KITZINGEN/DETTELBACH/MAINSTOCKHEIM

Steinbruch-Retter mit dickem Geldbeutel?

Das Zuhause von Uhu, Gelbbauchunke, Schlingnatter und Kollegen im Dettelbacher Steinbruch hat viele Freunde. Unter anderem den 17-Jährigen Frederik Drenkard. Der Realschüler war der fleißigste Sammler von Unterschriften für den Erhalt des Biotops aus Menschenhand. Über 1100 Bürger unterschrieben die Liste, die Drenkard am Donnerstag – gemeinsam mit Mitstreitern – an Landrätin Tamara Bischof übergab.
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Steinbruch-Unterstützer: Landrätin Tamara Bischof nahm eine Liste mit über 1100 Unterschriften von Stefan Hubert (links) und Frederik Drenkard entgegen. Foto: Foto: H. Meyer

Das Zuhause von Uhu, Gelbbauchunke, Schlingnatter und Kollegen im Dettelbacher Steinbruch hat viele Freunde. Unter anderem den 17-Jährigen Frederik Drenkard. Der Realschüler war der fleißigste Sammler von Unterschriften für den Erhalt des Biotops aus Menschenhand. Über 1100 Bürger unterschrieben die Liste, die Drenkard am Donnerstag – gemeinsam mit Mitstreitern – an Landrätin Tamara Bischof übergab.

Die wenig schöne Vorstellung, dass sich 210 000 Kubikmeter Abraum in das Biotop ergießen sollen, eint die neun Unterstützer von Bürgerinitiativen in Dettelbach und Mainsondheim mit der Landrätin. Was nach einem gut einstündigen Gespräch in ihrem Besprechungszimmer auch zu einem Ergebnis führt: Bischof will mit dem Steinbruchbesitzer, einer Firma aus dem Landkreis Würzburg, das Gespräch suchen – bei einem Vorort-Termin mit allen Beteiligten.

Ob dabei die Rettung des seit Jahren brach liegenden Steinbruchs vor einer Teilverfüllung rauskommt, ist eher zweifelhaft. Schließlich gibt es laut Bischof seit 1992 eine Genehmigung fürs Abladen von Abraum. Auf die dürfte die Natursteinfirma, die das Gelände erst vor wenigen Jahren erworben hat, nicht freiwillig verzichten. Es sei denn, jemand kauft den durch jahrelangen Verzicht auf Eingriffe zum Naturparadies gewordenen Steinbruch.

Die Idee von Ottmar Deppisch schlägt in der Runde durch. Die Landrätin will nun bei der Firma anfragen, ob sie den Steinbruch veräußern würde und für welchen Preis. Laut Deppisch ist das Unternehmen verkaufsbereit, habe aber zum Preis gesagt: „Das kann sich der Bund Naturschutz nicht leisten.“ Das sieht auch Dieter Lang vom Naturschutz im Landratsamt so: „Unter einer halben Million ist wohl nichts drin.“ Eine Finanzierungsmöglichkeit sieht Stefan Hubert von der Steinbruch-Initiative. Es gebe Fonds großer Unternehmen, die in Naturschutzprojekte Geld steckten.

Weil der Steinbruch-Retter mit dem dicken Geldbeutel vorerst nur ein Traum ist, geht's im Landratsamtsgespräch auch um Plan B: Wie ist möglichst viel zu erhalten von der „großartigen Natur, die sich eingefunden hat“? Da hängt viel von dem naturschutzfachlichen Gutachten ab, das Bischof zufolge seit Mitte April im Landratsamt liegt und wohl noch einige Wochen geprüft wird.

Klar laut Naturschutz-Sachbearbeiter Lang: Ein Drittel der Fläche des „Kleinods“ wird mit dem Abraum verfüllt. Das Gutachten halte den Erhalt der streng geschützten Arten für möglich. Allerdings müssen die Tiere umziehen. Das brütende Uhu-Pärchen, dessen Nistwand mit Gestein und Erde zugekippt wird, soll laut Lang ein neues Brutareal kriegen. Und auch die seltene Gelbbauchunke bekomme neue, „frisch angelegte“ Tümpel in einem Steinbruchbereich, in dem sie früher einmal lebte.

Die Begeisterung über die mögliche Zwangsumsiedelung von Uhu, Zauneidechse und Co. ist bei den Naturschützern nicht eben groß. Allerdings sind sie froh, Einblicke in das Gutachten zu bekommen, das laut Bischof keine Geheimsache ist.

Alleine gelassen fühlen sich die Steinbruch-Schützer – unter ihnen die Dettelbacher Stadträtin und Bürgermeisterkandidatin Christine Konrad – von den Gemeinderäten in Dettelbach und Mainstockheim. Die hätten die Genehmigung der Verfüllung „einfach abgenickt“, ohne den Steinbruch und seine Schätze zu kennen, so Hubert.

Der hofft nun wie seine Mitstreiter auf einen Steinbruch-Käufer, auf Hilfe des Kreises bei der Pflege des Biotops und auf viel Einsicht des Eigentümers.

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