MAINFRANKEN

Sparkasse Mainfranken: Auch 2017 werden Filialen geschlossen

Wie 2015 machte auch 2016 das allgemein niedrige Zinsniveau der Sparkasse Mainfranken Würzburg zu schaffen. Das hat Folgen bis in die Dörfer der Region.
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Sparkasse Mainfranken: Auch 2017 werden Filialen geschlossen
Hier war im Herbst 2016 schon Schluss: Die Sparkassen-Filiale in Bütthard (Lkr. Würzburg). Foto: Gerhard Meißner

Die Luft bleibt dünn: Wie 2015 machte auch 2016 das allgemein niedrige Zinsniveau der Sparkasse Mainfranken Würzburg zu schaffen. Zusammen mit anderen Faktoren erzeugt das einen betriebswirtschaftlichen Druck, der das größte Geldhaus der Region zu Einschnitten zwingt, die man ebenfalls aus dem Vorjahr kennt: Es werden heuer weitere Filialen geschlossen.

Wo die Filialschließungen sein werden

Die Vorstandschef Bernd Fröhlich am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz sagte, werden bis Ende März die Geschäftsstellen in Kleinrinderfeld, Neubrunn, Unterpleichfeld, Remlingen (alle Lkr. Würzburg), Sulzfeld am Main, Wiesenbronn (beide Lkr. Kitzingen) und Eußenheim (Lkr. Main-Spessart) von der Sparkassen-Landkarte verschwinden.

Ganz oder teilweise: In Wiesenbronn, Kleinrinderfeld und Sulzfeld bleiben laut Fröhlich Geldautomaten stehen, Unterpleichfeld wird eine Selbstbedienungsgeschäftsstelle mit Kontoauszugsdrucker und Geldautomat – also eine Filiale ohne Personal. Die Niederlassungen in Neubrunn, Unterpleichfeld und Eußenheim hingegen werden komplett gestrichen.

Einst waren es 150 Filialen, jetzt sind es noch 108

Damit wird die viertgrößte Sparkasse in Bayern heuer noch 108 Geschäftsstellen haben. Vor 17 Jahren, also nach der Fusion der Sparkassen in Würzburg, Kitzingen und Main-Spessart zum heutigen Haus, waren es noch 150 Geschäftsstellen gewesen. 2018 werden weitere fünf Filialen geschlossen werden, sagte Fröhlich. Dann sei das Ende der Fahnenstange erreicht.

Die Schließungswelle hat Fröhlich zufolge auch mit dem Verhalten der Kunden zu tun. Die größte Geschäftsstelle sei mittlerweile das Internetangebot der Sparkasse. Auch die hauseigene App trage dazu bei, dass die Kunden online handelten und deshalb die Frequenz in den Geschäftsstellen sinke.

Zinsüberschuss geht zurück

Generell sind Sparkassen im Vergleich zu anderen Geldhäusern stark vom Zinsgeschäft abhängig. Weil es seit geraumer Zeit kaum noch Zinsen gibt, wird die Decke auch für die Sparkasse Mainfranken immer kürzer. Zu spüren am Zinsüberschuss, der 2016 zurückgegangen sei, sagte Fröhlich. Ähnlich verhalte es sich beim Jahresüberschuss. Details könne er nicht nennen, weil die Abschlüsse noch nicht fertig seien.

Geplagt werde die Branche und damit auch die Sparkasse Mainfranken von Auflagen, die unter anderem von der europäischen Bankenaufsicht kommen. So muss die Sparkasse heuer 3,6 Millionen Euro – und damit das Zehnfache wie vor zehn Jahren – zum Beispiel für Risikomanagement, Geldwäsche-Verhütung und Meldepflichten ausgeben. Positive Vorzeichen haben bei der Sparkasse unter anderem das Geldvermögen (um 7 Prozent gegenüber 2015 gestiegen) und das Immobiliengeschäft. Es wuchs von zuletzt 49 Millionen auf auf 84 Millionen Euro. Die Eigenkapitaldecke sei durch weitere Rücklagen gestärkt worden.

Sparkassen-Rebell will Gewinnausschüttung ändern lassen

Hier setzt der „Sparkassen-Rebell“ Rainer Gottwald aus Landsberg am Lech seit Jahren an. Er will, dass die bayerischen Sparkassen einen Teil ihrer Gewinne an die Träger, also Städte und Gemeinden, ausschütten. Mit einer Reihe von Schreiben hat er dazu auch schon die Sparkasse Mainfranken und die Stadt Würzburg beschäftigt. Gottwalds Ansinnen sei aber gesetzlich nicht umsetzbar, sagte Sparkassenchef Fröhlich am Donnerstag.

Sparkasse Mainfranken

In der Region gibt es fünf Sparkassen: Mainfranken (Würzburg mit Kitzingen und Main-Spessart), Schweinfurt, Bad Kissingen, Bad Neustadt und Ostunterfranken (Haßfurt). Die Sparkasse Mainfranken ist darunter mit Abstand die größte.

Die Sparkassen sind keine Banken im herkömmlichen Sinn, sondern Anstalten des öffentlichen Rechts, also behördenähnlich. Sie dürfen Gewinne machen und zahlen Steuern: So überwies die Sparkasse Mainfranken 2016 nach eigenen Angaben etwa 15 Millionen Euro – darunter 6 Millionen Euro Gewerbesteuer – an das Finanzamt.

Auch als großer Förderer gemeinnütziger Projekte sieht sich die Sparkasse Mainfranken: 2,7 Millionen Euro hat das Geldhaus nach eigener Darstellung an kulturelle, sportliche, soziale, wissenschaftliche und umweltorientierte Adressen in der Region gespendet. Die vier Sparkassenstiftungen haben 26,2 Millionen Euro Vermögen.

Weitere Kernzahlen der Sparkasse Mainfranken (bezogen auf Ende 2016, in Klammern Änderung gegenüber 2015, Angaben in Euro):

Geldvermögen: 8,4 Mrd. (+ 7%),

Kundeneinlagen: 6,7 Mrd. (+7,8 %), Bilanzsumme: 7,9 Mrd. (+ 0,5 Mrd.) Mitarbeiter: 1693 (-72) aug

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