KITZINGEN

Träumen im Offizierskasino

Etwa ein Jahr vor dem Abzug der Amerikaner – Pressetreffen vor dem Offizierskasino. Sammeln, um gemeinsam in die gegenüberliegende Kaserne zu einem Fahnenappell zu fahren.
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Idylle am Südrand des Klosterforstes: Wo einst amerikanische Offiziere gefeiert haben, ist ein Hotel mit zehn Zimmern entstanden. Im Sommer lockt zudem ein 250 Quadratmeter großer Biergarten die Besucher an. Foto: Foto: Manfred Maier
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Etwa ein Jahr vor dem Abzug der Amerikaner – Pressetreffen vor dem Offizierskasino. Sammeln, um gemeinsam in die gegenüberliegende Kaserne zu einem Fahnenappell zu fahren.

Einen Blick in das schmucke Haus zu werfen – verlockend, geht aber nicht. Die Sicherheitsmaßnahmen sind so, dass man sich kaum traut, den Blick länger auf die schwere Holztür zu richten. Und fotografieren – das geht gleich dreimal nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen befinden sich auf ihrem Höhepunkt.

„So etwas Geniales hast du noch nie gesehen.“
Manfred Maier über den Moment, als er das Offizierskasino entdeckte

Ein paar Monate später sind nicht einmal mehr Blicke möglich: Nach dem Abzug der Amerikaner 2006 bleiben die drei ehemaligen US-Kasernen in Kitzingen auf Jahre geschlossen. Sie verfallen in eine Art Dornröschenschlaf, bevor die Liegenschaften über die Bundesagentur für Immobilienangelegenheiten (Bima) auf den Markt gebracht und nach und nach verkauft werden.

Acht Jahre später, Anfang Oktober 2013. Die schwere Holztür ist noch da. Unverschlossen. Keiner da, der einem den Eintritt verwehren würde. Im Gegenteil: Gäste ausdrücklich willkommen. Hausherr ist inzwischen Manfred Maier, der 2010 den etwa elf Hektar großen Richthofen-Circle gekauft hat – und sich seither dort einen Lebenstraum erfüllt.

Der 47-Jährige kennt sich mit ehemaligen US-Kasernen aus. Der Geschäftsführer einer Wohnbau-Firma hat schon einige frühere US-Areale gekauft, um dort Wohnungen zu sanieren und zu verkaufen. Wie beispielsweise das ehemalige US-Hospital auf dem Würzburger Mönchberg, das in Eigentumswohnungen umgewandelt wurde.

Im Richthofen-Circle ging es indes nicht nur ums Geschäft, sondern auch ums Private. Zusammen mit seiner Familie bezog Manfred Maier ein Einfamilienhaus und begann, sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Da Maiers Frau Andrea aus Albertshofen stammt, war man irgendwie auch daheim angekommen.

Als begeisterte Reiter fingen die Eheleute an, ein Pferdeparadies zu erschaffen. Eine moderne 45 mal 22 Meter große Reithalle entstand im April dieses Jahres an der Straße nach Großlangheim. Die Reitanlage ist für 40 Tiere ausgelegt. Der Clou: Die Pferde leben in einer Herde zusammen und bekommen – über implantierte Chips – automatisch ihr Futter.

Gleichzeitig wurde an der Infrastruktur gearbeitet: Zwei Häuserblocks kamen weg. Ein Block mit zwölf Wohnungen wurde saniert und vermietet. In weiteren Häusern entstanden Büroflächen. Dann machte sich Manfred Maier daran, das Prunkstück zu sanieren: Das Offizierskasino aus dem Jahr 1936 sollte in ein Veranstaltungshaus samt Hotel umgebaut werden.

Für den neuen Besitzer war es Liebe auf den ersten Blick: „Als ich das Offizierskasino zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich mir: So etwas Geniales hast du noch nie gesehen.“

Oktober 2013. Der Umbau ist vollbracht, das Hotel kann Eröffnung feiern. Zehn Zimmer stehen im ersten Stock bereit, später sollen sieben einfachere Übernachtungsmöglichkeiten für Radtouristen dazukommen. Im Spätsommer gab es bereits einen Probelauf für den Biergarten.

Im Erdgeschoss können Tagungen, Kongresse, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Vereinsversammlungen stattfinden – Bankettsaal, Kaminzimmer und Wintergarten bieten Platz für bis zu 200 Personen mit entsprechendem Catering-Angebot. Wobei sich der Hausherr vorstellen könnte, dass sich bald auch eine feste Gastronomie etabliert.

Nachdem der Ernstfall schon das eine oder andere Mal getestet wurde, fand vergangenen Samstag die offizielle Eröffnung statt. Mit der Band Irial, deren Mitglieder – in anderen Besetzungen – es früher am gleichen Ort auch schon vor Offizieren haben krachen lassen. Wobei sich damals keiner hätte träumen lassen, dass eines Tages normale Hotelgäste in dem Haus in die Betten sinken und träumen würden.

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