Rödelsee

Terroir-f-Punkt: Fernrohr schärft Blick auf Silvaner

Viel Geld nimmt die Gemeinde Rödelsee für ihren magischen Ort des Frankenweins, besser bekannt unter "terroir f", in die Hand.
Artikel drucken Artikel einbetten
Im gemeindeeigenen Weinberg unterhalb der Einsiedelei wird der "terroir f"-Punkt für Rödelsee entstehen. Gebaut wird ein begehbares Fernrohr mit Fokus auf die Winzergemeinde und vielen Informationen rund um den für Franken bedeutsamen Silvaner. Foto: Gerhard Krämer

Viel Geld nimmt die Gemeinde Rödelsee für ihren magischen Ort des Frankenweins, besser bekannt unter "terroir f", in die Hand. Da Castell auf einen eigenen Standort verzichtet hatte, war für Rödelsee das Thema Silvaner frei. Der Standort bei der Einsiedelei am Schwanberg bleibt, allerdings liegt er nun unterhalb im Weinberg selbst, in dem das Thema Silvaner auch weiter bespielt werden kann.

Mit etwa 320 000 Euro gab Thomas Wirth von arc.grün die Kosten an. Der Förderanteil beträgt 50 Prozent der Nettokosten, der Eigenanteil der Gemeinde soll laut Grundsatzbeschluss 150 000 Euro nicht übersteigen. Da bereits Zusagen über Zuschüsse von Geldinstituten und vom Weinbauverein vorliegen, gibt sich Bürgermeister Burkhard Klein optimistisch, auch was die Findung weiterer Sponsoren betrifft, die sich zum Beispiel dann auf den Sitzgelegenheiten verewigen könnten.

Hermann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG), hatte eingangs der Gemeinderatssitzung nochmals auf die Einzigartigkeit der "terroir f"-Punkte hingewiesen und ihre mittlerweile internationale Bekanntheit. Rödelsee werde einen der letzten bekommen – zusammen mit der LWG selbst, denn das Vinomax mit dem Thema Wein und Wissenschaft zieht von der Landesgartenschau in den Weinberg am Scharlachberg. Die mittelfränkische Weinbaugemeinde Ipsheim will ihren magischen Ort "Es gärt - von der Traube zum Wein" 2020 fertig haben. Das ist laut Kolesch auch das Jahr, in dem die Reihe der magischen Orte definitiv beendet wird. Es wäre gut, wenn Rödelsee heuer fertig würde, dann könne der Imagefilm über die magischen Orte nämlich noch ergänzt werden, erklärte Kolesch.

Jeder magische Ort hat auch ein besonderes architektonisches Gebilde, in Rödelsee soll es ein begehbares Fernrohr sein. "Wie bauen wir so ein Ding?" lautete die Frage, als es um die Umsetzung ging. Thomas Wirth erläuterte, dass man sich das Bauwerk aus Cortenstahl oder generell aus Metall nicht habe vorstellen können. Über die Zusammenarbeit mit der Wiesenbronner Firma Ackermann sei man dann auf das Material Corian gestoßen, einen mineralisch-organischen Verbundwerkstoff (Acrylstein). Die Unterkonstruktion soll aus Holz gefertigt werden, verkleidet wird diese dann mit den Corian-Platten. Dass dabei Kunststoff mit im Spiel ist, veranlasste Gemeinderätin Martina Neuweg dann später auch zu einem Nein.

Fernrohr 7,30 Meter lang

7,30 Meter lang soll das "Fernrohr" werden und eine begehbare Innenhöhe von 2,90 Meter haben. Der Außendurchmesser beträgt 3,90 Meter. Das Ganze ruht auf einer Stützkonstruktion. "Über eine Plattform läuft man dann in das Fernrohr hinein", erläuterte Wirth. Alles auf einer Ebene zum Weg. Farblich soll es außen eine beige-weißer Ton sein, innen ein goldener Farbton, um die Wertigkeit des Gebildes zu betonen. Im Inneren des Fernrohres wird es eine Medienwand mit sechs Modulen geben. Hier werden die Besucher dann mit reichlich Informationen versorgt. Für die Stromversorgung wird eine Leitung verlegt.

Die Gemeinde wird durch einen Tauschvertrag Eigentümer beim Weinberg in der Lage Küchenmeister, in die das Gebilde ragen wird. Derzeit ist er mit Riesling-Reben bestückt. Dem Thema gemäß soll der Weinberg aber auf die Silvaner-Familie umgestellt werden.

Auch ein Toilettenhäuschen soll aufgestellt werden. Ebenso soll in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde wegen des Magerrasens der Wanderweg als Einstieg in den Schwanberg bis zur sogenannten Einsiedelei neu angelegt und trittsicher gemacht werden.

Gemeinderat Peter Hirschberger schlug vor, am Ende des Fernrohres eine bessere Sichtmöglichkeit nach links und rechts zu schaffen. Das sei zwar eine Überlegung wert, allerdings sei das Fernrohr auf Rödelsee fokussiert, betonte Bürgermeister Klein.

Tobias Hemberger vom Rödelseer Weinbauverein erklärte, dass man hinter dem Projekt stehe und es unterstütze. Seitens des mit eingebundenen Touristikrates schwärmte Peter Hess vom neuen "terroir f", das Rödelsee auf Jahre hinaus etwas bringe. "Das Thema Silvaner besetzen zu können, ist das Nonplusultra". Er könne sich vorstellen, den Traumrunden-Wanderweg nach oben zu verlegen, dann wäre es der einzige Wanderweg, der zwei magische Orte, nämlich den von Rödelsee und den von Iphofen, auf der Strecke hat.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.