Sieben Windkraftanlagen stehen schon im „Windpark Dipbach“. Nun wollen Investoren dort weitere hohe Windräder der jüngsten Generation bauen. Eisenheims Bürgermeister Andreas Hoßmann befürchtet, dass bald 18 Windräder auf dem Bergkamm über Eisenheim stehen und die Region „verspargeln“.

Deshalb hat er bei seinen Bürgermeisterkollegen aus Kolitzheim, Volkach, Nordheim und Sommerach nach deren Meinung gefragt. Insbesondere in den Bereichen Fahr, Lindach und Stammheim würden die Windkraftanlagen doch „massiv sichtbar sein“.

„Wir müssen dezentrale Kompromisse eingehen, wenn wir die Energiewende wollen.“
Elmar Henke, Bürgermeister in Sommerach

Ob es wirklich einmal 18 Windkraftanlagen von Dipbach aus über Püssensheim und Prosselsheim bis zur Staatsstraße hin werden, steht noch lange nicht fest. Aber die GmbH „Regenerative EnergieWerke“ in Hannover (REW) hat einiges vor. Sie klagt gerade beim Verwaltungsgericht gegen die Ablehnung des Würzburger Landratsamts auf einen von ihr gestellten Vorbescheidsantrag für neun Windkraftanlagen. Zudem hat der Gemeinderat Prosselsheim im September einen abgeänderten Antrag der REW zurückgestellt, weil er seine eigenen Planungen auf möglicherweise zwei Windräder im Püssensheimer Gemeindewald wesentlich beeinträchtigt sah.

Zum anstehenden Gerichtsverfahren wegen der neun strittigen Windräder ist die Gemeinde Eisenheim auf Antrag beigeladen worden und hat auch Rechtsschutz erhalten. „Wir nehmen unsere Rechte als Nachbargemeinde wahr, weil wir der Ansicht sind, dass sich das Landschaftsbild gravierend verändert“, erläutert Bürgermeister Hoßmann. Rückendeckung bekam er von Bürgermeister Peter Kornell aus Volkach und dessen Stadtrat.

„Gerade im Bereich der Volkacher Mainschleife wurden in den letzten Jahren erfolgreiche Initiativen gestartet, um die Weinregion, das Landschaftsschutzgebiet und die einzigartige Kulturlandschaft im touristischen Bereich zu nutzen“, informiert die Stadt Volkach. Der Standort an der Hangkante zähle „zu den besonders schützenswerten Landschaften unserer Region“.

„Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass sich das Landschaftsbild verändert.“
Horst Herbert, Bürgermeister in Kolitzheim

Die Volkacher Stadträte befürchten, dass „die kumulativen Wirkungen weiterer Windkraftanlagen zur Überschreitung der Erheblichkeitsschwelle zur Verunstaltung des Landschaftsbildes führen“. Mit 18:1 Stimmen haben sie sich deshalb gegen das Vorhaben der REW ausgesprochen.

Bürgermeister Horst Herbert aus Kolitzheim gibt zu, dass „die Windräder bei Dipbach von uns aus sehr deutlich zu sehen sind“. Aber seine Gemeinde habe in den Stellungnahmen zum neuen Regionalplan mehrmals deutlich gemacht, „dass Windkraftanlagen nicht auf jedem Hügel unserer Landschaft errichtet werden sollten“.

Ein konzentrierter Standort wie beim Vorhaben der REW in Dipbach entspreche somit den Vorstellungen der Kolitzheimer. „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass sich das Landschaftsbild verändert“, sieht sich Bürgermeister Herbert angesichts der „großen Politik“ machtlos. Bürgermeister Elmar Henke aus Sommerach hat die Anfrage des Eisenheimer Bürgermeisters ebenfalls in seinem Gemeinderat besprochen und unterschiedliche Stimmen vernommen. Er persönlich sei zwar gegen die weitere Errichtung mit schlimmstenfalls 18 Windmühlen bei Dipbach, aber es sei „wirklich keine einfache Situation dort“.

„Wir müssen dezentrale Kompromisse eingehen, wenn wir die Energiewende wollen“, sagt er. Andererseits sei es schwer, sich an den Anblick von so vielen Windrädern zu gewöhnen.

Dass die Touristen deshalb nicht mehr kommen werden, glaubt Bürgermeister Henke persönlich weniger. Er mache sich eher Gedanken um den Schattenwurf, die Wirtschaftlichkeit oder Alternativen wie die Geothermie. Aus Respekt vor der Kommunalpolitik der Eisenheimer wolle der Sommeracher Gemeinderat das schwierige Thema Windenergie an der Mainschleife nicht öffentlich kommentieren.

Bürgermeister Guido Braun aus Nordheim hat nur eine kurze Antwort gemailt. Sie lässt darauf schließen, dass er sich der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist und den Beschluss der Bundesregierung zur Energiewende mitträgt und umsetzt. „Es gibt Sachen, die können wir im Leben nicht verändern. Dazu gehören auch die Windparks. Oder möchten Sie lieber ein Atomkraftwerk?“, lautet Brauns Antwort auf die Presseanfrage.