Wer eine ehemalige Kirche oder eine Synagoge umbaut, steht immer in einer Pflicht der historischen Bedeutung des Gebäudes gegenüber. Dieser Pflicht wollen die Restaurateure und Bauherren der ehemaligen Synagoge in Obernbreit nachkommen, wenn ab kommender Woche der Umbau beginnt. Gestern war Spatenstich für die ersten Arbeiten. Zeitgleich wurde der noch fehlende Rest der 300 000 Euro teuren Finanzierung durch eine 10 000-Euro-Spende der "Genossenschafts-Stiftung Raiffeisen Obernbreit und Umgebung" ausgeglichen.
"Die Synagoge ist für uns ein ganz wichtiger und überaus besonderer Ort", erklärte Bürgermeister Bernhard Brückner (CSU). "Viele Gebäude aus dem Mittelalter sind abgebrannt oder zerstört worden. Die Synagoge ist ein sichtbarer Teil unserer Geschichte." Von 1748 bis 1912 war sie für Gottesdienste im Betrieb. Da hieß die Gasse, in der sie steht, auch noch Judengasse. Heute steht sie in der Kirchgasse. 1912 wurde die jüdische Gemeinde in Obernbreit aufgelöst, da auch keine zehn jüdischen Männer mehr da waren, die die Gottesdienste hätten durchführen können.
In der Folge wurde die Synagoge für alles Mögliche verwendet, zuletzt als Werkstatt für Landmaschinen. 2005 bildete sich ein Träger- und Förderverein unter dem Vorsitz von Friedrich Heidecker und Bürgermeister Bernhard Brückner. Aus anfangs 18 sind inzwischen 83 Mitglieder geworden. Ihnen gelang es, die Synagoge selbst in baufälligem Zustand in ein Kulturzentrum zu verwandeln.
Vorträge und Musikveranstaltungen wurden bereits abgehalten. Dennoch war allen Verantwortlichen klar, dass das Gebäude in diesem schlechten Zustand nicht bleiben konnte. Unterschiedlichste Fördertöpfe wurden geöffnet, edle Spender und Arbeiter mit einer gehörigen Portion Idealismus gefunden, bis die 300 000 Euro perfekt waren, die es braucht, um das Gebäude fachgerecht zu sanieren.
Ab nächster Woche beginnt der Restaurator Siegfried Scheder mit den konservierenden Arbeiten an den Wänden. Im August legt dann das Team um den Architekten Christian Küster und dem Statiker Franz Merz geübte Hand an den Umbau, der den Charakter des einstigen Gebäudes widerspiegeln soll.
"Der Gebetsraum wird hergestellt wie er damals war", erklärt der Architekt. "So kann der alte Raumeindruck wieder entstehen." Ein Tonnengewölbe wird mit Brettern eingezogen und verkalkt. Bis dahin sind die restlichen Wände im alten Zustand wieder zum Strahlen gebracht. "Man kann an den Wänden die Entwicklung des Gebäudes gut ablesen", erklärt Restaurator Scheder. Die Wandfelderung von 1800 ist noch vereinzelt zu erkennen. An anderen Stellen zeigt sich die Schablonenmalerei aus den Jahren um 1900. Selbst Teile der weiß getünchten Originalwand sind noch zu sehen. An einzelnen Stellen finden sich auch noch die Sitzplatz-Bezeichnungen, wie sie seit dem Mittelalter an der Wand waren.

Mikwe wieder gefunden


Was vor allem zu erkennen ist, wurde in mühevoller Handarbeit freigeschaufelt: "Es stellt das Prunkstück der Synagoge dar", erklärt Friedrich Heidecker, 1. Vorsitzender des Träger- und Fördervereins ehemalige Synagoge Obernbreit. Eine Mikwe, ein jüdisches Tauchbad, wurde wieder gefunden und ausgehoben. Die Treppe dorthin führt rund neun Meter in die Tiefe. Wie in früherer Zeit fließt auch jetzt dort wieder "lebendiges Wasser". Der darüber liegende Gewölbekeller wird ebenfalls wieder hergestellt.

Der Zukunft zugewandt


"Die Synagoge soll ein Ort der Geschichte und der Zukunft zugleich sein", betont Bürgermeister Brückner. "Wir wollen hier in Obernbreit einen Ort der Begegnung und der Toleranz schaffen. Verständigung über alle Kulturen hinweg ist heute wichtige denn je."