MAINBERNHEIM

Unbequemer Hirte verlässt die Gemeinde

Wenn ein Pfarrer aus einer Gemeinde verabschiedet wird, ist das meistens ein Anlass, bei dem die Oberflächlichkeit regiert, Lobhudeleien ausgesprochen werden und man sich im Wohlgefallen gegenseitig zuprostet und „Leb wohl, kommen Sie bald wieder“ sagt. Nicht so am Sonntag im Mainbernheimer Gemeindehaus, wo Pfarrer Gerhard Schäfer nach acht Jahren vor seinem letzten Gottesdienst verabschiedet wurde.
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Küsschen zum Schluss: Pfarrer Gerhard Schäfer und seine Frau Gisela freuen sich nun auf den Ruhestand. Foto: Foto: Timo Lechner

Wenn ein Pfarrer aus einer Gemeinde verabschiedet wird, ist das meistens ein Anlass, bei dem die Oberflächlichkeit regiert, Lobhudeleien ausgesprochen werden und man sich im Wohlgefallen gegenseitig zuprostet und „Leb wohl, kommen Sie bald wieder“ sagt. Nicht so am Sonntag im Mainbernheimer Gemeindehaus, wo Pfarrer Gerhard Schäfer nach acht Jahren vor seinem letzten Gottesdienst verabschiedet wurde.

Der Geistliche hatte wenige Wochen zuvor in seinem Monatsgruß eine Rückschau betrieben, die in den Augen vieler Mainbernheimer als „Abrechnung“ verstanden wurde (wir berichteten). Dabei erinnerte Schäfer an die seiner Meinung nach eher frostigen Wochen des Einstands im Jahr 2005, die sich nie wirklich verzogen hatten. Der 65-Jährige galt schnell als eher vergeistigter und teils unnahbarer Theologe gegenüber seinem Vorgänger Gerhard Schick. Schäfer bedauerte selbst, dass er in seiner Amtszeit in erster Linie durch die Renovierung von Gemeindehaus und Kindergarten Schwerpunkte setzen konnte statt durch die Zusammenkünfte mit den Menschen. Die kritische Rückschau gipfelte letztendlich sogar in Beschreibungen der Mainbernheimer Bevölkerung als rückwärtsgewandt und wenig tolerant gegenüber Andersdenkenden, was im Markgrafenstädtchen in den vergangenen Wochen für Diskussionsstoff sorgte.

„Das Beste liegt vor uns“

Dekan Hanspeter Kern nahm in seiner Ansprache daher auch kein Blatt vor den Mund: „Die Aufgabe des Pfarrers ist es, zu säen. Ernten ist nicht selbstverständlich.“ Ein Pfarrer könne nichts erzwingen. Dennoch solle man als Christ Adieu sagen und verzeihen können.

Diesen „Ball“ nahm auch Bürgermeister Karl Wolf auf, der im Gemeindebrief wiederum erst deutliche Worte gegenüber dem Geistlichen gefunden hatte, nun aber die gute Zusammenarbeit mit der Stadt auf Verwaltungswegen lobte und den Satz „das Beste liegt vor uns“ als beiderseitiges Leitmotiv zum Nachdenken in den Raum stellte.

Selbst Schäfers katholischer Amtskollege, Pfarrer Bernd Steigerwald, ging auf die Kontroversen ein, fand aber wohlwollende Worte über die ökumenische Zusammenarbeit und vor allem auch für Gattin Gisela, die unter anderem ökumenische Schulgottesdienste organisiert hatte. Lob gab es zudem vom Iphöfer Pfarrer Hanjo von Wietersheim, der sich für die Herrichtung des Iphöfer Spitals bedankte.

„Es bleiben die Bauwerke“, sagte auch die Mainbernheimer Vertrauensfrau vom Kirchenvorstand, Beate Engert. Neben oben genannten Sanierungen fällt in die „Schäfer-Jahre“ auch die Umgestaltung des Kirchplatzes in Mainbernheim. Dank und Anerkennung gab es seitens Rudolf Kramers vom Diakonieverein, dessen Vorsitzender Gerhard Schäfer war, sowie von Nina Hahn (CVJM).

Der Verabschiedete selbst hatte freilich das Schlusswort, wollte aber nach all den Erinnerungen an die schwierigen vergangenen Wochen nun auf keine Misstöne mehr eingehen. „Was ich geschrieben habe, musste gesagt werden, und damit ist es jetzt auch gut“, sagte Schäfer. Er beglückwünschte die Mainbernheimer zum „schönsten Gotteshaus meiner Dienstzeit als Pfarrer“. Die Gemeinde solle es schätzen und mit Leben füllen.

Schäfer wird nun mit seiner Frau in seine Heimat Bad König ziehen. Im letzten Pfarrersbrief hatte er angekündigt, nicht mehr zurückzukommen. Musikalisch umrahmt wurde die Verabschiedung vom evangelischen Posaunenchor.

Vakanz bis nächstes Jahr

Dekan Kern informierte auf Anfrage, wie es nun für die evangelische Kirchengemeinde in Mainbernheim weitergehen werde: Der Gottesdienstplan wird in der Vakanzzeit, die voraussichtlich im Frühjahr/Sommer mit der Wahl eines neuen Pfarrers ende, von Hanjo von Wietersheim (Iphofen) erstellt. Die Organisation des Pfarramts übernimmt Pfarrer Martin Strack (Obernbreit), Pfarrer Jan-Peter Hanstein (Rödelsee) wird unterrichten, die Kasualien, wie Taufen und Beerdigungen, teilen sich die Geistlichen auf.

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