Eine Freiheitsstrafe von neun Jahren verbüßt ein 24-Jähriger derzeit in der Justizvollzugsanstalt Straubing nach drei Überfällen auf eine Spielothek in Kitzingen in den Jahren 2011 und 2012. Für ein weiteres Urteil von zwei Jahren und sechs Monaten wollte der Mann aus Kitzingen in dieser Woche „Rabatt“ von einer Strafkammer des Landgerichts Würzburg. Die Fahrt aus dem 300 Kilometer entfernten Gefängnis zur Berufungsverhandlung nach Würzburg war allerdings „für die Katz“.

Die Vorsitzende Richterin Susanne Krischker hatte bei Prozessbeginn „vorsorglich und deutlich“ darauf hingewiesen, dass nichts drin ist. Die Strafe sei eher zu niedrig als zu hoch.

Darauf zog der Angeklagte, in Straubing derzeit im zweiten Lehrjahr, seine Berufung zurück. Er wurde wieder gefesselt und trat die Rückfahrt an. Nach den neun Jahren für die Überfälle in Kitzingen, „knapp an der Sicherungsverwahrung vorbei“, so eine Große Strafkammer im März 2013, war der Mann später von einem Schöffengericht in Würzburg zu einer weiteren Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden: wegen Freiheitsberaubung, falscher Verdächtigung und falscher Aussage vor Gericht. Er hatte ohne erkennbaren Grund einen Bekannten als Mittäter beschuldigt und hinter Gitter gebracht.

Zwei Solo-Überfälle

Zwei Überfälle hatte der Räuber solo gemacht, unter anderem mit einem Küchenmesser bewaffnet und mit einer Sturmhaube maskiert. Angeblich brauchte er dringend Geld für Miete, Stromrechnung und Schulden beim Dealer. Bei einem Überfall war ein Komplize dabei, den die Kripo allerdings trotz Überwachungskamera nicht ermitteln konnte. Die bei dieser Straftat zum Einschüchtern einer Mitarbeiterin der Spielothek eingesetzte Pistole war zwar scharf, aber nur mit Schreckschuss- und Pfeffer-Patronen bestückt.

Vier Monate unschuldig in U-Haft

Den Namen seines vermummten Mittäters hatte der Angeklagte während der gesamten Ermittlungen und auch zunächst noch in seinem Prozess nicht genannt. Erst gegen Ende der Verhandlung im März vergangenen Jahres wollte der erheblich vorbestrafte Mann nach eigenen Aussagen „einen Schluss-Strich unter seine kriminelle Vergangenheit ziehen“. Er lieferte die Personalien seines angeblichen Komplizen, der daraufhin festgenommen wurde. Er saß bis zu seiner Verhandlung über vier Monate unschuldig in Untersuchungshaft.

Im Prozess gegen den angeblichen Mittäter, der immer wieder, aber erfolglos, seine Unschuld beteuerte, sagte der Angeklagte dann, der sei gar nicht dabei gewesen. Als er dessen Namen vor Gericht, bei der Kripo und beim Ermittlungsrichter genannt und ihn belastet hat, da sei er mit Medikamenten vollgestopft gewesen. Der Arzt habe ihn für seine Verhandlung „ruhig gestellt“. Er habe einfach irgendeinen Namen genannt, der ihm gerade einfiel. Es hätte auch jeden anderen von seinen vielen Bekannten „treffen“ können.

Auf gleicher Wellenlänge

Der echte Räuber und der zu Unrecht als Komplize beschuldigte junge Mann kannten sich, aber nicht von Straftaten. Beide hatten Jahre vorher gern und oft zusammen Schach gespielt, und bei Musik und Kunst allgemein sei man auf gleicher Wellenlänge gewesen. Beide konsumierten Amphetamin und rückten gemeinsam zum Trinken aus, aber auch zum Dart- und Billardspielen.

Das Gericht versuchte damals, ein Motiv dafür zu finden, dass einer einem guten Bekannten so wie in diesem Fall „rein tunkt“: Ob der andere ihm mal eine Frau ausgespannt habe, ob es Streit gab, ob eine Rechnung offen ist, wollten die Richter wissen. Alles Fehlanzeige.

Der zu Unrecht beschuldigte, damals 23-Jährige, war im Juni 2013 am frühen Morgen aus der Untersuchungshaft zu seinem Prozess wegen schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung vorgeführt worden. Am Nachmittag konnte er als „freier Mann“ mit Anspruch auf knapp vier Monate Haftentschädigung, das Justizgebäude verlassen.

Der Mann hatte versichert, dass er im Leben überhaupt noch nie in einer Spielothek gewesen sei.

Von der belastenden Aussage des Räubers über seinen angeblichen Begleiter abgesehen, gab es weder Zeugen, die ihn identifizieren konnten. Es gab keinen Fingerabdruck und keine DNA-Spur. Die Bilder der Überwachungskamera zeigten nur perfekt vermummte Männer mit Kapuze.