Es gibt einen Tagesordnungspunkt bei Stadtratssitzungen, auf den muss man erst mal kommen. Mainbernheims scheidender Bürgermeister Karl Wolf erfand ihn für die Sitzung am Freitag, seine letzte als Oberhaupt der Gemeinde: den Punkt Null.

Der ist quasi außer Konkurrenz, und zu diskutieren gibt es bei ihm auch nichts. Allerhöchstens, ob man noch einen Schluck mehr vertragen könnte. Denn Wolf präsentierte dem Gremium als besonderes Abschiedsgeschenk erstmals den 2013er „Bernemer“, den Stadtwein. Und den zierte auch noch ein extra für diesen Anlass gestaltetes Etikett. Die Räte ließen sich den jungen Schoppen nach dem öffentlichen Teil der Sitzung auch gleich schmecken – eine sprichwörtliche Blaupause.

Es war ein emotionaler Moment, nicht nur für Karl Wolf, der seit 1984 im Stadtrat sitzt und seit 18 Jahren Bürgermeister Mainbernheims ist. Auch sein Stellvertreter Georg Gurrath, immerhin seit 1987 Stadtrat und seit 1996 zweiter Bürgermeister nahm am Freitag Abschied von seinem Amt – zumindest schon mal für das Sitzungsprotokoll, denn die Amtszeit der beiden Ur-Räte endet am 30. April. Gurrath hielt eine bewegende Ansprache, in der er Wolf als Mann für alle Fälle charakterisierte, der keine festen Dienstzeiten kannte, sondern quasi jederzeit für seine Gemeinde da war.

„Niemand kann es allen recht machen, du hast es aber wenigstens versucht“, so der Tenor Gurraths, was das Wirken Karl Wolfs in den vergangenen Jahren auch sehr gut beschrieb, da er ein Bürgermeister war, der immer vermitteln und ausgleichen wollte. Stehende Ovationen für Karl Wolf vom alten Gremium und auch den künftigen Räten, die zur Sitzung gekommen waren.

Karl Wolf zeigte sich bescheiden: „Ich kann doch nichts machen ohne Euch.“ Er dankte dem Stadtrats-Team, das immerhin aus drei Fraktionen besteht, für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren, die trotz mancher Meinungsverschiedenheit immer zielführend und außer Betracht eines Parteibuchs verlaufen sei. Wolf gedachte in diesem Zusammenhang auch an zwei verstorbene Stadtratsmitglieder und bezeichnete die Arbeit der vergangenen Legislaturperiode als „ein großes Stück gelebter Demokratie“.

Die beiden Bürgermeister sind nicht die einzigen, die zum Monatsende das Rathaus verlassen. Karl Wolf hatte für jeden scheidenden Rat ein persönliches Wort übrig. Schreiner Thilo Hartlieb, der sechs Jahre lang Stadtrat war, dankte er für sein eingebrachtes Know-how, auch in Sachen Restaurationsarbeiten im Städtle. 18 Jahre lang war Johann Ott Mitglied, von Beruf Polizeibeamter, mittlerweile im Ruhestand. Er habe sich seinen Beamtenstatus, so Wolf, „nie heraushängen lassen“, und sei für seine lockeren Sprüche ebenso bekannt wie für sein soziales Engagement. Und dann ist da noch der „schwarze Peter“: Peter Hartmann, CSU-Mitglied, der nach 30 Jahren nicht mehr kandidierte. Ihm sprach Wolf seine Anerkennung aus als ein Kommunalpolitiker, der nie parteihörig agiert habe, sondern immer zum Wohle Mainbernheims.