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Kitzingen

Streit vor Gericht: Polizei als Dauergast im Wohngebiet

Ein seit Jahren ausgefochtener Streit zwischen Nachbarn in Kitzingen landete vor Gericht. Dass die verhängte Geldstrafe die Situation befriedet, ist nicht zu erwarten.
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Eine Statue der Justitia. (Symbolbild) Foto: Peter Steffen, dpa

Die Polizei kennt den Weg in das Kitzinger Wohngebiet. Seit Jahren beschwert sich ein Rentner über Lärmbelästigungen durch den Nachbarn und holt die Beamten. Dass auch Beleidigungen zum Alltag gehören, zeigte sich jetzt vor dem Kitzinger Amtsgericht. Dieses hat einen 54-Jährigen zu 1000 Euro wegen Beleidigung verurteilt, der 66-jährige Nachbar war Zeuge. Es kann aber bald auch umgekehrt sein.

"Sie können nicht miteinander, das ist so." Dieser Erkenntnis von Richterin Patricia Finkenberger hat in der Verhandlung niemand widersprochen. Da zeigte sich schnell: Jeder der beiden Nachbarn fühlt sich als Opfer. Täter ist keiner. In den Augen des Gerichts schon. Nach einem Einspruch gegen einen Strafbefehl verurteilte das Gericht den 54-Jährigen wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätze zu 50 Euro. Damit hat sich dessen Einspruch nicht gelohnt. Hätte er den Strafbefehl akzeptiert, was ihm die Richterin dringend ans Herz gelegt hatte, hätte er 200 Euro gespart.

Für Staatsanwaltschaft und Gericht stand nach der Aussage von vier Zeugen fest: Den Nachbarschaftsstreit gibt es seit Jahren. Eine Anzeige folgt der anderen, fast immer wegen Ruhestörung. Nach den bisher mindestens 20 Polizeieinsätzen kam es regelmäßig zu Beleidigungen.

Es fielen Begriffe aus der untersten Schublade

Diese wurden nicht immer angezeigt. Die vom vergangenen Oktober schon. Da war wieder mal die Polizei da. Am Tag danach zog der 54-Jährige über den auf dem Balkon stehenden 67-jährigen Nachbarn sowie dessen Sohn her. Begriffe aus der untersten Schublade sollen gefallen sein. "Hurensohn", "Drecksau" oder "Scheiß-Deutscher" gehörten laut Aussage des 67-Jährigen dazu und weitere, eher nicht zitierfähige.

"Das ist alles gelogen", kam von der Gegenseite. Alles sei ganz anders. Seit er mit seiner Familie vor ein paar Jahren in das Wohngebiet gezogen sei, gebe es Ärger, sagt der Mann mit türkischen Wurzeln. "Geht zurück in die Türkei, ihr habt hier nichts zu suchen", bekomme er ständig zu hören, oder auch "ihr stinkt". Dennoch, von Beleidigungen als Reaktion von seiner Seite wollte er nichts wissen.

Die Frau des Angeklagten und deren minderjährige Sohn brachten das Gericht nicht viel weiter. Die Aussagen des Rentners und dessen Sohnes schon eher. Staatsanwalt und Gericht waren sich danach einig: Die Beleidigungen sind während des Auftritts im Oktober gefallen.

Gericht passt die Tagessätze dem Einkommen an

Und für den hielt das Gericht die im Strafbefehl vorgesehenen 20 Tagessätze für gerechtfertigt. Allerdings hat das Gericht die Höhe des Tagessatzes dem aktuellen Nettoeinkommen des Angeklagten auf 50 Euro angepasst. Macht unterm Strich 1000 Euro.

Dass damit das Thema erledigt ist, glaubte am Ende keiner der Beteiligten. "Sie schenken sich beide nichts", sagte Finkenberger und ging von einem baldigen Wiedersehen aus. Spätestens dann, wenn die Polizei wieder einmal als Dauergast im Wohngebiet war.