Mmhhh!“ Genüsslich lassen die Teilnehmer die „Heinerle“ auf der Zunge zergehen. Es war eine Art „Überraschungspaket“, das sie serviert bekamen: Bei einem ersten Probe-Lauf wurde kürzlich die erste Tour der neuen Stadtführungsreihe „Kitzinger Kostproben“ getestet. Neben kulturhistorischen „Schmankerln“ kann man dabei auch kulinarische Köstlichkeiten der örtlichen Gastronomie kennenlernen.

„Wir möchten, dass Einheimische und Besucher neue Facetten unserer Stadt kennenlernen“, erklärte Claudia Biebl zu Beginn der Tour. Die Marketing-Fachfrau, bei der Stadt für Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, hat es sich zum Ziel gesetzt, die „Marke Kitzingen“ voranzubringen und das Besondere der Stadt in den öffentlichen Fokus zu rücken. Deshalb hat sie zusammen mit Vanessa Feineis, der Leiterin der Kitzinger Tourist-Info, die „Kitzinger Kostproben“ entwickelt. Den Anstoß dazu gab die Kitzingerin Stefanie Hüser. Sie regte an, doch einmal eine „etwas andere Stadtführung“ anzubieten. Biebl griff die Idee auf und heraus kam das neue Konzept mit einem „Mix aus Kulinarik, Stadtgeschichte und Kultur“.

Drei Touren im Angebot

Künftig sollen drei verschiedene Touren im Rahmen der „Kitzinger Kostproben“ angeboten werden. Die erste Route mit dem Motto „Gassen – Gärten – Keller“ wurde bei einer Probe-Führung vorgestellt. Die Tourist-Info hatte dazu nicht nur das Ehepaar Hüser mit Freunden eingeladen, sondern auch Vertreter der Stadt und der Presse. Als Stadtführer fungierte der langjährige Tourist-Chef Walter Vierrether. Mit von der Partie war außerdem Gästeführerin Britta Volbers, die im nächsten Jahr die neuen Führungen übernehmen wird.

Vom Start an der Tourist-Info ging es zum Marktplatz. Dort erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes über den Kiliansbrunnen, die katholische Stadtpfarrkirche und das Rathaus. So manches, was Vierrether erzählte, wussten sie vorher wohl nicht. Zum Beispiel, dass schon viele bekannte Persönlichkeiten im Rathaussaal aus der berühmten „Kandl“ getrunken haben – sogar ein früherer Bundespräsident. Oder dass das „Versoffene Kätherle“ oben an der Rathausfassade seinen Allerwertesten den Nonnen entgegenstrecken sollte, die im gegenüber liegenden Kloster – dem heutigen Landratsamt – lebten und nach Meinung des damaligen Stadtrates zu hohe Abgaben forderten.

Kulinarische Genüsse

Neben kulturhistorischen „Schmankerln“ gab?s auch kulinarische Genüsse: Beim Gang über den Marktplatz wurde am Café „Casa Konrad“ Halt gemacht. Dort bekamen die Teilnehmer einen Espresso oder andere Getränkespezialitäten serviert und konnten selbst gemachte „Heinerle“ sowie kleine Zitronen- und Aprikosen-Törtchen kosten. Inhaber Reiner Straßer erzählte dabei etwas über seine Firmenphilosophie. Weiter ging es in die Kaiserstraße, wo im Restaurant „Mainfruity“ ein zweiter Zwischenstopp eingelegt wurde. Zur Stärkung gab?s dort grüne Smoothies und italienische Bruschetta.

Über die Kaiserstraße und die Würzburger Straße führte der Stadtrundgang hinauf in den „Grabenschütt“. Vierrether wusste auch dort vieles über ehemals ansässige Geschäfte und Bewohner zu berichten. Höhepunkt und Endstation waren die historischen Deusterkeller. Ausgerüstet mit Stirnlampen, durften die Teilnehmer durch das weitläufige Kellerlabyrinth wandern. Ralph Bartholomäus, Vorsitzender des Vereins „Die Deusterkeller“ erzählte ihnen dabei viel zur Geschichte und zur früheren Nutzung der Kellerräume, in denen einstmals Bier gelagert wurde.

Rundgang kommt gut an

Die Deusterkeller waren für viele der Höhepunkt des Stadtrundgangs: „Das war wirklich sehr interessant“, meinte beispielsweise Jörg Beckmann, einer der Teilnehmer. Auch Silke Hölzel war begeistert: „Ich fand die ganze Tour super. Ich habe einiges gesehen und erfahren, was ich vorher nicht wusste“, fasste die Kitzingerin ihre Eindrücke zusammen. Am Ende durften sich die Teilnehmer noch mit einem Schluck Bier stärken, dass die Brauerei Kesselring exklusiv für die Probe-Führung abgefüllt hatte.

Für die Flaschen wurden spezielle Etiketten mit der Aufschrift „Kitzinger Kostproben“ entworfen. Diese durften die „Touren-Tester“ als Andenken mit nach Hause nehmen. Außerdem bekam jeder einen Bewertungsbogen. Anhand der Ergebnisse wollen Claudia Biebl und Vanessa Feineis die Tour nochmals überarbeiten. Ab April 2019 wird sie dann offiziell für jedermann angeboten.

„Kitzinger Kostproben“

Drei verschiedene Stadtbesichtigungen sollen künftig im Rahmen der neuen Reihe „Kitzinger Kostproben“ angeboten werden. Die erste Tour „Gassen – Gärten – Keller“ können Interessierte ab April 2019 wahrnehmen. Sie dauert circa zwei Stunden. Beim Gang durch die Altstadt erfahren die Teilnehmer Wissenswertes über die Kultur, Stadtgeschichte und historischen Bauwerke Kitzingens. Höhepunkt ist eine Führung durch die Deusterkeller mit Informationen zur Geschichte und Nutzung der historischen Kellergewölbe.

Im kommenden Jahr bietet die Stadt sechs Stadtführungen nach dem neuen Konzept an, jeweils zu buchen bei der Kitzinger Tourist-Info: tourismus@stadt-kitzingen.de. Dort kann man auch Gutscheine für die Touren erwerben.

Die Kosten betragen pro Person und Führung 30 Euro, inklusive dreier Stationen, an denen es selbst gemachte flüssige und essbare Kostproben gibt. Die Termine für 2019, immer samstags von 14 bis 16 Uhr: 20. April, 18. Mai, 15. Juni, 20. Juli, 10. August und 21. September 2019. wl

Kitzinger Deusterkeller

Die ältesten Teile der Kitzinger Deusterkeller reichen zurück bis in die Zeit des 30-jährigen Krieges. 1830 kaufte der Kitzinger Bierbrauer Thomas Ehemann am nördlichen Stadtrand einen Acker samt Keller. In der Folge erwarb er weitere Grundstücke und schuf eine umfangreiche Anlage aus Lager-, Gär- und Eiskellern. Mit seinem Exportbier war er erfolgreich und machte Kitzingen in der Welt bekannt.

Die Familie von Deuster, in die eine Tochter Ehemanns eingeheiratet hatte, verkaufte 1885 die Brauerei. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden die Keller noch zur Bierlagerung genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie Sitz des Deutschen Bocksbeutelvertriebs.

Beim Gang durch das Kellerlabyrinth, das unter Denkmalschutz steht, können die Besucher in die Zeit der frühindustriellen Bierherstellung eintauchen und gleichzeitig ein Stück Stadtgeschichte erleben. „Wir haben hier wirklich etwas Besonderes“, wirbt Ralph Bartholomäus, Vorsitzender des Vereins Die Deusterkeller. WL