Volkach
Bürgerversammlung

Streit über Straßensanierung in Volkach

Emotional und hitzig wird in Volkach darüber diskutiert, ob zwei Straßen neu gestaltet oder nur saniert werden sollen. Die Anlieger sind für die kleinere Lösung, die ihnen zwar weniger kosten würde, der Stadt aber mehr.
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Marode Wasserabläufe und Kanäle, löchrige Fahrbahndecken, schlechte Gehwege: Die Eichfelder Straße und die Dr. Eugen-Schön-Straße stehen seit vielen Jahren auf dem Investitionsprogramm der Stadt.   Fotos: Pfannes
Marode Wasserabläufe und Kanäle, löchrige Fahrbahndecken, schlechte Gehwege: Die Eichfelder Straße und die Dr. Eugen-Schön-Straße stehen seit vielen Jahren auf dem Investitionsprogramm der Stadt. Fotos: Pfannes
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Zwei kaputte Straßen in Volkach will die Stadt sanieren und dabei die Gelegenheit nutzen, die Straßen den Anforderungen an die Zukunft anzupassen. Die meisten Anlieger der Eichfelder und Dr. Eugen-Schön-Straße sehen die Notwendigkeit einer Sanierung zwar ein, halten aber eine Neugestaltung für überflüssig.

Aus diesem Grund traf man sich am Donnerstag im Schelfenhaus zu einer Bürgerversammlung, in der die Fronten schnell deutlich wurden. Gegenüber standen sich sachlich argumentierende Stadtväter und Planer sowie verbitterte Bürger, die gerne schon im Vorfeld in die Planungen mit einbezogen worden wären. Im Mittelpunkt der teilweise emotional geführten Diskussion stand natürlich das Geld, denn die Anlieger sollen etwa ein Drittel der 1,57 Millionen Euro berappen.

"Überflüssig wie ein Kropf"


"Eine Neugestaltung der Straße ist überflüssig wie ein Kropf," schimpfte der Sprecher der Anliegergemeinschaft Dr. Eugen-Schön-/Eichfelder Straße Peter Graf Finck von Finckenstein. Er befürchtet, dass durch die städtische Straßenbaumaßnahme der eine oder andere Anlieger in den finanziellen Ruin getrieben wird. "Es gibt ältere Menschen, die das nicht bezahlen können. Deshalb wollen wir keine komplette Neusanierung", sagte Finckenstein. Seine Feststellung: "Nur die Straßenoberfläche und die Bordsteine sind punktuell sanierungsbedürftig. Für einen schadhaften Unterbau gibt es keine erkennbare Anzeichen."

Nachdem Wilhelm Dellmann vom Planungsbüro Weimann & Baur Consult die Kostensituation in einer Übersicht aufzeigt hatte, wurde dem neutralen Betrachter eines klar: Eine "Nur"-Sanierung der Straßen kostet die Anliegerschaft unter dem Strich lediglich rund 140.000 Euro weniger. Die Stadt selbst müsste dabei aber 243.000 Euro mehr zahlen als bei einer kompletten Neugestaltung.

Ein Problem der Förderung


Der Grund für diese Diskrepanz liegt in der staatlichen Förderung. Wenn die Stadt die Straßen komplett neu gestaltet, erhält sie Zuwendungen von der Regierung von Unterfranken in Höhe von 440.000 Euro aus dem Topf der Städtebauförderung. Sollte es lediglich zu einer Sanierung kommen, die immerhin 1,29 Millionen Euro kosten würde, dann fallen die staatlichen Zuschüsse um 350.000 Euro geringer aus.

Gegenüber den Bürgern, die nicht in den betroffenen Straßen wohnen und die selbst schon Straßenausbaubeiträge zahlen mussten, könne man das nicht verantworten, sagte Bürgermeister Peter Kornell (FWG) und riet zu einer Neugestaltung der Straßen als zukunftsweisende Maßnahme gegenüber einem "Flickwerk".

Entwässerung schadhaft, Bordsteine zu schmal


Planer Dellmann, dem aus dem Publikum gelegentlich ein rauer Wind ins Gesicht blies, gab die Ergebnisse einer Bestandsanalyse bekannt. Schadhafte Entwässerung, zu schmale Gehwege in manchen Bereichen, Schäden an der unterdimensionierten Fahrbahnbefestigung und fehlender Parkraum für Anlieger, Gewerbe und Dienstleister hatte er bei seinen Recherchen festgestellt. In den ineinander übergehenden Straßen herrsche wegen der gestreckten Linienführung ein erhöhtes Geschwindigkeitsniveau. Durch eine Neugestaltung könne man gerade für ältere Menschen mit Gehhilfen und für Spaziergänger mit Kinderwagen mehr Raum schaffen. Anlieger Paul Selsam sah die Notwendigkeit nicht ein: "Ich wohne seit 52 Jahren an der Straße. Da läuft fast keiner mehr auf dem Gehweg. Eine Verbreiterung ist deshalb ein absoluter Blödsinn."

Erhebliche Schäden hat Dellmann bei der Untersuchung der Abwasserkanäle festgestellt. 40 Stunden wurden die Rohre mit Videokameras befahren. "Der komplette Mischwasserkanal unter den Straßen ist erneuerungsbedürftig", war das düstere Inspektionsergebnis. 38 Prozent der Kanäle müssten sofort repariert werden. Nur bei einem Prozent der Leitungen bestehe kein Handlungsbedarf. Mit wenigen Ausnahmen seien auch die Hausanschlüsse marode, so Dellmann. Anlieger Peter Büttner wollte das nicht glauben: "Ich habe unseren Hausanschluss mit Video befahren lassen. Da sind keine Schäden vorhanden."

Stadt muss wirtschaftlich handeln


Der Hauptkanal unter den Straßen kann laut Dellmann im Inliner-Verfahren saniert werden. Bei Hausanschlüssen sei dies nur bedingt möglich. "Das geht nur, wenn auf dem Grundstück ein Revisionsschacht vorhanden ist", ergänzte das Stadtoberhaupt. Sein Fazit: "Jeder Anlieger müsste also einen Schacht errichten und auch bezahlen."

Kornell machte darauf aufmerksam, dass der Stadtrat wirtschaftlich handeln und die Straßen fit für die Zukunft machen müsse. "Eine Sparflammenlösung nützt uns überhaupt nichts, weil es in absehbarer Zeit dann wieder zu Problemen kommt." Außerdem müsse man alle Bürger aufgrund gesetzlicher Bestimmungen gleich behandeln. Der gesamten Bevölkerung sei mit einer Sanierung einer Haupterschließungsstraße nicht gedient.

Entscheidung im Januar 2013


Der Bürgermeister kam den Anliegern insoweit entgegen, dass erst im Januar 2013 eine Entscheidung im Stadtrat herbeigeführt werden soll, ob die Dr.-Eugen-Schön-/Eichfelder Straße neu gestaltet oder nur saniert wird.
Bis dahin haben alle Bürger die Möglichkeit, die vorliegenden Planungen im städtischen Bauamt einzusehen. Weil der Beschluss des Stadtrats ins nächste Jahr hinausgeschoben wird, verschiebt sich auch die Straßenbaumaßnahme - egal in welcher Variante - voraussichtlich auf 2014. Bleibt für die Anlieger und die Stadt zu hoffen, dass die Preise für Straßenbau im kommenden Jahr nicht weiter anziehen und die gesamte Maßnahme dann noch teurer kommt.


Der Kostenrahmen für die beiden Varianten:



Neugestaltung: Gesamtkosten 1,54 Millionen Euro, Anliegerbeiträge 567.000 Euro, Förderung vom Staat 440.000 Euro, Anteil der Stadt Volkach 535.000 Euro.
Sanierung: Gesamtkosten 1,29 Millionen Euro, Anliegerbeiträge 424.000 Euro, Förderung vom Staat 85.000 Euro, Anteil der Stadt Volkach 778.000 Euro.

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