Hohenfeld
Karneval

Tatort Hohenfeld: Es geht um die Wurst

Der TSV Hohenfeld lud zum Faschingstanz in die vereinseigene Halle. Hochkarätige Gäste sorgten für einen schwungvollen Abend. Ein bisschen kriminalistisch ging es dabei auch zu.
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So kennen wir ihn: Michl Müller hält in Hohenfeld gestikulierend seine Büttenrede. Fotos: Tom Müller
So kennen wir ihn: Michl Müller hält in Hohenfeld gestikulierend seine Büttenrede. Fotos: Tom Müller
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Würde ein "Franken-Tatort" gedreht, er müsste in Hohenfeld spielen. In Michl Müller hätten die Hohenfelder dafür einen wortgewaltigen Fürsprecher bei der ARD. "Wenn hier ein Opfer gefunden wird, ist es nicht von 280 Messerstichen durchsiebt worden, sondern es kam unter die lokale Nordic-Walking-Gruppe", scherzte der Kabarettist gut gelaunt einen Tag nach der Prunksitzung in Veitshöchheim.
Er war der Stargast des ersten Faschingstanzabends, zu dem der TSV Hohenfeld am vergangenen Samstag in die vereinseigene Halle geladen hatte. An Müllers Seite trumpften ferner "Hauptmann Küppers" und "Bauer Eugen" auf.

"Wir wollten ganz bewusst keine Prunksitzung veranstalten", versicherte Volker Obermeyer, Vorstand des TSV Hohenfeld, "sondern die Faschings tänze aus den Dörfern, wie es sie früher gab, wieder aufleben lassen". 350 Narren und Närrinnen folgten der Einladung und füllten die Sporthalle.

"Die Künstler haben wir im Laufe des Jahres gebucht", berichtete Obermeyer. Die Strategie war gelungen, denn in diesem relativ kurzen Fasching grenzt es an ein Wunder, wenn man drei der größten Attraktionen im fränkischen Karneval zwischen dem Gipfeltreffen in Veitshöchheim und der heißen Endphase des Faschings auf einen Streich in die Halle bekommt. Obermeyers gute Kontakte aus seiner Zeit im Elferrat der Kitzinger Karnevalsgesellschaft waren es, die das Unmögliche für Hohenfeld möglich machte.

Politiker im Visier

Für Michl Müller war es die erste von insgesamt drei Veranstaltungen am selben Abend. Nach dem Besuch in Hohenfeld zog er erneut nach Veitshöchheim zur Faschingsgala der Tanzsportgarde und im Anschluss daran nach Zirndorf. Wer ihn am Vorabend im Fernsehen anlässlich der Prunksitzung in Veitshöchheim erlebt hatte, entdeckte Parallelen zu seinem Auftritt in Hohenfeld.
"Live ist halt doch besser als im Fernsehen", versicherte Astrid Glos. Die Kitzinger SPD-Stadträtin war eine von drei lokalen Politgrößen, die sich ins Faschingstreiben nach Hohenfeld trauten.

Gut gelaunt stellte sie sich dem Unvermeidlichen: Müller zog über die Politik her, wie man es von ihm kennt. Ungeniert nahm er sich den FDP-Politiker Brüderle vor, der ja nun der Spitzenkandidat in seiner Partei sei. "Ziemlich spitz ist er sowieso", so Müller.

Und schon war er mittendrin in der aktuellen Sexismus-Debatte. Steinbrück, Rösler und der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy bekamen ihr Fett weg.
Dann wurde Müller wieder unpolitisch und nahm sich den Gegensatz zwischen Mann und Frau vor. "Seit es Navi´s gibt, vergessen immer mehr Männer ihre Frauen", flachste der Bad Kissinger. "Schließlich ist da schon eine im Auto, die immer spricht". Es sind Kalauer wie diese, die die Fans von den Sitzen rissen.

Bei seiner inzwischen schon legendären Tanzeinlage zum Song "Ich und du" geriet der Saal ins Toben. Und ohne Zugabe, die bei Michl Müller erneut in eine Tanzdarbietung zum Song über die "Fleischereifachverkäuferin Eileen" müdete, kam der "Drecksack" natürlich nicht aus der Halle.

Kaum war Müller weg, betrat "Hauptmann Küppers" die Arena, bewaffnet mit Gitarre und Tablet-PC. Auch er nahm zunächst die Politiker vor die Flinte. Zur gescheiterten Ehe von Ex-Bundespräsident Wulff und seiner Frau Bettina fragte er feinsinnig, "wen die ehemalige First Lady wohl als nächstes eskortiert". Wie Müller, so ging auch er auf Rainer Brüderle los. "Angela Merkel hat jetzt ein Spitzen-Brüderle in der Koalition bekommen", stichelte er. Die Sexismus-Diskussion dehnte er auf die Polizei aus, "den größten Trachtenverein der Nation". Als er von einer Polizistin gestoppt worden sei, habe er bedauert, "dass die Frauen bei der Polizei kein Dirndl tragen".
Beißenden Spott schüttete er abschließend über die "Konkurrenzveranstaltung für die Fasenacht" aus. Im November würde ja auch Halloween gefeiert.

"Da schicken die Eltern ihre Kinder zum Betteln", spöttelte er.
Weniger bissig, aber nicht weniger unterhaltsam geriet der Auftritt von "Bauer Eugen" alias Otmar Schraut, der einen Heimkehrer vom letzten Afrika-Urlaub gab. Seine Späße über die Szenen aus dem Innenraum eines Urlaubsfliegers, die Erzählungen vom Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung und dem Liebesleben mit seiner Frau Olga rissen die 350 Narren zu Lachstürmen hin.
Für den TSV Hohenfeld war diese Faschingsveranstaltung eine gelungene Premiere. Die Mainbernheimer Showtanzgruppe sorgte mit der "Dance Factory" und der TSV-eigenen Nachwuchsgarde für schwungvolle Abwechslung zwischen den Kabarettisten. Und die Band "M & M" aus Schwarzach heizte den Gästen ordentlich ein, so dass der Faschingstanz bis spät in die Nacht auf Hochtouren lief.
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