STEIGERWALD

Tiefschlag für den Naturschutz

Auf Druck der Staatsregierung strengt die Regierung von Oberfranken die Aufhebung des umstrittenen Waldschutzgebietes „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ bei Ebrach an. Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) kritisiert dieses Vorgehen als skandalös, vor allem weil die Auflösung rechtlich nicht begründet sei.
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Schutzgebietsschützer: Gegen die Aufhebung des Schutzgebiets „Hoher Buchene Wald im Ebracher Forst“ stemmen sich (von links) Bund-Naturschutz-Landesvorsitzender Hubert Weiger, der frühere Forstbetriebsleiter Georg Sperber und der BN-Waldreferent Ralf Straußberger. Foto: Foto: Ulla Reck

Auf Druck der Staatsregierung strengt die Regierung von Oberfranken die Aufhebung des umstrittenen Waldschutzgebietes „Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst“ bei Ebrach an. Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) kritisiert dieses Vorgehen als skandalös, vor allem weil die Auflösung rechtlich nicht begründet sei.

Die Position des BN wurde jetzt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Freundeskreis Nationalpark Steigerwald untermauert. Vorausgegangen war eine Pressefahrt in den Hohen Buchene Wald, um bei dieser Gelegenheit die hohe Schutzwürdigkeit und Schutznotwendigkeit sowie die rechtmäßige Ausweisung des knapp 800 Hektar großen Gebietes herauszustellen.

Der Bundes- und Landesvorsitzende des Bund Naturschutz, Hubert Weiger, sprach in Ebrach von einem „Angriff auf das Gemeinwohl“, wenn korrekt ausgewiesene Schutzgebiete aus rein politischen Gründen wieder abgeschafft würden, ohne dass dies rechtlich begründet werden könne. Die Aufhebung des Schutzgebietes ist in seinen Augen „ein rein politisch motivierter Kniefall vor der Forst- und Holzwirtschaft“.

Doch Weiger befürchtet viel weitreichendere Folgen. Denn der Hohe Buchene Wald sei nicht nur außerordentlich schutzwürdig, sondern habe aufgrund der jüngsten Entwicklung eine Präzedenzfall-Bedeutung bekommen. Weiger: „Sollte es zur Aufhebung kommen, dann ist in Bayern kein Schutzgebiet mehr vor politischen Willkürakten gefeit. Das wäre ein Tiefschlag für den Naturschutz in ganz Bayern.“

Der einzige Profiteur davon sei der Freistaat, weil er dann in dem Gebiet wieder Holz machen könne. Für Weiger ein verheerendes Signal. Er unterstrich: „Was sollen wir künftig von privaten Waldbesitzern erwarten, wenn der Freistaat mit schlechtem Beispiel vorangeht.“

Da das Schutzgebiet nur den Freistaat betreffe, sei der Bund Naturschutz umso mehr gefordert, „den Rest an Glaubwürdigkeit staatlichen Naturschutz-Handelns zu sichern.“

Weiger weiter: „Außer es hätten sich entscheidende neue Erkenntnisse ergeben. Davon kann aber nicht die Rede sein.“ Denn, wenn man die Begründung der Bezirksregierung in Bayreuth lese, schnurre die ganze öffentliche Debatte auf einen einzigen Aspekt zusammen: Die ins Feld geführte, Weiger zufolge aber „völlig aus der Luft gegriffene und durch nichts belegte“ fehlende Nichtabgrenzbarkeit des Schutzgebietes.

Der BN-Bundes- und Landesvorsitzende ließ in Ebrach keinen Zweifel daran, dass der Bund Naturschutz alle ihm möglichen rechtlichen Mittel ergreifen werde, um eine Aufhebung der Verordnung für den geschützten Landschaftsbestandteil überprüfen zu lassen.

Das per Verordnung vom Landratsamt Bamberg als sogenannter Geschützter Landschaftsbestandteil nach Paragraf 29 des Bundesnaturschutzgesetzes ausgewiesene Waldnaturschutzgebiet bei Ebrach sorgt seit gut einem Jahr für heftige Debatten: Der Bamberger Landrat Günther Denzler (CSU) ließ es kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Grundlage und Voraussetzung für ein Unesco-Welterbe unter Schutz stellen.

Die vom Verein „Unser Steigerwald“ angeführten Gegner eines Nationalparks im Steigerwald, die Bayerischen Staatsforsten, auf deren Gebiet des Forstbetriebs Ebrachs der Hohe Buchene Wald liegt, und die CSU-Staatsregierung waren empört. Inzwischen hat der Landtag mit seiner CSU-Mehrheit das Bayerische Naturschutzgesetz geändert („Lex Steigerwald“). Für Naturschutzgebiete mit mehr als zehn Hektar Größe sind demnach nun die Bezirksregierungen und nicht mehr die Landkreise verantwortlich und zuständig.

Die Bezirksregierung in Bayreuth begründet die Rechtswidrigkeit der Verordnung schwerpunktmäßig mit einer fehlerhaften korrekten Abgrenzung des Schutzgebietes. Diesem Vorwurf traten BN und Freundeskreis Nationalpark Steigerwald bei dem Termin in Ebrach mit einem Kurz-Gutachten entschieden entgegen. Das Papier stammt von Georg Sperber. Der langjährige Leiter des Forstamtes in Ebrach gilt als einer der renommiertesten Waldnaturschützer Deutschlands.

Anders als von der Regierung von Oberfranken unterstellt, sei das Schutzgebiet als Teil von Natur und Landschaft anhand aktueller und historischer Grenzen der Landnutzung eindeutig und sinnvoll abgegrenzt und die Abgrenzung somit nachvollziehbar und auch rechtlich korrekt vorgenommen worden, so Sperber. Er betonte: „Für mich ist unzweideutig, dass die Abgrenzung innerhalb des Staatswaldgebietes eindeutig ist.“

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