Sulzfeld

Streetart: Geklebte Kunst in Sulzfelds Gassen

Streetart gibt es nicht nur in New York, auch in Sulzfelds Straßen gibt es Kunst. Geschaffen hat sie Melinda Hillion und hat dabei einen besonderen Schwerpunkt gesetzt.
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Die Künstlerin Melinda Hillion klebt ein Streetart-Motiv – eine Szene aus einem alten Foto von der Weinlese – ans Gasthaus "Zum Goldenen Löwen" in Sulzfeld. Foto: Julia Lucia

"Die Straße lebt", sagt Melinda Hillion. Wo Leben ist, sollen auch Kunst und Kultur sein. Das ist die Meinung der Künstlerin aus Mainstockheim , die gerade Streetart-Objekte in Sulzfeld an die Häuser klebt. Straßenkunst? Kleben? Ist das überhaupt erlaubt? In Sulzfeld auf jeden Fall, da ist das sogar gewollt.

Im Gegensatz zu Graffitis lassen sich Hillions Kunstwerke auch leicht wieder entfernen. Statt Farbe aus der Dose, klebt sie mannshohe Figuren aus Papier und Tapetenkleister an die Fassade. Das Papier ist etwas dicker und auch Regen und Sonnenschein können dem Druck nichts anhaben. Zumindest eine Zeit lang. "Etwa ein Jahr hält ein Bild", sagt Hillion. Manche länger, manche kürzer – und manche werden auch zerstört. "Das ist das Spiel und das Risiko", beschreibt die 47-Jährige den Reiz dieser Kunstart. 

Alte Fotos weisen in die Zukunft

Zum dritten Mal beklebt sie im Sulzfelder Altort Häuser. Wieder griff sie auf alte Fotos zurück, die sie bearbeitet, kopiert und ergänzt, bis sie zufrieden ist. "Es ist ein Erbe, das aber die Richtung der Zukunft weist", erklärt die Französin ihre Vorliebe für alte Materialien. Hillion ist in den Jahren zuvor aufgefallen, welche wichtige Rolle Frauen bei den Winzern spielen. "Sie geben oft die Entwicklung eines Weingutvor", sagt sie. Auch bei der Arbeit im Weinberg waren und sind sie nicht wegzudenken. Das zeigten auch die alten Fotos, die sie für ihre aktuelle Arbeit gesichtet. Und deshalb sind Hillions Arbeiten dieses Jahr dem Thema "Frauen und Wein" gewidmet.

 

Das Besondere in diesem Jahr: Es sind alles Frauen aus Sulzfeld. Etliche Sulzfelder haben in den Schränken gekramt, um alte Fotos mit Frauen, Wein und Weinberg zu finden. Hillion ist von alten Fotografien fasziniert. "Sie sollen nicht im Schrank bleiben", ist ihr Wunsch. "Die Menschen bleiben so lebendig." Toll fände es die Künstlerin, wenn Sulzfelder durch die Gassen laufen und die Frauen  auf den Kunstwerken erkennen.

Die Straße lebt

Überhaupt findet sie es gut, dass ihre Kunst im öffentlichen Raum gezeigt wird. "Im Atelier bin ich für mich", erzählt sie, als sie gerade den Druck am Gasthaus "Zum Goldenen Löwen" befestigt. "Seitdem ich hier bin, habe ich schon mit zehn Leuten geredet." Ein kurzer Plausch ist drin, aber mehr nicht. Hillion mag es nicht, wenn ihr beim Aufkleben über die Schulter geschaut wird. "Da bin ich gerne allein, weil ich dann höchst konzentriert bin", erklärt sie. Denn die Mauern, gerade von alten Häusern, "sind lebendig". Sie geben vor, wie und wo geklebt wird. Das hört sich für den Laien leichter an als es ist. Mit Wasserwaage, Zollstock und Bleistift arbeitet Hillion so lange, bis die Hauswand, der Papierausdruck und ihr künstlerisches Gefühl in Balance sind. Hält alles, ist Hillion zufrieden. "Ich finde Streetart super", sagt sie. "Bereits am ersten Tag sehen es viele Leute. Die Straße lebt und da soll Kunst sein."

Kunstführung: Am Samstag, 13. Juli, führt Melinda Hillion um 16 Uhr Interessierte zu ihren Streetart-Objekten und erzählt etwas über die Entstehung und die Frauen auf den Fotos. Treffpunkt ist am Weingut Tobias Streng in der Kitzinger Straße 11 in Sulzfeld. Neben den Objekten in den Gassen stellt Hillion Werke in der Galerie im Gattenhaus aus. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr und Samstag von 10 bis 14 Uhr.

Was ist Streetart?
Als Streetart werden laut Wikipedia verschiedene Arten von Kunst im öffentlichen Raum bezeichnet, die nach der Absicht der Verursacher durchaus dauerhaft dort verbleiben sollen. Unter Streetart versteht man nicht unbedingt erlaubt angebrachte Zeichen aller Art in den Straßen, die mit einem weiteren Personenkreis kommunizieren wollen. Im Gegensatz zu Graffitis überwiegt oft der Bildteil, nicht das kunstvolle Schreiben oder Malen. Einer der weltweit  bekanntesten Streetart-Künstler ist  Banksy .

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