Iphofen

Streit um Waldkindergarten ist befriedet

Die Wende in der Standort-Frage zum Iphöfer Waldkindergarten schien nahe. Aber dann wischte Bürgermeister Mend die Bedenken vom Ratstisch. Ein politisches Lehrstück.
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Ortstermin im Kerzenschein: Anette Falk, Leiterin der Kindergarten-Waldgruppe (Dritte von links), erläutert dem Stadtrat ihr Konzept. Foto: Eike Lenz

Auf dem Waldboden standen 16 Kerzen – eine für jeden Stadtrat? Es kann Zufall gewesen sein, aber wer glaubt schon an Zufälle angesichts der akribischen Vorbereitung dieses Ortstermins? Der Iphöfer Stadtrat – in der Regel ein Gremium mit 16 Personen – tagte im Wald, obwohl es schon dämmerte am Montagabend. Aus dem Blickwinkel von Bürgermeister Josef Mend betrachtet, ging es darum, sich der jüngst getroffenen Standort-Entscheidung zum Waldkindergarten zu vergewissern. Mancher Stadtrat hatte wohl tatsächlich geglaubt, an diesem Entschluss noch etwas ändern zu können, aber es bleibt dabei: Es gibt zwei Standorte, zwei Gebäude und damit die von den "Experten" gewünschte Trennung zwischen dem waldpädagogischen Zweig auf der einen Seite und einer festen Waldgruppe auf der anderen.

Zwei Konzepte, deshalb auch zwei Standorte

Neue Fakten waren angekündigt für diesen Abend, und als die Räte im Kerzenschein versammelt waren, begann Anette Falk, die Leiterin der Kindergarten-Waldgruppe, mit ihrem Vortrag. Im Kern ging es um die Frage, weshalb sich die unterschiedlichen Ansätze von Waldgruppe und Waldpädagogik auf engem Raum nicht vertragen. "Kinder brauchen geregelte Abläufe, um Sicherheit aufzubauen und sich frei entfalten zu können", sagte Falk. Wenn an waldpädagogischen Tagen aber 20 bis 30 Kinder aus anderen Kindergärten in den Wald kämen, fremde Kinder, "dann finden geregelte Gruppenprozesse nicht mehr statt". Die Waldgruppe, in der bis zu 20 Kinder das Jahr über zusammen sind, brauche also einen eigenen Standort – möglichst weit entfernt von der waldpädagogischen Einrichtung.

Auf diesen Standort im Iphöfer Waldabteil "Schießgrund" hatte sich der Stadtrat bereits verständigt: Ende Juli, nach einem von Bürgermeister quasi aus dem Hut gezauberten Vorschlag . Selbst langjährige Begleiter aus seiner eigenen Fraktion fühlten sich damals "überfahren". Mend lenkte ein, brachte das Thema noch einmal auf die Agenda, und wieder stimmte der Rat zu. Dann kamen örtliche Winzer , fürchteten eine Zunahme des Verkehrs auf den Zu- und Abfahrtswegen zum "Schießgrund", Wegen, die auch sie nutzen müssen, um zu ihren Rebflächen zu gelangen. Was folgte, war der Ortstermin am Montagabend am Mittelwald-Pavillon, dem provisorischen Domizil des Waldkindergartens. Auch der Vorsitzende des Iphöfer Weinbauvereins, Hansi Ruck, war gekommen, sah "Ärger programmiert" auf den Wirtschaftswegen und wurde darin von Stadtrat und Winzer Rupert Maier wortreich unterstützt.

Stadtrat Brehm stellt die Gretchenfrage

Maier gab sich – nicht zum ersten Mal – als schärfster Gegner des Standorts "Schießgrund" zu erkennen, doch der einzige Skeptiker im Rat war er nicht. Kritiker der Doppellösung hätten beide Teile des Waldkindergartens gerne am Iphöfer Wertholzplatz konzentriert gesehen, wo nun das Gebäude für die Waldpädagogik stehen soll, 180 000 Euro teuer und gut zur Hälfte vom Staat gefördert. "Es ist doch eine Frage der Organisation, dass die Kinder sich im Wald nicht in die Quere kommen", sagte Dritter Bürgermeister Jörg Schanow. Ihm leuchte nicht recht ein, dass 100 Meter Distanz zwischen beiden Standorten nicht ausreichen soll. Dann stellte Stadtrat Klaus Brehm die Gretchenfrage: "Wenn wir den Waldkindergarten nicht an zwei Standorten hinbekommen, lassen wir dann eines von beiden?" Die pragmatische Antwort von Anette Falk: "Wenn der 'Schießgrund' nicht möglich ist, muss man weiterschauen."

Tatsächlich schien eine Wende im Raum zu stehen – zumal auch Dieter Lenzer, der im Mai 2020 Bürgermeister Mend im Amt folgen will, Bedenken streute. "Es wäre schön, wenn Sie uns Wege aufzeigen könnten, dass beides in 100 oder 200 Meter Abstand voneinander funktioniert", sagte er an die Adresse Falks und ihrer beiden Kolleginnen. Als sich die Räte schließlich in ihre Autos setzten und zum Rathaus aufmachten, um dort eine Entscheidung zu treffen, waren Zweifel gesät. Irgendetwas muss dann auf der kurzen Fahrt passiert sein, denn als alle wieder am Ratstisch saßen, ließ der Bürgermeister abstimmen, als wäre nichts gewesen. "Ich schlage Ihnen vor", sagte er, "dass wir den Standort für die Gruppe im 'Schießgrund' lassen."

Einen Kompromiss gab es immerhin: Offizielle Zufahrt soll die alte Kalb-Straße sein, nicht die von den Winzern benutzten Wirtschaftswege. Und es soll im Wald einen geschotterten Wendeplatz geben, damit Eltern denselben Weg zurück nehmen. "Damit könnte ich leben", sagte Weinbauvereins-Vorsitzender Ruck. Damit war der Weg frei für den umstrittenen Standort im "Schießgrund". Aus den Reihen der Räte kam keine Wortmeldung mehr. Nur Rupert Maier blieb konsequent bei seiner Ablehnung.

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