DETTELBACH/GEMÜNDEN

Strafe als Lebenshilfe

Auf das „Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis“ steht nach dem Erwachsenenstrafrecht für den Fahrzeugbesitzer eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Mit vier Tagen Jugendarrest kam am Montag eine fast 19-Jährige am Jugendschöffengericht Gemünden (Lkr. Main-Spessart) davon.
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Gerichtssache
Foto: Regina Krömer

Auf das „Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis“ steht nach dem Erwachsenenstrafrecht für den Fahrzeugbesitzer eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Mit vier Tagen Jugendarrest kam am Montag eine fast 19-Jährige am Jugendschöffengericht Gemünden (Lkr. Main-Spessart) davon.

Mit Freund und Freundin war die junge Frau in ihrem Auto zu einem Kumpel nach Dettelbach gefahren. Zusammen schaute man Filme an und sprach reichlich dem Alkohol zu. Nach ein paar Stunden Schlaf wollte das Trio heimfahren, doch sowohl die Fahrerin, als auch ihr Freund fühlten sich infolge des Alkohols fahruntüchtig.

Daraufhin forderte sie gegen den Widerstand des Freundes die Freundin auf, sich ans Steuer des Kleinwagens zu setzen – wobei sie wusste, dass die 16-Jährige keinen Führerschein hat. Außerdem stellte sich später heraus, dass die Jüngere noch weit stärker alkoholisiert war, als die beiden anderen.

0,6 bis 1,3 Promille

Bei einem Stopp im nahen Mainfrankenpark kontrollierte die Kitzinger Polizei das Trio. Alarmiert hatte die Beamten eine Dettelbacherin, da die Drei bei ihrer Abfahrt gelärmt hatten. Die Alkoholkontrolle ergab bei der Fahrzeugbesitzerin einen Wert von 0,6 Promille, beim Freund von 0,56 und bei der minderjährigen Fahrerin 1,29 Promille. „Ich war froh, als das Fahrzeug anhielt“, sagte der 19-jährige Mitfahrer als Zeuge vor Gericht. „Ich hab' die ganze Zeit gesagt, sie (die 16-Jährige) soll aufhören.“ Er hatte bei dem Stopp im Mainfrankenpark den Autoschlüssel vom Zündschloss abgezogen, „dass keiner mehr fährt“.

Vor dem Jugendschöffengericht landeten die beiden „besten“ Freundinnen, da die Jüngere offenbar mehr auf dem Kerbholz hat als die Fahrt ohne Führerschein und unter Alkoholeinfluss. Aktuell kam außerdem noch ein Drogendelikt hinzu, weshalb der Vorsitzende das Verfahren gegen die nun 17-Jährige abtrennte. Die Anklagen werden dann zusammen verhandelt. Der Ankündigung des Richters, ihr einen Pflichtverteidiger zu stellen, kann entnommen werden, dass ihr eine Freiheitsstrafe droht.

Im Fall der Autobesitzerin legte der Bericht der Jugendgerichtshilfe den Richtern nahe, Jugend- statt Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. Sie hatte die Hauptschule ohne Abschluss verlassen und diesen in einer Hauswirtschaftsschule nachgeholt. Eine Lehre brach sie ab, eine Berufsfördermaßnahme platzte wegen mehrmaligen Zuspätkommens. Die 18-Jährige wohnt weiter bei ihren Eltern, hat keine eigenen Einkünfte. Seit einem Jahr „läuft nichts“, sagte sie dem Richter auf Nachfrage. Das Auto unterhält der Vater.

Therapeutische Gespräche

Die junge Frau „habe keine schädlichen Neigungen“, befand der Staatsanwalt. Dennoch sprach er sich für eine Woche Jugendarrest mit therapeutischen Gesprächen als „Schuss vor den Bug“ aus, da sie antriebslos in den Tag hineinlebe. „Vielleicht bringt's was, vielleicht nicht“, meinte die Angeklagte dazu. „Ich weiß ja selber: Ich krieg meinen Arsch nicht hoch.“

In einer viertelstündigen Beratung entschied sich das Jugendschöffengericht für einen viertägigen Arrest: „Der Staatsanwalt hat uns überzeugt. Es geht uns nicht darum, Sie zu bestrafen, sondern ein Signal in die richtige Richtung zu setzen (. . .) in der Hoffnung, dass das etwas Positives bei Ihnen bewirkt.“

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