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Kitzingen

Tag der Frauen: Warum die Schöpfung nicht mehr leise schreit

„Wenn jeder a weng“ – so das Motto am Tag der Frauen, zu dem die Dekanatsfrauenbeauftragten eingeladen hatten, um „auf den leisen Schrei der Schöpfung zu hören“. Bei einem gemeinsamen Frühstück im Paul-Eber-Haus nahmen zwei Pfarrerinnen dieses spannende Thema unter die Lupe.
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Sie sind stolz auf einen gelungenen Dekanatsfrauentag (hinten von links): Anja Saukel, Pfarrerin Christine Stradtner, Dekanatsfrauenbeauftragte Elli Stühler, Ulrike Ahrens und Pfarrerin Raffaela Meiser sowie (vorne von links): Dekanatsfrauenbeauftragte Ursula Sattes, Susanne Haag und Dekanin Kerstin Baderschneider. Foto: Elli Stühler

„Wenn jeder a weng“ – so das Motto am Tag der Frauen, zu dem die Dekanatsfrauenbeauftragten eingeladen hatten, um „auf den leisen Schrei der Schöpfung zu hören“. Bei einem gemeinsamen Frühstück im Paul-Eber-Haus nahmen zwei Pfarrerinnen dieses spannende Thema unter die Lupe.

Pfarrerin Raffaela Meiser entführte die Frauen zunächst auf eine Phantasiereise in eine noch heile Welt. Es gibt sie noch, die Flecken der Erde, die dem menschlichen Massentourismus noch nicht erlegen sind –dort, wo die Sonne wärmt, bei strahlend blauem Himmel ein laues Lüftchen weht, die Tiere ihren Lebensraum behalten und eine idyllische Stille das Land überzieht. Die Blumen duften, die Vögel zwitschern und prächtige Farben geben der Landschaft ein unwiederbringlich einzigartiges Panorama. Hier muss die Natur keinen Mangel leiden an Wasser, Licht und Nährstoffen – alles ist im Überfluss da.

Dankbar für Gurken und Tomaten aus dem eigenen Garten

Voller Dankbarkeit denke Meiser an ihren Garten, in dem sie Gurken und Tomaten erntet, das bringe ihr Gottes Schöpfung ganz nah. Im Sommer fährt sie mit ihrem E-Bike am Main entlang, durch die herrliche fränkische Landschaft und fühle sich zurückversetzt in ihre Kindertage. Sie hat sich vorgenommen, mit Seedbombs (Bällchen mit Pflanzensamen) die Blühflächen an Straßengräben und unter Bäumen zu beleben. Dort werden sie weder gespritzt noch genverändert, Bienen und Schmetterlinge finden Nektar und Nahrung, so will sie die Artenvielfalt erhalten.

Pfarrerin Christine Stradtner fragt sich manchmal, wenn sie sich am Morgen in ihrer kleinen Kirche mit der Mesnerin austauscht: „Heute war wieder ein herrlicher Sonnenaufgang – wie kann es sein, dass unsere Welt so krank ist und wir merken es nicht wirklich?!“

Sie wurde 1969 im Jahr der Mondlandung geboren – das Unmögliche war wahr geworden. Neil Amstrong setzte seinen Fuß auf den Mond, um dort spazieren zu gehen. Heute nimmt Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer diese Mondlandung als Beispiel dafür, dass ein ganzes Jahrzehnt etwas mit einem Ziel verfolgt wurde, unter Aufwendung von viel Geld, Ressourcen und schöpferischem Willen. Wo ist der Wille heute, um die Welt zu retten, dieser Klimakatastrophe beherzt entgegen zu treten?

Waldsterben, schmelzendes Eis und Artensterben 

„Wir Kinder der 80er Jahre erlebten Waldsterben, das durch den „Sauren Regen“ verursacht wurde. Bilder von kahlen Waldszenarien machten uns Angst“, erinnert sich die Pfarrerin. Merken wir denn nicht, wie kaputt diese Welt ist? Hören wir den leisen Schrei der Schöpfung oder ist er schon laut – wenn Eisblöcke schmelzen und Arten aussterben? Stradtner berührt die Frauen mit ihren Aussagen, mucksmäuschenstill ist es im Saal des Paul-Eber-Hauses geworden.

Die neue Dekanin Kerstin Baderschneider sieht eine enge Verbindung zwischen dem Anliegen der Bewegung „Fridays for Future“ und dem biblischen Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. Es gehe um einen bewussten Umgang mit Ressourcen und um eine Haltung der Ehrfurcht vor allem, was lebt. „Wir dürfen das Staunen nicht verlernen“, so Baderschneider.

Wenn man einen Blick habe für die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung, komme der Wille zu mehr Nachhaltigkeit und zum freiwilligen Verzicht von ganz allein. Es seien kleine Schritte, die schon etwas verändern, zum Beispiel weniger Flugreisen, keine Erdbeeren im Januar, weniger Fleischkonsum. „Wenn jeder a weng“ eben.

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