KITZINGEN

Totale Abkehr von krimineller Karriere

Zwei Jahre war er abgetaucht und hatte in dieser Zeit eine Kehrtwende gemacht. Das bewahrte einen 23-Jährigen vor einem harten Urteil im Kitzinger Amtsgericht.
Artikel drucken Artikel einbetten
(Symbolbild)
Die Zeit heilt nicht nur viele Wunden, sondern kann auch vor Knast bewahren. Das weiß jetzt ein 23-Jähriger, der nach etlichen Delikten als Bewährungsversager vor zwei Jahren vermutlich die ganze Härte des Gesetzes gespürt hätte. Weil er aber lange in der Versenkung verschwand und in der Zeit seinen kriminellen Lebenswandel beerdigte, zeigte der Richter am Kitzinger Amtsgericht Milde.
 

Promillefahrt und Fahrerflucht

Der junge Mann ist rundum geständig – und er hat eine ganze Menge „total“ zu bereuen: Im November 2013 treibt er es besonders bunt. Da ist er mit einem fremden Auto unterwegs. Mit jeder Menge Alkohol im Blut (die Blutprobe ergibt 1,45 Promille), aber ohne Führerschein rollt er durchs nächtliche Kitzingen. Auf dem Nachhauseweg kracht er in ein anderes Auto, hinterlässt einen Schaden von rund 1600 Euro und haut ab. Der geklaute Wagen bekam auch was ab: 400 Euro Schaden. Das Extra: Fahrerflucht.

Autodiebstahl missglückt

Ein dreiviertel Jahr später liegt erneut der Alkohol quer im Hirn. So zwischen vier und fünf Uhr rastet der junge Mann wieder mal aus. Erst demoliert er einen Klappstuhl, der als Deko vor einem Laden steht, dann will er in der Nähe ein Auto knacken. Weil die Türe nicht nachgibt, schlägt er das hintere Fenster ein. Der Autoklau klappt nicht, das Gefährt lässt sich nicht kurzschließen. Einzige Beute: eine Parkscheibe. Wert: ein Euro.

Zwei Taten, die normalerweise eher glimpfliche Strafen nach sich ziehen. Normalerweise. Der 23-Jährige hat fünf Vorstrafen – zwei Mal (wie in Fall eins) Fahren ohne Fahrerlaubnis, ein Diebstahl und Drogenbesitz. Der Gipfel der kriminellen Karriere endet Mitte 2013 vor Gericht: Diebstahl, Drogenbesitz, Handel mit Rauschgift und weil noch eine Schusswaffe mit im Spiel ist, langt die Justiz zu. Ein Jahr und drei Monate auf Bewährung.

Bewährungshelfer sieht radikale Kehrtwende

Und obwohl sein Schützling in dieser Zeit die zwei Delikte von 2013 und 2014 auf sein Konto lud, ist sein Bewährungshelfer von ihm überzeugt. Er habe noch nie eine so „radikale Kehrtwende erlebt“, zitieren ihn Richter Bernhard Böhm und einer seiner zwei Verteidiger.

Tatsächlich hat der junge Mann die Zeit, in der er von der Bildfläche verschwand, genutzt: Er hat eine Ausbildungsstelle gefunden, wird von seinem Chef geschätzt und hat laut Böhm ein Spitzenzeugnis in der Berufsschule mit einem Notendurchschnitt von 1,5. Von Drogen hält er sich fern, Alkoholexzesse gibt's wohl auch nicht mehr und die Schadensregulierung ist angelaufen.

Positive Zukunftsprognose

Geständnis, Reue, die Entschuldigung bei den Opfern und die Wiedergutmachung – der Staatsanwalt sieht eine positive Sozialprognose. Gleichwohl hält er angesichts der potenziell hochgefährlichen Alkoholfahrt und der Vorstrafen einen kräftigeren Denkzettel für angebracht: elf Monate Haft auf Bewährung. Einen Führerschein, den der 23-Jährige jetzt machen will, dürfe er erst nach einer Sperrfrist von elf Monaten bekommen, betont er.

Die Verteidiger plädieren für eine milde Strafe. Der junge Mann habe sein Leben komplett umgekrempelt und diese positive Zukunft dürfe man ihm nicht verbauen.

Da spielt auch der Richter mit: elf Monate Haft auf Bewährung, eine Führerscheinsperre von acht Monaten und 50 Stunden soziale Hilfsdienste. Böhm schiebt dem milden Urteil noch nach, was den jungen Mann erwartet hätte, wäre die Justiz kurz nach den Delikten seiner habhaft geworden: „Mit einem Bein waren Sie damals im Knast. Aber Sie haben die Zeit genutzt, um an sich zu arbeiten.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren