LANDKREIS KITZINGEN

Überholen ging schief

Auf seinem Weg ins Kloster Münsterschwarzach musste der 71-jährige Autofahrer viel Geduld aufbringen. Vor ihm war Anfang Mai vergangenen Jahres auf der Staatsstraße bei Schwarzach ein Bundeswehr-Laster unterwegs, der einen weiteren Bundeswehr-Laster gerade abschleppte. Als sich scheinbar die Möglichkeit zum Überholen bot, scherte der Rentner nach links aus, gab Gas – und sah plötzlich einen Renault auf sich zukommen.
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Symbolfoto Foto: Roland Pleier

Auf seinem Weg ins Kloster Münsterschwarzach musste der 71-jährige Autofahrer viel Geduld aufbringen. Vor ihm war Anfang Mai vergangenen Jahres auf der Staatsstraße bei Schwarzach ein Bundeswehr-Laster unterwegs, der einen weiteren Bundeswehr-Laster gerade abschleppte. Als sich scheinbar die Möglichkeit zum Überholen bot, scherte der Rentner nach links aus, gab Gas – und sah plötzlich einen Renault auf sich zukommen.

Der 71-Jährige bremste, ließ sich zurückfallen und versuchte hinter dem Gespann aus Volkach wieder auf die rechte Spur zu gelangen. Das klappe auch, allerdings stieß der Mann dabei einmal gegen den kaputten Laster am Abschlepphaken. Eine Weile fuhr der 71-Jährige noch hinter dem Laster her. Als dieser jedoch nicht stoppte, war auch für den Unfallverursacher die Sache erledigt. Scheinbar war nichts passiert.

Der Lasterfahrer hatte tatsächlich nichts von dem Anstoß gemerkt. Auf der Tagesordnung landete das Thema Unfallflucht, weil der entgegenkommende Renault etwas abbekommen hatte – Teile von einem herumfliegenden Außenspiegel hatten für einen kleinen Schaden gesorgt. Auch die Bundeswehr reklamierte im Zuge der Ermittlungen einen Schaden für sich, wobei sich dieser an einem kaputten und sowieso schon ramponierten Laster schwer feststellen ließ.

Keine klassische Unfallflucht

Bei der Verhandlung am Kitzinger Amtsgericht setzt Richter Bernhard Böhm einen Schaden von rund 1000 Euro an. Eine klassische Unfallflucht sei der Fall sicher nicht, zumal der Angeklagte ja auch nichts von dem Schaden an dem Renault wissen konnte. Sein Fehler jedoch war: Er hätte dennoch bei der Polizei anrufen und den Vorfall zumindest melden müssen.

Weil dies unterblieb, kam die Justiz ins Spiel. Das Gericht legt jedoch eine gewissen Nachsicht an den Tag. Der Vorfall sei „kein grober Verstoß“ gewesen. Die Geldstrafe hält sich mit 1800 Euro (30 Tagessätze zu je 60 Euro) ebenso in Grenzen wie das dreimonatige Fahrverbot. Wobei der unfreiwillige Fußgänger das Schlimmste hinter sich hat: Weil ihm der Führerschein bereits Ende Oktober entzogen wurde, muss er nur noch zwei Wochen warten, bis er wieder ins Auto steigen darf.

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