Volkach

Üben mit Musikprofis: Brennende Lungen, entspannte Muskeln

Das Volkacher Blasorchester hatte einen Workshop mit dem Heeresmusikkorps Ulm gewonnen. Die Profis forderten die Hobbymusiker ordentlich – bis zum großen Finale am Abend.
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Die Volkacher Querflötistinnen üben mehrstimmig das Jazz-Stück "Silver Seven" im Workshop unter Anleitung und mit Unterstützung von Michaela König. Foto: Maria Keil
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"Und? Brennt es euch in der Lunge?" fragt Übungsleiter Stefan Strecker seine Teilnehmer in der Waldhorngruppe. Vier junge Männer mit goldglänzenden Hörnern auf dem Schoß grinsen und nicken. Sie haben gerade eine intensive Übung zur Stärkung der Lunge geschafft und sind sichtlich stolz, die Herausforderung für Körper und Geist gemeistert zu haben. Die Waldhorn-Spieler gehören zum symphonischen Blasorchesters (SBO) der Musikschule Volkach. Das hatte 2015 einen überregionalen Musikwettbewerb des Militärmusikdienstes der Bundeswehr gewonnen. Zur Belohnung erhielt es nun Besuch von der Ulmer Musikeinheit.

Am Samstag kam die musikalische Truppe der Bundeswehr von der Donau an den Main, um ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten des Fördervereins SBO zu geben. Am Nachmittag wurden außerdem Workshops für die einzelnen Stimmgruppen in der Musikschule angeboten.

Leiser spielen ist nicht immer die Lösung

So auch bei den Waldhörnern. Nach dem Brennen in der Lunge will der studierte Waldhornbläser Strecker wissen: "Wie kann man Luft sparen?" Die prompte Antwort: "Leiser spielen!" Das sei richtig, nur natürlich nicht immer die beste Lösung, erläutert der Lehrer. Atempausen seien unverzichtbar, müssten aber mit dem Dirigenten abgesprochen werden.

Und was ist, wenn im Orchester ein paar Töne daneben gehen? Der Leiter der Fagottgruppe nebenan gibt den beiden Teilnehmerinnen des Workshops den Rat, Töne einzufangen und ein Intervall dazu zu bilden.

"Ich unterstütze euch, und dann könnt ihr das in Nullkommanix."
Michaela König, Flötistin

Im großen Saal der Musikschule liegt der Schwerpunkt des Workshops auf der Ganzkörpererfahrung des Musizierens. Hier macht Flötistin Michaela König die jungen Frauen der Querflötengruppe mit dem Konzept der Dispokinesis bekannt. Mit dem Körper und nicht gegen ihn, mit Wohlbefinden und ohne zu verkrampfen zu spielen, sei wichtig für ein langes, erfolgreiches Musikerleben. Es gehe darum, von Kopf bis Fuß auf die Musik eingestellt zu sein, zu wissen, welche Muskeln wie und wann angespannt werden müssen. Die Profimusikerin in Uniform erklärt freundlich, und dann wird gemeinsam ausprobiert. "Ich unterstütze euch, und dann könnt ihr das in Nullkommanix," sagt sie.

Isabel, Laura und Hanna, drei Querflötistinnen des Symphonischen Orchesters, waren 2015 bei dem gewonnen Wettbewerb in Balingen mit dabei. Ihnen gefällt der Workshop sehr gut, auch wenn sie natürlich schon in ihrem Unterricht in der Musikschule gelernt haben, was für die Körperhaltung und das richtige Atmen zu beachten ist. Nur, dass sie es natürlich oft wieder vergessen, beim Üben oder in der Aufregung des Auftritts.

Körperkonzepte vom Profi lernen

Wie wichtig die Physiologie für das gute Spielen auf dem Instrument ist, das war den drei jungen Frauen nicht so sehr bewusst. Sie nehmen den Rat, sich mit Körperkonzepten zu befassen ernst und möchten es im Alltag mehr anwenden. Und auch wenn alle Drei, die sich mitten in ihrer Ausbildung bzw. im Berufsleben befinden, viel Zeit für das Orchester verwenden, nutzen sie so oft wie möglich Gelegenheiten wie diese. Es sei schon etwas anderes, wenn eine professionelle Orchestermusikerin erzählt und anleitet.

Einige junge Erwachsene, die im Symphonischen Blasorchester spielen, haben mehr als 15 Jahre Erfahrung auf ihrem Instrument. Aber für die meisten bleibt das Musizieren ein Hobby. Wer sich überlegt, ein Musikerleben zu wählen, jedoch vor der Unsicherheit der beruflichen Laufbahn und den hohen Bewerberzahlen an den Musikhochschulen zurückschreckt, hat auch die Möglichkeit, in den militärischen Musikdienst einzutreten. Während und am Rande der Workshops gab es für die Teilnehmenden Gelegenheiten, bei den Profimusikern nach Rat zu fragen. Da gab es Tipps für den eigenen musikalischen Lebensweg oder die Auswahl des geeigneten Instruments.

Gemeinsames Konzert der beiden Orchester

Krönender Abschluss des spannenden Nachmittags war das Konzert am Abend vor über 300 Zuhörern in der Volkacher Mainschleifenhalle. Den ersten Teil bestritten die Profis aus Ulm alleine und zeigten sich laut Volkachs Musikschulleiter Oskar Schwab dabei erstaunlich vielseitig. Einen "tollen, gerundeten Orchesterklang" nannte der Musikfachmann den Auftritt. Das große Finale unter der Leitung von Oberstleutnant Matthias Prock und Bundesehrendirigent Ernst Oestreicher spielte dann dann beide Orchester gemeinsam. "Da hat man förmlich gemerkt, wie sehr das den Musikern – und dadurch auch dem Publikum – Spaß gemacht hat", schwärmte Schwab hinterher. Diese Spielfreude der Profis sei auch am Nachmittag bei den Workshops spürbar gewesen. Und davon haben alle profitiert,  ob Waldhornbläser oder Querflötistin.

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