PROSSELSHEIM

Umgehungsstraße bleibt Reizthema

Eigentlich war es ein einfaches Thema: Kanal und Wasserleitung in der Würzburger Straße von der BayWa bis zum Sportgelände müssen dringend repariert werden. Der Gemeinderat hatte nur noch zu entscheiden, wie und in welchem Umfang die Arbeiten vorgenommen werden sollen. Doch schnell war man wieder beim Reizthema Umgehungsstraße angekommen.
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Lebensgefährlich: Die Würzburger Straße in Prosselsheim ist nicht nur in der S-Kurve für Fußgänger kaum nutzbar. Deshalb wird immer wieder der Ruf nach einer Ortsumgehung laut. Unabhängig davon wird geprüft, ob man die Gehwege verbreitern kann. Foto: Foto: Rainer Weis

Eigentlich war es ein einfaches Thema: Kanal und Wasserleitung in der Würzburger Straße von der BayWa bis zum Sportgelände müssen dringend repariert werden. Der Gemeinderat hatte nur noch zu entscheiden, wie und in welchem Umfang die Arbeiten vorgenommen werden sollen. Doch schnell war man wieder beim Reizthema Umgehungsstraße angekommen.

Gemeinderätin Birgit Börger hatte den Anstoß gegeben. „Wer kommt für die Kosten auf? Und wie können wir als Gemeinde die Kosten umlegen?“, wollte sie wissen. Und Petra Schmid hatte ergänzt, dass die Staatsstraße (St 2260) von Kürnach nach Volkach und die Staatsstraße (St 2270) von Dettelbach nach Schweinfurt im Abschnitt vom Gasthaus Klemm bis zum Abzweig Richtung Dettelbach täglich von rund 9500 Fahrzeugen befahren wird. Damit sei nicht nur die Straßenoberfläche einem hohen Verschleiß ausgesetzt, sondern auch alle darunter liegenden Leitungen – und die Bürger müssen für diese Schäden aufkommen. „Da stehst Du als Rat vor dem Bürger ganz schön dumm da“, klagte Petra Schmid.

Falk Piller, der für die Straßen im Landkreis Würzburg zuständig ist, erläutert die Sachlage. Demnach ist der Freistaat Bayern der Eigentümer der Staatsstraße und die Gemeinde darf nur Versorgungsleitungen wie Kanal, Wasser oder Kommunikationsleitungen in ihr verlegen. Werden Versorgungsleitungen komplett erneuert, gibt es für die Kommune eine pauschale Kostenbeteiligung. Dies ist aber laut Piller in Prosselsheim nicht der Fall, denn hier werden nur Teilstücke erneuert, was nicht unter diese Pauschale fällt.

Die gesamte Problematik der Würzburger Straße kennen seit der Landrats-Fahrradtour im letzten Jahr auch der Landtagsabgeordnete Manfred Ländner und Landrat Eberhard Nuß. Bei einem kurzen Stopp in Prosselsheim hatte der Sprecher der Umgehungsstraße Prosselsheim, Ragnar Warnecke die Probleme eindringlich geschildert. Ländner und Nuß hatten damals versprochen, sich für eine Umgehungsstraße einzusetzen. Die wäre für Warnecke und seine Mitstreiter die beste Alternative. Zumal der Freistaat Bayern bereits für rund 700 000 Euro Land aufgekauft hat und die Trasse seit Jahren fest vermessen ist. Auch im Flurbereinigungsverfahren 1997 ist die Ortsumgehung bereits berücksichtigt und planerisch festgehalten worden, sagt Warnecke.

Vor einem Jahr hatte der regionale Planungsverband die Gemeinde aufgefordert, zur Ortsumgehung kurzfristig Stellung zu nehmen. Vor der entsprechenden Sondersitzung hatte Warnecke als Sprecher der Bürgerbewegung „Ortsumgehung Prosselsheim“ mit Plakaten noch einmal auf die innerörtlichen Probleme aufmerksam gemacht. Die Räte waren sich damals einig: „Wir wollen so bald wie möglich die Umgehungsstraße.“ Das hatten sie auch samt Begründung dem Planungsverband mitgeteilt.

„Den gordischen Knoten zu lösen, ist fast unmöglich.“

Richard Öchsner Stellvertretender Bürgermeister

Ursula Schlereth, Mutter zweier Kinder, ärgert sich:„Ich sehe ein, dass die Staatsstraße eine gewisse Priorität genießt, aber doch nicht auf Kosten der Bürger.“ Man könne weder mit Kinderwagen, Buggy, Kinderfahrrad, Inline- Skatern oder Roller mit Kinder den Gehweg benutzen. Der sei an mehreren Stellen gerade einmal 15 Zentimeter breit. Deshalb benutzen Ursula Schlereth und andere Bürger sicherheitshalber lieber die fast parallel verlaufende Neubaustraße.

Seniorenbeauftragte Anna Kastner bleibt oft fast das Herz stehen, wenn sie ältere Bürger mit Rollator oder Rollstuhl auf diesem Straßenabschnitt sieht. Sie müssten immer wieder auf die unüberschaubare, stark befahrene Fahrbahn ausweichen um weiter zu kommen. Weder für die Fußgänger, noch für die Autofahrer sei das akzeptabel. Besonders bei Veranstaltungen im Sportheim würden die Leute manch enge Stelle wie zum Beispiel in der S-Kurve bei der Einmündung Hadergasse oder am Kriegerdenkmal mit „haarsträubenden Sprüngen“ bewältigen, hat sie beobachtet.

Gemeinderat Gerhard Altenhöfer graust es, wenn er sieht, wie Schulkinder in der Püssensheimer Straße kurz nach der Einfahrt in die Staatsstraße 2270 den öffentlichen Bus verlassen und in die stark befahrene Würzburger Straße laufen.

Zweiter Bürgermeister Richard Öchsner bedauert: „Wir haben absichtlich die Bushaltestelle für Schüler in die Neubaustraße beim Milchhäusle verlegen lassen. Aber der normale Bus fährt halt auch die Püssensheimer Straße an und lässt dort die Kinder ein- und aussteigen.“ Den gordischen Knoten zu lösen, hält er für fast unmöglich. Für ihn wäre eine Umgehungsstraße deshalb die beste Lösung.

Bürgermeister Norbert Eberth hat eine klare Meinung: „Für mich gibt es nur zwei Fragen: Kann man die Gehsteige verbreitern, so dass Bürger sie ohne Angst nutzen können? Und wann kommt die Umgehungsstraße?“

Die Planungsschmiede Frank Braun in Würzburg wurde beauftragt, die Staatsstraße zu vermessen, um eventuell mit dem Straßenbauamt auf eine Verbreiterung der Gehwege hinzuwirken. Allerdings hat das Flurbereinigungsamt eine finanzielle Beteiligung an neuen Gehwegen abgelehnt.

Der Gemeinderat stimmt jetzt erst einmal der Kanalsanierung in der Püssensheimer und Würzburger Straße zu Gesamtkosten von 432 500 Euro zu und übernimmt einen Anteil für die Straßenwiederherstellung von 54 000 Euro. Die Themen Gehsteigsanierung und Verlegung von Glasfaserleitung in den Gehweg wurden vertagt.

Dazu Frank Braun: „Die Leistungsverzeichnisse sind verschickt, die Submission ist in der ersten April Woche. Der realistischer Baubeginn ist der 2. Mai“.

Ob und wann es aber einen Baubeginn für die ersehnte Ortsumgehung gibt, steht dagegen in den Sternen.

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