MAINBERNHEIM

Standpunkt: Radlerherberge kritisch beäugt

Lass dich gut beraten, bevor du beginnst; doch wenn du dich entschieden hast, handle sofort“ – dieser Satz des römischen Geschichtsschreibers Sallust stellte Bürgermeister Peter Kraus ans Ende seiner Haushaltsrede. In der Tat kann man dem Mainbernheimer Rat nicht vorwerfen, getroffene Entscheidungen nicht durchzuziehen.
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Lass dich gut beraten, bevor du beginnst; doch wenn du dich entschieden hast, handle sofort“ – dieser Satz des römischen Geschichtsschreibers Sallust stellte Bürgermeister Peter Kraus ans Ende seiner Haushaltsrede. In der Tat kann man dem Mainbernheimer Rat nicht vorwerfen, getroffene Entscheidungen nicht durchzuziehen. Zumindest nicht eine der wichtigsten der vergangenen Jahre. Die Radlerherberge kommt, die trotz enormer Zuschüsse den Schuldenstand der Gemeinde um mindestens eine Viertelmillion ansteigen lässt. Vorausgesetzt, die Kosten des Baus bleiben im angesetzten Rahmen. Jedoch mag mancher Mainbernheimer den ersten Teil des Sallust-Satzes anders bewerten. Mehr Tourismus? Ja. Radfahrer als Zielgruppe? Gerne. Jedoch ist vielen Einwohnern schleierhaft, wieso Millionen für einen Fahrradweg ausgegeben werden, der um Mainbernheim herum, und nicht hinein verläuft, und für eine Herberge, deren potenzielle Gäste in der Altstadt bisher nur wenig geboten kriegen. Über Pläne zur Bewirtschaftung der Herberge war bislang noch nichts zu vernehmen. Zudem hat die einzige Gaststätte in der Altstadt eine andere Zielgruppe als Touristen, die nur einen Schoppen und eine kleine Brotzeit zu sich nehmen möchten.

Beraten wurde die Sanierung der Schulgasse 5 und 7 sowie deren spätere Verwendung ausgiebig. Jedoch war zwischendurch auch im Gespräch, die Anwesen der evangelischen Kirche zu verkaufen, als diese überlegt hatte, entweder das bestehende Pfarrhaus zu sanieren oder sich etwas anderes zu suchen. Des Weiteren haben die im Mai 2014 vereidigten neuen Räte schnell klar gemacht, dass sie von der Radlerherberge nicht viel halten. Gebaut wird trotzdem. Kein Wunder also, wenn das Projekt in Mainbernheim kritisch betrachtet wird. Auch angesichts einer stark gestiegenen Pro-Kopf-Verschuldung muss die Stadt hier noch einiges an Aufklärungsarbeit aufbringen, um die Bürger von der Herberge zu überzeugen.

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