Prosselsheim soll zur Entlastung eine Umgehung erhalten, in Escherndorf schlagen deshalb bei Winzern die Wellen hoch, wie eine Informationsveranstaltung am Mittwoch zeigte.

Die Escherndorfer sind nicht grundsätzlich gegen diese Umgehung selbst, sondern üben harsche Kritik an der Trassenführung. Ihnen würden zu viele Weinberge durchschnitten, wenn die Trasse wie geplant südlich, unterhalb des weißen Hauses, auf die Staatsstraße trifft.

Ginge es nach den Escherndorfer Winzern, würde die Umgehung – von Volkach in Richtung Prosselsheim gesehen – nach der Abzweigung nach Escherndorf noch einige hundert Meter der bisherigen Staatsstraße folgen und nach dem Weißen Haus abbiegen.

„Wir werden Ihre Belange mit berücksichtigen.“
Bernd Vetter Staatliches Bauamt

Mit diesem Wunsch der Winzer hatten Falk Piller und Bernd Vetter vom Staatlichen Bauamt Würzburg, die die Winzer im Sportheim der DJK Escherndorf über den Plan der Umgehung informierten, gerechnet. „Wir haben auch diese Variante in unsere Überlegungen mit einbezogen“, sagte Piller, Abteilungsleiter im Bauamt und wie Vetter verantwortlicher Planer der Umgehung. Allerdings sei der alte Trassenverlauf sehr unstetig, mit mehreren aufeinanderfolgenden S-Kurven und engem Kurvenradius sowie einer „Unfallhäufungsstelle, die wir nur entschärfen können, wenn wir aus dieser Lage der Trasse herausgehen“.

Sollte dem Wunsch der Escherndorfer nachgegeben werden, so wären zum einen „erheblich mehr Weinberge betroffen“ und zum anderen Protest aus Eisenheim zu erwarten. „Der Markt hat öffentliche Belange angemeldet, die obere Naturschutzbehörde ebenfalls, und die Bewohner des Weißen Hauses sowie des Bahnhofes Escherndorf melden private Belange an“, sagte Vetter.

„Die Escherndorfer Winzer“, fasste Stadtrat und Ortssprecher Herbert Römmelt zusammen, „wollen die neue Trasse möglichst weit im Norden.“ Die Winzer, fuhr er fort, hätten ihr Vertrauen ins Bauamt verloren.

Franz Voll etwa, der nicht einsehen mochte, warum die Umgehung im Bereich des Weißen Hauses überhaupt entstehen müsse. „Warum fährt man nicht auf der bestehenden Straße weiter, anstelle gutes Acker- und Weinbauland zu zu betonieren“, monierte er. Eben weil diese Trasse unstetig sei, wiederholte Vetter: „Das bringt nicht die angestrebte Besserung, außerdem würde sie zu nah an die Trasse der Mainschleifenbahn kommen, deren Belange auch mitzählen.“

Außerdem beharre der Markt Eisenheim auf die südliche Variante, und die Anwohner seien ebenfalls für die von ihrem Haus abgerückte Trasse. „Außerdem werden die Winzer für ihre Weinberge entschädigt“, sagte er mehrmals, „und zwar in Form von Ausgleichsflächen, und die können wir leider nicht aus dem Ärmel schütteln, das dauert eine gewisse Zeit.“ Dennoch versprachen die Planer, die bereits verworfene Trasse in leicht geänderter Form noch einmal zu überplanen, was ebenfalls Zeit in Anspruch nimmt.

Apropos Zeit: Aktuell befindet sich die Umgehung Prosselsheim in der Phase des Bauvorentwurfes. Es dauert gut anderthalb Jahre, bis alle Belange berücksichtigt und in die Pläne eingearbeitet sind. Danach kommt das Planfeststellungsverfahren, das weitere anderthalb Jahre dauern wird. „Dann gibt es einen Beschluss, der nebenbei bemerkt noch gerichtlich beklagt werden kann, und erst dann wird gebaut“, so Piller.

Wegen der wegfallenden Weinberge griff Raimund Fischer vom Amt für Ländliche Entwicklung in die Diskussion ein. Bei einer Flurbereinigung, also der Neuordnung der einzelnen Grundstücke, „kann das Amt finanziell helfen“. Um das ohnehin schon langwierige Verfahren zu beschleunigen, gebe es beim Weinbergs-Flurbereinigungsverfahren zusätzlich die Möglichkeit einer unternehmerischen Flurbereinigung. Das bedeutet, dass wegen des Unternehmens Umgehungsstraße das Verfahren beschleunigt werden könne.

Das alles ist aber noch Zukunftsmusik, mit der sich die Winzer nur am Rande beschäftigten. Zu deutlich trat bei der Infoveranstaltung die Angst der Winzer zutage, sie würden übergangen werden. „Wir werden Ihre Belange mit berücksichtigen“, so Vetter, „bedenken Sie aber bitte, dass da noch andere Belange aufgetreten sind, die wir alle unter einen Hut bekommen müssen.“