CASTELL

Süßes und neue Wege bei der Bürgerwehr

Die Tradition findet ihren Weg auch durch die Baustellen. Das stellte nicht nur Bürgermeister Jochen Kramer beim Auszug der Bürgerwehr am letzten Tag der Casteller Kirchweih fest, an dem sich die Männer in Frack und Zylinder ein wenig von ihrer sonstigen Strecke durch den Ort abweichen mussten.
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Der Zieler und der Nachwuchs ganz vorne: Beim Auszug der Bürgerwehr am Casteller Kirchweihdienstag führte Zieler Johannes Gegner mit den Kindern als Preisträger den Zug an. Foto: Foto: Andreas Stöckinger
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Die Tradition findet ihren Weg auch durch die Baustellen. Das stellte nicht nur Bürgermeister Jochen Kramer beim Auszug der Bürgerwehr am letzten Tag der Casteller Kirchweih fest, an dem sich die Männer in Frack und Zylinder ein wenig von ihrer sonstigen Strecke durch den Ort abweichen mussten. „Unser Dorf Castell, eine einzige Baustelle. Umleitungen und Straßensperren begleiten uns seit einigen Wochen. Alt gewohnte Abläufe und Wegstrecken müssen umorganisiert werden“, sagte Kramer bei seiner Ansprache am Rathaus.

Am Casteller Ehrentag seien die Baustellen „reine Äußerlichkeiten“, so Kramer. Wichtig seien die Zielpunkte Rathaus, Schloss, Kirche und Schießstätte, sowie das Gasthaus Grüner Baum. Seit Jahrhunderten werde „unser Bürgerauszug“ in alter Tradition gehalten, da trotze man auch mal den Umleitungen. Die rund 90 Bürger in Frack und Zylinder sahen das ebenso, sie hatten sichtlich gute Laune bei der Brauchtumspflege.

„Ein exklusiver Feiertag nur für uns, und nicht für den Tourismus.“
Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell

Das zeigte sich an der dritten und letzten Station, der Kirche. Dort lief der Trupp gleich einmal eine Runde mehr um das Gotteshaus, als eigentlich vorgesehen. „Ihr braucht wohl noch etwas Bewegung“, wunderte sich Bürgerhauptmann Volker Hartmann schmunzelnd, als der Tross mit Musik an ihm erst einmal vorbeizog, anstatt anzuhalten. Nach der zweiten Runde blieben sie doch stehen, um den Worten von Dekan Günter Klöss-Schuster, ebenfalls in Frack und Zylinder, zu lauschen.

Der Gottesmann hatte nicht nur besinnliche Worte zur Stärkung, er reichte der Bürgerwehr später zwei Körbchen mit Schokolade. Das sei auch ein klein wenig als Dank dafür, dass die Bürger durch Spenden dazu beitrugen, den Sockel der Kirche zu renovieren. Von den gesamten Kosten in Höhe von etwa 100 000 Euro hätten die Bürger, plus der verkaufte Jubiläumswein, rund 39 000 Euro erbracht, sagte der Dekan. Er wies darauf hin, dass die Kirche nicht nur zum Renovieren da sei, sondern auch zur Feier der Gottesdienste, wozu er auch die Bürgerwehr einlud.

Zuvor im Schloss hatte Ferdinand Erbgraf zu Castell-Castell das für ihn Besondere am letzten Kirchweihtag hervor gehoben. Das Jahr über werde vieles in Castell gefeiert, häufig und gerne mit Auswärtigen. Ihm gefalle gerade, dass der Kirchweihdienstag „ein exklusiver Feiertag nur für uns ist, und nicht für den Tourismus“.

Ein Präsent hatte Erbgraf Ferdinand diesmal für die Kinder, welche die Preise trugen, die es beim Schießen später zu gewinnen gab. Der Adelige erinnerte daran, dass auch er, wie viele der heutigen Bürgerwehrler, einst als Preisträger angefangen habe und sich damals genau angeschaut habe, wie das am Kirchweihdienstag so ist. Deswegen sollen die Bürger dem Nachwuchs zeigen, wie man mit Anstand feiert.

Die erste Haltestation am Morgen war wie üblich am Rathaus, wo die schwarz Befrackten Bürgermeister Kramer samt Gemeinde- und Kirchenräte abholten. Das Ortsoberhaupt nutzte das zur kurzen Ansprache, bei der er aufs Geschehen der letzten Monate in Castell einging. Neben den Baustellen wies er auf den Weingarten hin, der momentan über dem Ort entstehe. Davon profitiere auch die Bürgerwehr, weil dadurch künftig auf dem Gelände der ehemaligen Kegelbahn, wo jedes Jahr das Bürgerschießen stattfindet, mehr Platz sei.

Kramer ehrte einige Bürger für ihre langjährige Teilnahme am Auszug. Bereits 50-mal war Ehrenhauptmann Kurt Goldfuß in Frack und Zylinder dabei, davon 36 Jahre als Hauptmann der Wehr. Ausgezeichnet wurden außerdem Hans Schwab (30 Jahre), Friedrich Graf zu Solms-Laubach (20 Jahre) und Frank Langmann (zehn Jahre).

Der Dienstag lief traditionell ab. Dem Schießen folgte am Nachmittag der Schlosstanz im Schlosshof, danach zog die Bürgerwehr zur Preisverleihung ins Schützenhaus. Am Abend klang die Kirchweih aus.

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