Kitzingen

Stadt Kitzingen will Bauamt aus der Krise befreien

Die Personalnot im Kitzinger Bauamt ist für Bürger und Stadtverwaltung unbefriedigend. OB Müller spricht über mögliche Wege aus der Krise. Einen ersten Lichtblick gibt es.
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Dauerbaustelle Stadtbauamt: Nicht das 2016 renovierte Gebäude (Archivbild) bereitet der Stadtverwaltung Sorgen, sondern die personelle Ausstattung. Foto: Sebelka
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Es knirscht schon lange im Bauamt der Stadt Kitzingen.  Im Stadtrat, auf der Straße, in der Verwaltung ist das Stadtbauamt immer wieder in der Diskussion, weil kleinere und größere Bauanträge sich stapeln oder gar Projekte aus dem Stadtrat abgeblockt werden. Am Ende läuft es immer auf die gleiche Ursache hinaus: zu wenig qualifiziertes Personal. Nicht nur, dass Stellen mangels geeigneter Bewerber unbesetzt bleiben; inzwischen ist auch Torsten Fischer, seit Ende 2011 Sachgebietsleiter für Stadtplanung und Bauordnung, nicht mehr bei der Stadt beschäftigt.

Personalmangel einerseits, eine boomende Baukonjunktur und viele Bauprojekte andererseits erzeugen Überlastung. Was ist los im Bauamt? Die anhaltende Kritik, die zuletzt auch in einem Leserbrief formuliert wurde, ist für die Redaktion Anlass nachzuhaken. Oberbürgermeister Siegfried Müller und Hauptamtsleiter Ralph Hartner nehmen Stellung zur Krise und zeigen Wege auf, wie sie die Problemen beseitigen wollen.

Lesen Sie dazu einen Kommentar unseres Autors.

Unbefriedigende Situation im Bauamt

Wer durch die Stadt Kitzingen läuft, sieht immer wieder Baustellen. Baukräne drehen sich ebenso für private Häuslebauer wie für große Unternehmen oder auf den Konversionsflächen, die die US-Armee hinterließ . Doch alle Planunterlagen müssen durch ein Nadelöhr: das Kitzinger Bauamt. Hat man dort wegen der starken Baukonjunktur sowieso schon gut zu tun, fehlen ausgerechnet in diesem Bereich die Mitarbeiter: Von sieben Stellen sind nur drei besetzt. Ausschreibungen brachten bislang nicht die gewünschten Bewerbungen. "Die Situation ist für Leute von außen und für uns unbefriedigend", gibt der OB zu.

Zurzeit tun sich Behörden generell schwer, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, weil diese in der Privatwirtschaft höhere Gehälter erhalten, sagt der Oberbürgermeister. In Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs würde die Arbeitsplatzsicherheit in der öffentlichen Verwaltung sicher mehr Gewicht haben. Dennoch freut sich die Stadt, dass sie gerade in diesen Tagen einen Arbeitsvertrag mit einem Techniker unterzeichnet hat. Der Fachmann fängt zum 15. September an. Es gibt also Lichtblicke.

Aktuell sucht die Stadtverwaltung noch Techniker mit Verwaltungserfahrung, Stadtplaner und Geografen mit Schwerpunkt Stadt- und Raumplanung. 

Ein Bündel an Lösungsansätzen

Müller setzt aber nicht nur auf externe Verstärkung, sondern lässt auch umstrukturieren. In der aktuellen Krise hat sich die Rechtsabteilung spontan bereit erklärt mitzuhelfen, zum Beispiel bei der Prüfung von Planunterlagen, "um die Durststrecke zu überwinden", wie Ralph Hartner sagt. Und schließlich rechnet die Stadtverwaltung auch mit internen Bewerbungen fürs Bauamt. Das alles braucht Zeit, weiß der OB. Deshalb hat er als Devise ausgegeben, dass vorerst die externen Bauanträge "absoluten Vorrang" besitzen. Die Stadt stellt ihre eigenen Projekte dafür zurück. Allerdings muss die Verwaltung ihre Pflichtaufgaben erfüllen und dazu gehörte die Verabschiedung der jüngst in einem Leserbrief kritisierten Friedhofssatzung. Müller zufolge musste die Stadt sie jetzt anpassen.

Er stellt klar, dass das Bauamt der Stadt durchaus innerhalb von vier bis längstens sechs Wochen eine Entscheidung über einen Bauantrag treffe, allerdings nur dann, wenn alle Unterlagen vollständig eingereicht seien. Beschwerden, wonach Anträge monatelang unbearbeitet blieben, seien deshalb unzutreffend. "Für uns läuft die Uhr, wenn alle Unterlagen vorliegen", erklärt Hartner. Die Stadt bearbeitet jährlich zwischen 220 und 250 Bauanträgen; diese Zahlen seien relativ konstant. Momentan liegen 78 vor; knapp ein Drittel der Bauwerber bekommt demnächst die Bescheide.   

OB bittet Bauwerber um Geduld

Man könne auch nicht die Bearbeitungszeit des städtischen Bauamts mit dem des Landratsamtes vergleichen, sagt Müller. Die Bauanträge, die von den Kommunen ans Landratsamt weitergeleitet würden, seien alle schon vorgeprüft. Grundsätzlich müssten bei den "nicht wenigen Anträgen" viele rechtliche Anforderungen, Wünsche der Bauwerber und Vorgaben der Behörden unter einen Hut gebracht werden. "Das sind alles Dinge, die Zeit kosten", fasst Müller zusammen. "Bei uns kommt alles zusammen." Aber der OB hofft, dass die eingeleiteten Maßnahmen nun möglichst schnell positive Auswirkungen haben. Und er schließt: "Wir bitten die Antragsteller noch um etwas Geduld."

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