Er hat so etwas wie den Charakter eines Klassentreffens. Man kennt sich, trifft sich spätestens hier alle Jahre wieder und freut sich auf ein paar schöne Stunden im Kreise Gleichgesinnter. Die Rede ist vom unterfränkischen Volksmusiktag. Der fand am Sonntag zum zwölften Mal statt und lockte über 1000 Freunde fränkischer Volksmusik, Tracht und Mundart in die Kirchenburg nach Mönchsondheim.

Museumsleiter Reinhard Hüßner strahlte einmal mehr mit der Sonne um die Wette. Bereits zur Mittagszeit, vor der offiziellen Eröffnung, waren alle Sitzplätze belegt, das war ganz nach seinem Geschmack. Die „Landstreicher“ sorgten unter den Linden des Dorfplatzes musikalisch für Kurzweil und die Gäste konnten sich traditionell mit einer so genannten Musikantenbrotzeit stärken.

„Die Kirchenburg ist ein Ort, an dem man sich gerne aufhält“
Erwin Dotzel, Bezirkstagspräsident

Nach einer kräftigen Portion Rippli oder Bratwürste mit Kraut nebst einer Halben Bier stellte sich schnell das ein, was man für gewöhnlich in die Kategorie fränkische Gemütlichkeit einordnen kann. Bekannte Gesichter, wohin man schaute. Menschen in Tracht, in Jeans oder Wanderbekleidung an Biertischen und Bänken und auf dem hölzer nen Tanzpodium oberhalb der Sitzplätze wagen schon nach kurzer Zeit zu den Klängen der Hellmsermer Dorf- musikanten erste Schritte beim Schottisch, einem Dreher oder einer Polka.

13 Uhr, Zeit für die offizielle Eröffnung. Die ist seit acht Jahren dem Bezirkstagspräsidenten Erwin Dotzel vorbehalten, selbst ein bekennender Franke und Freund der Kirchenburg. Diesmal nicht in Tracht, sondern angesichts schwülwarmer 27 Grad im weißen Hemd und ohne Krawatte überbringt er die Grüße von Landrätin Tamara Bischof und Bürgermeister Josef Mend.

„Musik baut Brücken und verbindet weltweit“, sagt Dotzel. Aber daneben gebe es noch die Sprache, den Dialekt, der die Menschen verbinde. Der Präsident dankt all den vielen Ehrenamtlichen und Museumsleiter Reinhard Hüßner, die dafür sorgen, dass dieses Fest Jahr für Jahr stattfinden kann. „Die Kirchenburg ist ein Ort, an dem man sich gerne aufhält“, so Dotzel.

Nach dem kurzen Auftakt heißt es Bühnen frei für die Akteure. Knapp 20 Sing-, Musik-, und Tanzgruppen verteilen sich über das weitläufige Gelände. Die Volkstanzgruppen Kolitzheim und Gerolzhofen zeigen auf dem Podium ihr Können. Das Schulhaus, der ehemalige Sitzungssaal des Rathauses, der Wirtshaussaal, der Kräutergarten, der Hof der Kirchenburg, die Weinbauabteilung oder die Stube des Kleinbauernhofes Hahn werden zu Bühnen fränkischer Mundart.

Karin Böhm aus Kitzingen und Angela Sey, die „Würzborcher Marktbärbel“, lesen Gedichtli und Gschichtli. Mit den Frankobarden, den Sameds, den Kleinlangheimer Pfarrgasssängern, der Saitenmusik Frank & Iris Blum, den Bauersberger Sängern der fränkischen Stubenmusik, der Winzersinggruppe Iphofen oder dem Heldenberger Saitenspiel sind viele da, die in der fränkischen Volksmusikszene einen Namen haben. Schnell scharen sich große und kleine Zuhörergruppen um die Akteure, lauschen amüsiert den oft launigen Vorträgen oder folgen den Einladungen, mitzusingen oder mitzutanzen.

Dicht umlagert sind auch die Infostände der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik, des bayerischen Landesvereins für Heimatpflege, der Arbeitsgemeinschaft fränkische Volksmusik, des Bezirks Unterfranken oder des fränkischen Dialektinstituts. Hier gibt es neben Informationen aus erster Hand auch Noten, Liederhefte oder CDs.