Würzburg

Tochter attackiert Mutter mit dem Küchenmesser

Eine dramatische Szene: Eine Psychiatrie-Patientin verletzt ihre Mutter, die nur aufgrund ihrer Geistesgegenwart überlebt. Waren nicht genommene Medikamente der Auslöser?
Artikel drucken Artikel einbetten

Den Angriff ihrer psychisch kranken Tochter (38) mit einem Küchenmesser hat eine Hausfrau (70) im November 2017 leicht verletzt überstanden: Sie hatte Glück, weil es ihr gelungen war, blitzschnell eine Tischdecke vom Küchentisch zu ziehen und sich wie eine Manschette um den Hals zu wickeln. Daher kam es nur zu einer oberflächlichen Verletzung am Hinterkopf; Stiche in Richtung Hals wurden durch die Tischdecke abgeblockt.

Der Fall beschäftigt jetzt als „versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung“ das Schwurgericht am Landgericht Würzburg. Allerdings geht es nicht um Bestrafung, sondern vor allem darum, ob die derzeit in einer psychiatrischen Klinik untergebrachte Tochter des Opfers dort bleiben muss und wenn ja, wie lange.

Anfall von paranoider Schizophrenie

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Beschuldigte, heute 39 Jahre alt und Rentnerin, zur Tatzeit aufgrund einer paranoiden Schizophrenie nicht schuldfähig war und dass weitere Straftaten nicht auszuschließen sind. Für die Beschuldigte erklärte ihr Anwalt, Bernhard Löwenberg (Würzburg) am ersten Verhandlungstag: „Ja, es war so wie vom Staatsanwalt vorgelesen.“ Die Frau wisse nicht, was an dem Tag mit ihr los war. Das habe sie schon am Tatort in Schwarzenau gesagt.

Medikamente am Arzt vorbei abgesetzt

Nicht auszuschließen ist, dass die Beschuldigte, die seit vielen Jahren bei der Mutter lebte, am 10. November 2017 ihre Einweisung nach Werneck befürchtete und vermutete, dass die Mutter das veranlasst haben könnte.

Die Mutter der Beschuldigten gibt „Werneck“ eine Mitschuld am Geschehen: Die Tochter habe eigenmächtig Anfang 2017 die verordneten Medikamente abgesetzt, „weil sie die nicht vertragen hat“, und auch eine regelmäßige sogenannte Depot-Spritze als Alternative abgelehnt. „Stellen Sie sich das mal vor“, sagte die Zeugin zum Gericht: „Fast ein Jahr lang war die ohne Medikamente.“ Sie habe die Tochter davon überzeugen wollen, dass sie Medikamente braucht, doch die habe immer wieder gesagt, „du siehst doch, dass es mir auch ohne gut geht“.

Fehler der Klinik?

Dann solle sie die Medikamente halt weglassen, habe ein Arzt in Werneck gesagt, berichtet die Mutter. Das sei ein Fehler gewesen, ist ihre Meinung, „mit Medikamenten wäre es mit Sicherheit nicht so weit gekommen“. Bei einer drohenden Einweisung hätte die Tochter mit Sicherheit die Depot-Spritze akzeptiert, aber Einweisung sei „für die in Werneck“ kein Thema gewesen.

Dass es gesundheitlich mit der Tochter so bergab ging, führte die Mutter als Zeugin vor Gericht auf jahrelangen Drogenkonsum zurück. Auf dem Friedhof von Schwarzenau seien Geschäfte abgewickelt worden. Als sie einen Verdacht hatte, sei sie der Tochter damals mit dem Fahrrad gefolgt und habe gesehen, dass sie 50 Euro unter ein Weihwasserbecken legte. Das Geld sei offensichtlich für Drogen bestimmt gewesen.

Mutter: „Heimlassen ist besser als Klinik“

„Und wie soll es nun weitergehen?“, fragte der Vorsitzende Richter Hans Brückner die Mutter. Die ist überzeugt: „Lasst sie heim, das ist besser als Klinik.“ Die Tochter habe sich schon über 100 Mal entschuldigt, und sie habe ihr verziehen. Wenn dann alle paar Wochen jemand vorbeischaue und gucke, ob sie ihre Medikamente nehme, werde das gut gehen. Gleich neben dem Haus der Mutter sei eine Wohnung für die Tochter frei.

Ein psychiatrischer Sachverständiger wird dem Gericht am nächsten Verhandlungstag sagen, was er von dieser Lösung hält.



Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.