Gnodstadt

Tag des Bieres: Glauber lobt Jugend und schimpft Autobauer

Umweltminister Thorsten Glauber tritt beim Tag des Bieres in Gnodstadt in Hubert Aiwangers Fußstapfen. Er überzeugt die volle Halle – und schimpft auf die Autoindustrie.
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Thorsten Glauber (Mitte), der bayerische Staatsminster für Umwelt und Verbraucherschutz (Freie Wähler) bei der Feier zum Tag des Bieres in der Brauerei Düll in Gnodstadt. Foto: Daniel Peter
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1,7 Millionen. Das ist eine Zahl, die Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) nachhaltig beeindruckt hat. 1,7 Millionen ist die Zahl der Unterschriften für das Volksbegehren zum Artenschutz vor wenigen Wochen. 1,7 Millionen – das ist eine Zahl, die direkten Einfluss auf die Bayerische Politik hat.Warum und wie, das machte der Umweltminister am Freitagabend beim Tag des Bieres in der Brauerei Düll in seiner Rede deutlich. Und nicht nur er.

Das begann schon bei der Begrüßung durch Bräu Martin Rank, der Richard von Weizsäcker zitierte: "Man könnte froh sein, wenn die Luft so rein wäre, wie das Bier." Und setzt sich mit Landrätin Tamara Bischofs Anspielung auf den Klimawandel fort: "Heute ist für uns ein Freudentag: Es regnet." Freude über Regen – was für Zeiten. Bischof geht dann schnell auf den Parteikollegen und Hauptredner Glauber ein und bekundet ihren Respekt für die schnelle Regierungsbildung in München, Sagt aber auch: "Wichtig für uns ist aber, was dabei rauskommt." Bei der Regierungsarbeit natürlich.

Und sie erweist sich durchaus als Bierzeltrednerin. Zwei Mal sei Parteichef Aiwanger in Gnodstadt gewesen – durchaus eine Herausforderung für Glauber. Aber: "So lang wie der Aiwanger muss man net red", Dialekt kommt durchaus bei den Zuhörern an. Aber noch mehr der Folgesatz: "Schau mer mal, wie lang's dauert, wie oft wir klatschen – daran wird man gemessen."

"Alles was Du versprichst, wird von Dir eins zu eins eingefordert."
Thorsten Glauber, bayerischer Umweltminister

Minister Glauber nimmt diese Herausforderung an – und bewältigt sie. Er schafft es, die Aufmerksamkeit im bierseligen Publikum rund 45 Minuten hoch zu halten und erhält zwischendurch immer wieder Beifall. Er komme, sagt er, aus der Kommunalpolitik, "der ehrlichsten Art der Politik". Denn: "Alles was Du versprichst, wird von Dir eins zu eins eingefordert." Deshalb sein Prinzip: "Politik von unten nach oben, nicht von oben nach unten machen." Dabei könne man durchaus kontrovers diskutieren: erst arbeiten und dann verkünden. Was am Ende auch die kurzen und erfolgreichen Koalitionsverhandlungen mit der CSU erklärt: "Nichts ist nach außen gedrungen."

Und jetzt sitzt er dem Umweltministerium vor. "Nicht einfach, aber wichtig" ist die Politik dort. Etwa das Wasser. Starkregenereignisse auf der einen – leere Wasserspeicher auf der anderen Seite. Trotzdem nur fünf Euro für 1000 Liter eines gut überwachtes Lebensmittels: "Das müssen wir erhalten", so Glauber und deshalb: "Wir wollen kein Wasser in privater Hand."

Das Volksbegehren mit seinen 1,7 Millionen Unterschriften, Glauber kommt gerade aus München vom "Runden Tisch zum Artenschutz",  hat manches verändert. Da saßen die "in mehrere Teile aufgespaltene Landwirtschaft" den Initiatoren des Volksbegehrens gegenüber – und es konnte eine Lösung gefunden werden. Glauber mach deutlich: "Artenschutz ist nicht alleine die Aufgabe der Landwirtschaft." Die Politik muss den Bauern zur Seite stehen und entsprechenden Ausgleich schaffen, etwa bei der Entschädigung für die Gewässerrandstreifen. Er macht auch deutlich: "Streuobstbestände zum Biotop zu erklären: Das will ich nicht."

Die Jugend sollte man ernst nehmen

Lange wurde kritisiert: Die Jugend hockt nur am Computer. Jetzt, wo sie freitags für den Klimaschutz demonstriert "sollten wir sie ernst nehmen". Denn: "Die sind kreuzbrav und hochanständig im Gegensatz zu den 68ern, zu denen mein Vater gehörte."

Harsche Kritik gibt's vom Minister für die Autoindustrie: "Wenn wir an den alten Verbrennern festhalten, geht die Reise an uns vorbei", sagt Glauber und singt eine Hohelied auf dezentrale Energieversorgung – dann brauche es auch keine großen Stromtrassen. Wobei Energiewende weit mehr als nur Strom ist. Investitionen auch der öffentlichen Hand in Gebäudesanierung sei ein Jobmotor für die heimischen Handwerker: "Es ist das Handwerk, das uns trägt, nicht die BMWs und die Audis". Klar, dass es auch dafür in Gnodstadt viel Beifall gibt.

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