RÖDELSEE

Streit um Wohnen und Arbeiten im Dorf

Rödelsee ist als Wohnort beliebt. Bauplätze sind begehrt. Doch im neuen Baugebiet Schlossgrund steht bereits ein Weingut, dessen Arbeit die neuen Nachbarn stören könnte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Viel ist schon auf dem Areal des künftigen Baugebiets „Schlossgrund” bewegt worden. Der Bebauungsplan ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Ein Streitpunkt: Wie werden künftige Hausbesitzer und das Weingut (im Foto rechts) miteinander zurechtkommen? Foto: Foto: Gerhard Krämer

Rödelsee ist als Wohnort beliebt. Bauplätze sind begehrt. Verständlich, dass der Gemeinderat solche in ausreichender Zahl bereitstellen möchte. So auch im neuen Baugebiet „Schlossgrund“, in dem zwischen der Staatsstraße und dem Baugebiet „Am Schlossberg“ etwa 36 neue Bauplätze entstehen sollen. Die Häuslebauer drücken aufs Tempo. Deshalb haben laut Bürgermeister Burkhard Klein mit Billigung des Gemeinderats die Bauarbeiten schon vor Rechtskraft des Bebauungsplans begonnen, was nicht nur im Ort Verwunderung hervorrief.

Bürgermeister und Gemeinderat sind sich einig

Er habe das nicht alleine entschieden, bekräftigt der Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Gemeinderat habe dem zugestimmt und die Aufträge vergeben. Dahinter stehe die rechtliche Einschätzung der Lage, dass keine öffentlich-rechtlichen Einwände vorlägen, die das Baugebiet im Ganzen gefährden könnten. Der Bebauungsplan liegt noch bei der Verwaltung und soll nächste Woche zur Prüfung an das Landratsamt Kitzingen geschickt werden.

Gemeinde will Probleme mit Weingut vermeiden

Die Gemeinde will zugleich Probleme mit dem an das Baugebiet angrenzenden Weingut Weltner vermeiden. Der Betrieb, der bislang weit genug von Wohnhäusern entfernt liegt, verursacht Arbeitsgeräusche, die künftige Nachbarn eventuell als störend empfinden könnten. Deshalb sei nach technischen Möglichkeiten gesucht worden, damit das Weingut seine Arbeiten nicht einschränken müsse. „Ich wünsche mir ein bisschen Miteinander“, sagt Klein dazu. Genau um diesen Schutz seines Betriebes geht es Paul Weltner. Trotz vieler Gespräche sei man immer noch auf dem Stand wie vor gut zwei Jahren, bedauert er. Dabei stellt er klar, dass nicht er eine – vermutlich bis zu fünf Meter hohe – Lärmschutzmauer gefordert habe, sondern dies ein Experte in seinem schon lange vorliegenden Gutachten schwarz auf weiß geschrieben habe. Auch sei nicht er für den Bebauungsplan verantwortlich. „Ich mache nur Wein“, betont der Winzer.

Wunsch: Alles regeln, bevor die neuen Nachbarn einziehen

Doch Weltner möchte alles geregelt haben, bevor die neuen Nachbarn einziehen. Zudem wünscht er sich einen Plan nach Recht und Gesetz. „Das Wachsen des Dorfes muss im Einklang mit den Bewohnern gehen“, fordert der Winzer, der sich auch keine neue Halle aufzwingen lassen will, um den Lärmschutz für die künftigen Nachbarn zu verbessern. Eine solche Halle, lärmschutztechnisch auf dem neuesten Stand, habe ihm die Gemeinde vorgeschlagen und ihm dafür einen Zuschuss in Aussicht gestellt.

Weltner braucht nach eigenen Worten aber keine neue Halle, möchte auch keinen Boden versiegeln oder investieren. „Dafür fehlt mir die Logik“, bekennt er. Er habe anwaltliche Hilfe in Anspruch genommen und sieht sich auch in seinem Handeln bestätigt, denn sonst wäre das Areal wohl ein reines Wohngebiet und kein Mischgebiet geworden.

Mischgebiet statt Wohngebiet

Die Ausweisung als Mischgebiet (MD-Gebiet) hätten alle für gut befunden, erläutert der Bürgermeister. Hierin sei der Winzerbetrieb gut aufgehoben. Dem Vorwurf einer Scheinausweisung von Gewerbe widerspricht Klein ganz klar. Die Gemeinde sei Eigentümer der Flächen und könne damit entscheiden, wem sie welches Grundstück verkaufe. Zwei Eckgrundstücke seien für Gewerbe vorgesehen. Dort könnten sich zum Beispiel Handwerker ansiedeln.

„So lange die Gemeinde nicht so blöd ist, aus dem MD-Gebiet ein Wohngebiet zu machen, kann nichts passieren“, ist sich Klein sicher. Die vorgesehenen Grundstücke seien der dorfgebietstypischen Nutzung vorbehalten. Sonst müsste es eine Änderung des Bebauungsplans geben.

Winzer will nicht unbedingt klagen

Im Raum steht immer noch eine Normenkontrollklage gegen das neue Baugebiet. Das wäre aber für Paul Weltner die allerletzte Option. Der Winzer bekräftigt: „Ich will nicht gewinnen, sondern nur ganz normal weiterarbeiten können.“

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.