Fährbrück

Totenmesse mit Hoffnungshauch

Chorprojekt führte in der Wallfahrtskirche Fährbrück Mozarts Requiem auf Fährbrück.
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Welch ein Tag für eine Aufführung von Mozarts Requiem: Keine 24 Stunden nach den Attentaten in Paris, bei dem bis dato 129 Menschen ums Leben kamen, erklingt in der Wallfahrtskirche Fährbrück diese wohl bekannteste Totenmesse der Musikgeschichte. Das Abschlusskonzert des diesjährigen Chorprojekts des Geistlichen Zentrums am Schwanberg stand unwillkürlich unter diesem Stern.

Kirchenmusikdirektorin Christel Hüttner, die den rund 80-köpfigen Chor sowie das Streichorchester und die Solisten leitete, vermied aber einen Bezug nehmenden Satz zu der Tragödie und ließ stattdessen die Musik sprechen.

Es ist eines der interessantesten Stücke der Musikgeschichte und war lange Zeit Gegenstand musikwissenschaftlicher Auseinandersetzungen: Das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart, entstanden als sein letztes Werk im Todesjahr 1791. Eine Auftragsarbeit des Grafen Franz von Walsegg, vom Meister unvollendet und wegen des zu erfüllenden Vertrags von mehreren anderen Komponisten fertig gestellt.

Wie viel von Mozart selbst ist, weiß niemand. Sagenumwoben ist das Requiem, weil ein "grauer Bote" Mozart den Auftrag gegeben hatte, der anschließend als Bote aus dem Jenseits interpretiert wurde. Nicht zuletzt seit Milos Formans Film "Amadeus" aus dem Jahr 1984, wo die Arbeit am Requiem einen zentralen Anteil hat.

Ein leises Ende Vielleicht ist es in Tagen wie diesen, wo Trauer, Hass, Ratlosigkeit und Verzweiflung in der Luft liegen, letztlich die Musik, die etwas Hoffnung spenden kann. In der Bearbeitung des Mozart-Requiems wurde diese durch die Dynamik deutlich, die Christel Hüttner dem Werk einhauchte, auch wo keine Crescendi oder Decrescendi in der Partitur stehen. Der brachiale Schlussakkord des Requiems bleibt nach rund 50 Minuten Aufführungsdauer dann auch nicht wie ein Monolith im Äther stehen, sondern wird leiser, verschwindet, wird in die Ewigkeit geschickt.

Die Musik endet nicht abrupt, sondern scheint in alle Himmelsrichtungen verstreut zu werden. Wer ein Sensorium für diese Art des Ausdrucks besitzt, versteht den Wink. Doch auch ohne solche Interpretationen und tagesaktuellem Kolorit hinterlässt dieses Chorprojekt zwei zufriedene Menschengruppen. Da sind zum einen die Zuhörer in der voll besetzten Wallfahrtskirche, die in den Genuss zweier grandioser Vertreter der kirchlichen Musik kamen.

Denn dem Mozart-Requiem ging Johann Bachs Begräbnis-Motette "Unser Leben ist ein Schatten" voran, ein knapp zehn Minuten dauerndes und selten aufgeführtes Stück aus der Feder des Großonkels Johanns Sebastian Bachs.

Die ideale Einstimmung auf die tolle Akustik der Kirche, die ausgelotet wurde, indem man die Solisten auf die Empore stellte. Rhythmisch und dynamisch Beim anschließenden Requiem entfaltete der Klangkörper dann sei-ne gesamte Pracht: Das Adagio des Introitus mäanderte gemächlich wie bedrohlich vor sich hin, bei den virtuosen Sechzehntel-Partien des anschließenden Kyrie bewiesen Musiker wie Sänger ihre rhythmische wie dynamische Fertigkeit.

Schwelgende Partien wie das Benedictus wechselten so mit durchaus vertrackten mehrstimmigen Partien wie dem Agnus Dei ab. Zum anderen ist das Konzert, das am Ende des Chorprojekts stand, eigentlich nur ein Höhepunkt von vielen für die Teilnehmer, die teils einige hundert Euro und einige hundert Kilometer auf sich genommen haben, um in einer mehrwöchigen Probephase im Juli und November dieses Stück miteinander zu erarbeiten.

Darunter Laiensänger, aber auch Profis, die diese Erfahrung machen wollten. Christel Hüttners Ehemann und Mit-Sänger Peter Buss-Hüttner brachte es anschließend auf den Punkt: "Es ist der Weg des gemeinsamen musikalischen Erarbeitens, auf den wir uns machen und der die Erfahrung mit sich bringt, wegen der wir hier sind. Das Konzert ist dann eigentlich nur der Schlussakkord."

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