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Kitzingen

Teurer Weinfestbesuch: 5400 Euro für Faustschlag

Lappalie oder "gefährliche Vorgehensweise"? Diese Frage beschäftigte das Kitzinger Amtsgericht nach einem handfesten Streit zwischen zwei Betrunkenen auf einem Weinfest.
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Das Amtsgericht in Kitzingen. (Symbolbild) Foto: Andreas Brachs

Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch: Die Vorwürfe gegen einen 25-Jährigen nach einer Auseinandersetzung auf dem Volkacher Weinfest waren nicht ohne, der Strafbefehl entsprechend happig: 6600 Euro (110 Tagessätze zu 60 Euro) sollte der Mann zahlen. Er hat Einspruch eingelegt – mit Erfolg.

Bei dem Einspruch ging es nicht in erster Linie um die Rangelei auf dem Weinfestplatz. Die räumte der Mann ein. Das erklärte Ziel war die Reduzierung der Tagessätze. Mit den 110 Tagessätzen wäre der bisher unbelastete Techniker vorbestraft gewesen. Die Straftaten wären im Bundeszentralregister erschienen, mit möglichen negativen Auswirkungen für die Zukunft des jungen Mannes. Am Ende einer kurzen Verhandlung reduzierte Richterin Patricia Finkenberger die Tagessätze auf 90 und damit auf eine Anzahl, die nicht zur Eintragung führt. Die Höhe der Tagessätze blieb bei 60 Euro und errechnet sich aus dem monatlichen Nettoeinkommen.

Oberlippe verletzt, T-Shirt zerrissen

Den Vorwurf der Anklage hatte der Mann eingeräumt. Danach war es kurz nach Mitternacht vor der Bühne auf dem Weinfestgelände zu einer Rangelei gekommen. In deren Verlauf hat der Angeklagte seinen Kontrahenten mit der Faust im Gesicht getroffen, ihn leicht an der Oberlippe verletzt und dessen T-Shirt zerrissen. Dem 25-Jährigen wurde ein Hausverbot erteilt, was ihn aber nicht daran hinderte, eine gute Stunde später noch einmal auf den Platz zu kommen. Unterm Strich kamen so eine Körperverletzung, eine Sachbeschädigung und ein Hausfriedensbruch zusammen.

Für diese Straftaten, insbesondere für die "gefährliche Vorgehensweise" mit der Faust, beharrte die Staatsanwältin bis zuletzt auf den 110 Tagessätzen. Der Verteidiger sah das völlig anders. Das sei kein gezielter Faustschlag gewesen, sondern ein Ausrutscher bei einer "Rangelei unter Betrunkenen". Eigentlich sei das eine Bagatelle, die so oder so ähnlich regelmäßig auf Weinfesten vorkomme und die Gerichte nicht belasten sollte. Zudem seien die Folgen eher überschaubar. Das "Opfer" habe nach der Auseinandersetzung gemütlich weitergefeiert.

Schmerzensgeld hat er schon gezahlt

Sein Mandant räume alles ein. Er bereue den Vorfall und habe sich entschuldigt. Zudem habe er im Rahmen eines Opfer-Täter-Ausgleichs bereits 400 Euro Schmerzensgeld an den Mann gezahlt, der kein weiteres Interesse an einer Strafverfolgung habe. Er verwies auf die blütenweise Weste seines Mandanten, den man wegen dieser Geschichte nicht kriminalisieren dürfe. Er hielt 60 Tagessätze für ausreichend und empfahl dringend: "Wir sollten die Kirche im Dorf lassen."

Dort ist die Kirche dann auch geblieben. Mit den 90 Tagessätzen lag die Richterin in etwa in der Mitte. Dennoch, auch wenn er nicht vorbestraft ist: Für den 25-Jährigen war es ein teurer Weinfestbesuch.