Kitzingen

Unfallflucht bei Probefahrt war Angeklagtem nicht nachzuweisen

Da hatte ein 46-Jähriger vor Gericht Glück: Lautes Gebläse und der ruckelnde Motor retten den Autofahrer vor einer Verurteilung. Er kommt mit einer Geldauflage davon.
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Justititia steht für die Rechtsprechung vor Gericht. (Symbolbild) Foto: Peter Steffen, dpa

Gelohnt hat sich für einen Autofahrer der Einspruch gegen einen Strafbefehl, in dem ihm fahrlässige Körperverletzung und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vorgeworfen wurden. Weil nach einem Gutachten nicht auszuschließen war, dass der Autofahrer einen Zusammenprall nicht mitbekommen haben könnte, wurde das Verfahren wegen geringer Schuld eingestellt. Der 46-Jährige muss 1000 Euro an den Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr überweisen und die eigenen Kosten tragen. Dann ist die Sache für ihn erledigt.

Damit kommt er erheblich besser weg als im Strafbefehl, der eine Geldstrafe plus Fahrverbot für die missglückte nächtliche Fahrt vorgesehen hatte. Der  Strafbefehl war davon ausgegangen, dass der Mann im November 2018 nach 22 Uhr mit seinem Auto in einem kleinen Dorf unterwegs war. An einer engen Stelle soll er an einem BMW hängengeblieben, kurz angehalten und dann weitergefahren sein. Die Folgen waren ein Schaden von rund 2000 Euro am Auto, zwei Insassen, die Probleme mit der Halswirbelsäule hatten, und der Strafbefehl gegen den Fahrer.

Angeklagter schließt Berührung mit BMW nicht aus

Der legte Einspruch ein. Das Verfahren am Amtsgericht in Kitzingen folgte. Das gab es in zwei Teilen. Nach einer etwas zähen ersten Runde, räumte der Mann in der zweiten Verhandlung die Fahrt mit einem "uralten Peugeot" ein. Er schloss auch nicht aus, dass es zu einer Berührung mit dem BMW  gekommen sein könnte. Aber er blieb dabei: "Ich habe nichts bemerkt, sonst hätte ich angehalten."

Und er lieferte die mögliche Erklärung gleich mit: Der "24 Jahre alte Franzose" hatte erhebliche Motorprobleme. Dichtungen waren kaputt, Wasser war ins Benzin gekommen. Nach einer eigenhändigen Generalüberholung wollte er bei einer Probefahrt das Ergebnis testen. Bei voll eingeschaltetem Gebläse sei er in und ums Dorf unterwegs gewesen. "Es hat geruckelt und gezuckelt, geknallt und gescheppert", beschrieb er die Reaktion des Autos auf den eher missglückten Reparaturversuch. Und genau bei dieser Probefahrt könnte es passiert sein, ohne dass er etwas mitbekommen habe.

Im Zweifel für den Angeklagten

Das schloss auch eine Gutachterin nicht aus. Diese stellte eindeutig fest, die Schäden am BMW stammten vom Peugeot. Sie sagte aber auch, bei voll aufgedrehtem Gebläse und den beschriebenen Fehlzündungen des Motors könnten die Unfallgeräusche und das Rucken bei der Berührung der Fahrzeuge überdeckt worden sein. Fehlinterpretationen des Fahrers seien nicht auszuschließen. Nach diesen zumindest für die Verteidigerin "relativ klaren Aussagen" setzten sich die Juristen im Saal zusammen. Die Folge war die Einstellung des Verfahrens. Zahlt der Mann innerhalb von sechs Monaten die 1000 Euro, ist die Sache für ihn erledigt, strafrechtlich zumindest.

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