Die großen Geschäfte macht Ottmar Till nicht unbedingt auf den kleinen Kirchweihen, wie kürzlich in Castell. Dort hatte der Schausteller zwei Wagen aufgestellt, die zumindest Kinderherzen höher schlagen lassen. Wer wollte, konnte beim „Kugelstechen“ sein Glück probieren, jede Menge großer und kleiner Preise gab es zu gewinnen.

Till steht im Wagen mit den Süßigkeiten, verkauft Zuckerwatte gebrannte Mandeln oder sonstige an bunte und gezuckerte Leckereien. Das kleine Karussell, das gerade einmal sechs Kindern Platz zum Mitfahren bietet, hat er sich von einem befreundeten Schausteller ausgeliehen.

Für Ottmar Till, der aus Oberfranken stammt und seit vielen Jahren in Iphofen zuhause ist, endet die Saison, wenn sich die kältere Jahreszeit nähert. Die Kirchweihen in Albertshofen und Buchbrunn hat er noch auf seinen Terminplan. Viel zu verdienen sei aber nicht in den kleinen Orten. Ganz mau sei es, wenn das Wetter nicht mitspielt. „Das sind so Verlegenheits-Kirchweihen, damit man nicht nur von seiner Substanz lebt“, sagt der 63-Jährige, der 1973, also vor 40 Jahren, anfing.

Von Beruf ist Ottmar Till Bankkaufmann: „Ich war bei einer Privatbank beschäftigt und wir hatten viele Schausteller als Kunden.“ Manche sind ihm treu geblieben, für den ein oder anderen macht er nach wie vor die Steuererklärung, oder hilft bei der Buchhaltung. Vom Bankschalter aus entschloss sich Ottmar Till, umzusteigen. Nach dem Wehrdienst startete er 1973 als Selbstständiger in das Gewerbe der Schausteller. Dazu verließ er seine Heimat. Um Hof herum sei es schwierig gewesen, der Eiserne Vorhang mit der DDR und Tschechien direkt nebenan grenzten zu sehr ein. Außerdem, da ist sich Ottmar Till sicher, ist in Mainfranken das Klima besser, auch fürs Geschäft.

„Aufhören könnte ich nicht, ich liebe mein Frankenland, das Herumreisen dort. Man erlebt jeden Tag Neues.“
Ottmar Till, Schausteller aus Iphofen

Also zog er den Main hinunter, wurde zunächst 1979 in Sommerach, später ab 1984 in Iphofen, heimisch. Den Sommer über ist er selten daheim, da lebt er meist im Wohnwagen. Nur wenn die Feste in der näheren Umgebung sind, wird zu Hause übernachtet.

Mittlerweile ist Till von den großen Fahrgeschäften wie Autoscooter, oder der Berg- und Talbahn, die er früher unter anderem betrieb, weggekommen. Das rentiere sich kaum, die Kosten für Öl, Strom und Personal müsse man erst einmal reinbringen. Ottmar Till organisiert heute auch Vergnügungsparks, etwa das Kitzinger Frühlingsfest auf dem Bleichwasen. Er wirbt ihm bekannte Schausteller an, damit sie ihre Fahrgeschäfte auf den Volksfesten aufstellen, und koordiniert das Fest.

Die goldenen Zeiten, wie in den 80er und 90er Jahren, sind längst vorbei. An sie denkt Schausteller Till gerne zurück. Die Jahre kurz nach der Wende um 1990 spülten viel Geld in die Kassen. „Das war ja alles neu für die Menschen im Osten, die Süßigkeiten oder die Fahrgeschäfte. Geld hatten sie. Jetzt ist dort alles kaputt, im Osten kannst du keine Geschäfte mehr machen“, plaudert er aus dem Nähkästchen.

Einige Zeit lang hielten ihn wenigstens noch die deutsch-amerikanischen Volksfeste im Frühjahr ganz gut über Wasser. „Jedes erste Wochenende im Monat, in Schweinfurt, Kitzingen, Würzburg. Da stimmte das Verhältnis“, schwärmt Till in Erinnerungen. Das ist auch passé.

Heute sitze das Geld bei den Leuten längst nicht mehr so locker, das merke er. Trotzdem kann sich Ottmar Till keinen anderen Beruf, kein anderes Leben vorstellen. „Aufhören könnte ich nicht, ich liebe mein Frankenland, das Herumreisen dort. Man erlebt jeden Tag Neues, außerdem habe ich mittlerweile gute Kontakte zu den Gemeinden.“ Bis er 70 Jahre alt ist, möchte Till als fahrender Händler durch die Lande ziehen.

Dieses Jahr besucht er noch einige Weihnachtsmärkte, dann folgt für Till die Winterpause. Daheim in Iphofen: „dreieinhalb Monate Saure-Gurken-Zeit“. Sie endet wohl kommendes Jahr mit dem Kitzinger Frühlingsfest. Von da an beginnt die Saison und das Reisen durch Franken wieder für Ottmar Till, den Schausteller aus echtem Schrot und Korn.