Mit seinen Mitarbeitern ist Perplies deutschlandweit an Binnengewässern im Einsatz. Schäden wie am Oberen Mainkai kennt er aus Frankfurt und anderen Städten an Main, Rhein und Donau. „Hochwasser schwemmt das Fugenmaterial aus“, erklärt er. „Und die moderne Schifffahrt verursacht viel mehr Sog- und Wellengang als früher.“

Als die Kitzinger Kaimauer gebaut wurde – das genaue Datum steht nicht fest, dürfte aber weit vor dem Zweiten Weltkrieg liegen – galten Lastschiffe mit 800 Tonnen noch als groß und mächtig. „Heute haben Güterschiffe bis zu 3500 Tonnen“, erklärt der Taucher. „Dafür sind die Mauern bei ihrem Bau natürlich nicht ausgelegt worden.“

Auch ein Grund für die Schäden, die der 53-Jährige dokumentiert. Den Bericht mitsamt Bildern wird er dem Bauamt überreichen, das dann eine Empfehlung an den Stadtrat ausarbeitet. Sanierung oder Neubau lauten die beiden Alternativen. Möglich, dass der 53-Jährige Berufs- und Bautaucher dann erneut anrücken wird, um die Mauer herzurichten. Wenn er nicht gerade einen großen Auftrag im Ausland an Land gezogen hat. So wie vor 14 Jahren, als Perplies vier Monate lang in Panama gearbeitet hat. In rund 27 Metern Tiefe hat er insgesamt 6500 Unterwasserbilder gemacht. „So ein Auftrag kommt nur alle zehn Jahre“, sagt er. Kitzingen ist im Vergleich dazu Routine. Für die Stadt hängt von dieser Routinearbeit allerdings einiges ab.

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