KITZINGEN

Tragende Aufgabe

Über 70 Brücken prüft Tobias Haupt regelmäßig in Kitzingen. Wie ist es um sie bestellt?
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Das Geländer hat seine besten Zeiten eindeutig schon hinter sich. Foto: Robert Wagner
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Der Diplom-Bauingenieur prüft seit 2009 regelmäßig Brücken und andere Bauwerke für die Stadt. Dabei unterscheidet sich sein Vorgehen kaum. Sei es nun die über 200 Meter lange Alte Mainbrücke oder kleine Brücken wie hier am Rodenbach: Haupt geht stets nach dem selben Muster vor. „Alles was zwei Meter lichte Weite überschreitet, gilt als Brücke und muss mindestens alle sechs Jahre handnahe, das heißt umfangreich, geprüft werden.“ Daneben werden alle drei Jahre einfache Prüfungen durchgeführt.

Das wichtigste Instrument für den städtischen Prüfer ist ein Hammer – „maximal 300 Gramm schwer“. Haupt klopft auf den Beton der Brücke. Dumpfe Schläge, scheinbar einer wie der andere. Nicht für Tobias Haupt. „Hier ist ein Hohlraum“, sagt er, klopft etwas fester, Beton splittert. „Der Bewehrungsstahl korrodiert.“ Rostender Stahl kann enorme Sprengkraft entwickeln. Die Schutzschicht aus Beton reißt, Wasser tritt ein, das Problem verschlimmert sich. „Hier ist es nicht dramatisch“, sagt Haupt. Trotzdem: Er dokumentiert den Schaden in Wort und Bild.

Auch bei den großen Brücken wird nach kleinsten Schäden gesucht. Nur die Bedingungen sind anders: Mit Hubsteigern werden die Prüfer dann unter die Brücke gehievt oder mit Kränen seitlich heruntergelassen. Auf der Oberseite geht man Fahrstreifen für Fahrstreifen vor. Der Verkehr braust knapp an den Prüfern vorbei. Wie damals am Biebelrieder Autobahnkreuz – Haupts erster Brückenprüfung im Jahr 2000. „Das fühlt sich dann schon sehr komisch an.“

Die gefundenen Schäden werden kategorisiert nach Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Haupt zeigt auf die morschen Geländer an der Rodenbachbrücke. „So etwas schränkt die Verkehrssicherheit ein – hat aber keine Auswirkung auf die Standsicherheit.“ Ausgetauscht werden müssen sie trotzdem. Dennoch: Die am Ende jeder Brücke stehende Note bedeutet nicht immer dasselbe. Risse im Belag und in den Fugen schädigen beispielsweise die Dauerhaftigkeit und senken die Zustandsnote. Eine unmittelbare Gefahr entsteht durch sie jedoch nicht.

Nur: Wenn sie nicht behoben werden, sinkt die Lebensdauer der Brücke. Deshalb wird bei Schäden auch nach den nötigen Maßnahmen unterschieden: Sind sie kurz-, mittel- oder nur langfristig nötig?

Auf der von eins bis vier gehenden Skala sind Brücken mit einer drei vor dem Komma im schlechten Zustand. Im Stadtgebiet trifft das beispielsweise auf die Alte Mainbrücke zu. Im Landkreis hat die Brücke über den Breitbach in Obernbreit eine Note von 3,0. Kritisch wird es dann, wenn tatsächlich die Standsicherheit nicht mehr gegeben ist, erklärt der Bauingenieur. Bekanntestes lokales Beispiel dafür ist die Neue Mainbrücke in Ochsenfurt. Statt einmal alle sechs Jahre wird dann in monatlichen Intervallen geprüft, Gewichtsbegrenzungen werden eingeführt, der Verkehr eingeschränkt oder, wie zuletzt in Ochsenfurt, ganz gesperrt.

Die Ochsenfurter Mainbrücke wird seit Anfang April komplett abgerissen. „Das ist oft wirtschaftlich günstiger, als eine Generalsanierung“, erklärt Haupt. Aber natürlich gibt es auch Brücken, wo das weder gewollt noch überhaupt möglich ist: Wie beispielsweise die Alte Mainbrücke in Kitzingen. Für das denkmalgeschützte Wahrzeichen Kitzingens soll dieses Jahr der Plan für eine Generalsanierung vorangetrieben werden. Dass diese nötig ist, zeigte sich schon vor anderthalb Jahren, bei der letzten Hauptuntersuchung: Durch die schlechte, beziehungsweise gar nicht vorhandene, Abdichtung am gut 700 Jahre alten Bauwerk dringt Wasser überall hinein. Das Mauerwerk wird durchnässt, Rost und Risse bilden sich. Die Ausbesserung wird einiges kosten. Gut drei Millionen Euro wurden damals veranschlagt.

Für Volkmar Halbleib (SPD), Mitglied im Landtag und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen, zeigt sich im Bezirk Unterfranken eine „versteckte Staatsverschuldung auf Kosten der Verkehrssicherheit“. So seien 33 von 87 und damit 38 Prozent aller Staatsstraßenbrücken im Landkreis Kitzingen sanierungsbedürftig. Laut Michael Fuchs, Bereichsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt Würzburg, stellt sich die Situation weit weniger dramatisch dar: Es handele sich um mittel- und langfristige Sanierungsaufgaben, die eingeplant seien.

Bei der Frage, wie denn die Lage im Stadtgebiet Kitzingen sei und ob hier genügend Geld zur Verfügung gestellt wird, lächelt Tobias Haupt. „Die wichtigen Sachen werden auf jeden Fall gemacht“, sagt er diplomatisch. Dann schnappt er sich seinen Hammer und verschwindet wieder unter der Brücke über den Rodenbach.

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