IPHOFEN

Standpunkt: Etwas ist faul im Staat Iphofen

Der städtische Etat in Iphofen ist verabschiedet, und da ein Haushalt etwas Grundsätzliches ist, bietet sich nicht nur im politischen Berlin die Gelegenheit zu ein paar grundsätzlichen Erwägungen. Iphofen steht nach wie vor gut da, aber ist damit auch alles zum Besten bestellt?
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Iphofen
Blick über die Dächer von Iphofen vom Dach des Knauf-Museums aus gesehen. Foto: Knauf-Museum

Standpunkt

Der städtische Etat in Iphofen ist verabschiedet, und da ein Haushalt etwas Grundsätzliches ist, bietet sich nicht nur im politischen Berlin die Gelegenheit zu ein paar grundsätzlichen Erwägungen. Iphofen steht nach wie vor gut da, aber ist damit auch alles zum Besten bestellt?

Wer die Stadtpolitik etwas länger verfolgt, der muss zu dem Ergebnis kommen: Etwas ist faul im Staat Iphofen. Der deutliche Wahlsieg der Freien Wähler vor einem Jahr hat dem Klima im Rat nicht gut getan. Entscheidungen werden nur noch durchgewunken, sie dürfen nicht mehr hinterfragt, schon gar nicht mehr offen kritisiert werden. Die zum Oppositiönchen geschrumpfte CSU scheint die Schockstarre ihrer krachenden Wahlniederlage noch nicht überwunden zu haben, sucht nach Orientierung – und nach ihrer Stimme. Sie hat in Georg Güntner einen ihrer mutigsten Streiter durch Abwahl verloren.

So weit ist es im Rathaus bereits gekommen, dass SPD-Mann Otto Kolesch sich neuerdings entschuldigen muss, ehe er zu einem Beitrag ansetzt, der nicht in die glatt gebügelte Mehrheitsmeinung der Freien Wähler passt. Es mag Zufall sein, aber es fügt sich ins Bild, dass in Jürgen Adler ausgerechnet jener Rat der Freien Wähler den Wiedereinzug als stimmberechtigtes Mitglied verpasst hat, der es seinerzeit wagte, im Fensterstreit (Holz oder Plastik) die Hand gegen den Bürgermeister zu erheben.

Kritisch zu hinterleuchten gäbe es noch immer genug. Da ist der dubiose Auftrag zur Neugestaltung der städtischen Internetseite an eine Agentur aus Oberstaufen. Bei horrenden 85 000 Euro, die das Projekt kosten soll, hätte man erwarten dürfen, dass dem Rat zumindest ein Vergleichsangebot vorgelegt wird. Es gab keines. Begründung: Die Luxusagentur sei exakt auf die Bedürfnisse Iphofens zugeschnitten, eine andere komme nicht in Frage. Kritik? Unerwünscht!

Da ist die Sanierung der 15 Jahre alten Vinothek. 350 000 Euro soll das Vorhaben kosten, für ein neues Lichterkonzept, ein paar versetzte Wände und einige Schönheitsreparaturen. Rausgeworfenes Geld, wie nicht nur manche Räte finden, sondern auch Winzer, für die das doch angeblich alles gemacht wird. Der Vorschlag, neue Attraktionen und damit einen gewissen Mehrwert für das Haus zu schaffen – abgebügelt! Kein Bedarf!

24 Jahre lang war Josef Mend ein souveräner und beherrschter Bürgermeister, der auf Kritik meistens milde und nur selten aufbrausend reagierte. Dieses Außenbild und die dahinter steckenden großen Erfolge sollte er im Spätherbst seiner 2020 endenden Ära nicht so leichtfertig gefährden.

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