Sonntagsspaziergang

In diesen Tagen gibt es in vielen Orten die sogenannten Flurgänge bzw. Bittprozessionen. Sie finden traditionell in den Tagen vor Christi Himmelfahrt statt. Der Gang durch die Fluren der jeweiligen Ortschaft beinhaltet die Bitte um Gottes Schutz und Segen für die Felder, die Gärten sowie die Bitte um eine gute Ernte – damit Mensch und Tier gut leben können von den Früchten der Erde.

Nicht zuletzt liegt der Ursprung der Bittprozessionen wohl auch in dem Glauben, dass Unglücke (wie z. B. schlechte Ernten) Folgen der eigenen Schuld der Menschen sind und solche Bittprozessionen dann auch Bußgänge waren, in denen um die Vergebung der eigenen Schuld gebeten wurde. Wie gefährdet menschliches Leben auf der Erde ist, erlebe ich jeden Tag in den Nachrichten. Ich denke da beispielsweise an das schwere Erdbeben in Nepal oder das Flugzeugunglück in Spanien. Immer wieder müssen Menschen die Erfahrung machen, dass das je eigene Leben nicht bis ins Letzte und Kleinste hinein kontrolliert werden kann. Daher rührt wohl auch das Bedürfnis des Menschen, das eigene Leben immer wieder einer höheren Macht anvertrauen zu können. Eltern sagen es mir es immer wieder bei Taufgesprächen: „Wir können nicht ständig für unser Kind sorgen – und deshalb wollen wir es behütet wissen.“ Angesichts von Katastrophen, Unglücken etc. fragen viele Menschen zurecht, wie es denn um das „Behütet-Sein“ steht und ob es denn diesen Gott wirklich gibt. Warum er denn dann das alles zulässt? Auf diese Frage gibt es keine schnelle Antwort. Der Mensch ist sicher verpflichtet, zu erkennen, welche Unglücke wirklich auf eigenes Fehlverhalten zurück gehen.

Aber auch dann bleibt die Frage nach Schutz und Segen. Der christliche Glaube weiß um diese Haltlosigkeit – Maria musste ihren eigenen Sohn sterben sehen. Der Glaube weiß aber auch um die Begleitung Gottes – durch den Tod in ein neues Leben hinein.

Wenn ich manchmal nach dem „Warum“ und „Wozu“ gefragt werde, sage ich immer: „Ich weiß' es nicht – auch wenn ich Priester und Theologe bin. Was ich weiß, ist aber: Gott geht mit ihnen da hindurch.“ Das „Warum“ , „Wieso“, „Weshalb“ mag Gottes Geheimnis bleiben, aber was Gott uns gezeigt hat, ist: das Leben ist bis in Ewigkeit behütet und aufgehoben und geborgen – bei Gott. Auch davon können die Flurgänge erzählen. Wenn die blühende Natur mir neu bewusst macht, dass jedes Leben, das im Herbst und Winter vergangen ist, jetzt wieder neu wird.

Das ist in die Natur der Schöpfung hinein gelegt: Leben kommt, geht und kommt wieder. Auch das menschliche Leben darf blühen, aufblühen, Frucht tragen und eines Tages bei Gott zur vollen Blüte kommen – für immer.

Der Autor: Pater Zacharias Heyes (44), seit 2000 Mönch der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach, ist Lehrer und Schulseelsorger am Egbert-Gymnasium, Notfallseelsorger im Landkreis Kitzingen und Buchautor des Vier-Türme-Verlages.