KITZINGEN

Tramper greifen in Geldbeutel

Erst lassen sie sich als Tramper von Kitzingen nach Volkach mitnehmen. Und dann langen sie dem Fahrer in den Geldbeutel. Die Quittung stellte jetzt das Amtsgericht aus.
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justice Foto: liveostockimages (iStockphoto)

Erst lassen sie sich als Tramper von Kitzingen nach Volkach mitnehmen. Dann danken sie es dem Fahrer, indem sie ihm 100 Euro aus dem Geldbeutel holen und abhauen. Weit kamen sie damit nicht. Die zwei jungen Männer wurden gestellt, angezeigt und jetzt vom Kitzinger Jugendrichter wegen Diebstahls verurteilt.

17 und 18 Jahre sind die Angeklagten alt und nicht zum ersten Mal vor Gericht. Auch das Jugendamt kennt sie schon lange. Beide sind sie so was wie fast hoffnungslose Fälle: Kein Schulabschluss, kein Job, kein Geld, kein Zuhause. Beiden haben die Brücken zu ihren Familien weitgehend abgebrochen. Einfluss haben die Eltern schon lange nicht mehr. Der Grund: Massive Probleme mit Drogen. Die hatten sie auch im Mai, als sie das Vertrauen des Autofahrers missbrauchten und ihn um 100 Euro aus dem offen im Auto liegenden Geldbeutel erleichterten. Auf einem Parkplatz bei Volkach stieg der Fahrer kurz aus. Die Chance nutzte der Jüngere, klaute das Geld und beide hauten ab. Weit kamen sie nicht. Fahrer und Beifahrer stellten die beiden, zeigte sie an und so kam es zu dem Verfahren wegen gemeinschaftlichen Diebstahls.

Bis das losgehen konnte, musste der 18-Jährige erst abgeholt werden. Er hat den Termin zwar gekannt, ist aber nicht gekommen. Bis die im Gericht anwesende Mutter den Sohn mit sichtlichen Widerwillen beigebracht hatte, waren fast eineinhalb Stunden um. Das passte zur Einstellung: Alles ist egal. Alles wird zugesagt und dann schnell wieder vergessen. „Das Verhalten ist nicht berechenbar“, sagte die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe.

Immerhin haben beide den Diebstahl eingeräumt. Damit stand der Sachverhalt fest. Die Frage der Bestrafung war schwieriger. Zumal beide schon mehrfach unangenehm aufgefallen sind. Der jüngere hat fünf Einträge im Bundeszentralregister, der älter sechs. Körperverletzung, Diebstahl, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz: Fast alles dabei. Und beide kennen Justizvollzugsanstalten vom Freizeitarrest und Beugehaft längst von innen.

Einig waren sich die Beteiligten im Saal: Wenn die beiden nicht von den Drogen wegkommen, geht es weiter steil nach unten. Das soll das Urteil verhindern: Für den 17-Jährigen setzte es eine sechsmonatige Jugendstrafe. Allerdings mit der Chance auf Bewährung. Die ist daran geknüpft, dass er eine mehrmonatige Suchtherapie anfängt und durchhält.

Beim 18-Jährigen wurden es vier Wochen Dauerarrest, plus 60 Stunden soziale Hilfsdienste. Auch hier die Auflage, etwas gegen den Drogenkonsum unternehmen. Mindestens sechs Gespräche mit der Suchtberatung muss er nachweisen. In beiden Fällen waren ein paar alte Geschichten in das Urteil mit einbezogen worden.

Ob sich die Hoffnung des Richters erfüllt, die beiden durch eine Therapie doch noch auf den rechten Weg zu bringen, wurde im Saal eher skeptisch gesehen. Nicht nur der Staatsanwältin war aufgefallen, dass die auf der Anklagebank rumlungernden Jugendlichen so ganz nüchtern nicht sein konnten.

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