„Die Chefin – das unbekannte Wesen“, lautet ein Schlagwort in der Wanderausstellung mit dem Titel „Da muss ich erst meinen Mann fragen: Frauenrechte einst und jetzt“. Diese provokante Überschrift verdeutlicht, dass die Frauenbund-Bewegung mit ihren Zweigvereinen viel Arbeit hatte, um die Rechte der Frauen zu stärken. Die Ausstellung wurde von „Kultur-elle“ und den Frauenbeauftragten der Stadt Memmingen konzipiert. Sie war übers Wochenende zum 80-jährigen Bestehen des katholischen Frauenbunds in Willanzheim im Martinushaus zu sehen.

„Der Gottesdienst ist der wichtigste Teil unseres Festes“, erklärte die Zweigvereins-Vorsitzende Sigrid Hein nach dem Festgottesdienst mit Pfarrer August Popp, dem geistlichen Beirat des Frauenbundes. Unter den Gästen waren die Ehrenvorsitzende Ilse Wolbert und Ehrenmitglied Frieda Stöcker. Ilse Wolbert ist als Organisatorin von Ausflügen immer noch sehr engagiert, genauso wie Sigrid Heins Vorgängerin Margit Endres, die federführend beim Frauenbundfasching wirkt.

Sigrid Hein sprach das Motto des Frauenbunds „Gemeinsam sind wir stark – Frauen für Frauen“ an und betonte, dass die Vereinigung sich für die Interessen von Frauen in Beruf, Politik und Kirche einsetzt. Veronika Nawratil, Vorsitzende des Verbraucherservice im Diözesanverband Bamberg, unterstrich, dass die Frauen nur zusammen viel erreichen können. Claudia Dworazik, stellvertretende Vorsitzende des Diözesanverbandes bezeichnete den Zweigverein Willanzheim als wichtige Stütze des Bundesverbandes. Der Bund erhebt seine Stimme und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern oder prangert an, dass die Lohngleichheit von Frauen und Männern auch im Jahr 2012 noch längst nicht gegeben ist. „Dazu könnte ich für diese Woche ein ganzes Buch schreiben“, bekannte Willanzheims Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert. „Unser Frauenbund leistet viel im Hintergrund wie beispielsweise Krankenbesuche“, sagte sie und bescheinigte dem katholischen Frauenbund auch Ökumene durch die Aufnahme von evangelischen Frauen unter den insgesamt 104 Mitgliedern.

Der Frauenbund Willanzheim wurde 1932 mit der Gründungsvorsitzenden Margarete Vetter aus der Taufe gehoben; damals hatten die Veranstaltungen meist religiösen Charakter. Nach dem Krieg bekam die soziale Komponente mehr Gewicht und jetzt wurden vermehrt Wallfahrten zu Gnadenorten, Pilger- oder Studienreisen nach Rom, Lourdes oder Ungarn organisiert.

Auf Initiative des Willanzheimer Frauenbundes wurde die Feldkapelle „Zur schmerzhaften Gottesmutter“ restauriert. Ein sozialpolitisches Zeichen setzte man 1993 mit der Aufnahme von Flüchtlingsfamilien aus der bosnischen Hauptstadt Sarajevo für zwei Wochen.

Auch in Zukunft wollen sich die Frauen sozial engagieren, die Geselligkeit und zwischenmenschliche Beziehungen pflegen, die Gemeinschaft hoch halten und sich im Dorfleben einbringen. Sie wollen ihren Beitrag dazu leisten, die Stellung von Frauen in vielen Bereichen der Gesellschaft zu stärken und die Geschlechtergerechtigkeit einzufordern, wurde bei der Feier deutlich.