In einer alten katholischen Kirche fand ich am Schriftenstand ein sehr modernes Gebet für Touristen, das ich in unsere Sprache übersetzen und ein wenig abändern darf, da ohnehin kein Autor angegeben ist.

Am Ende der bayerischen Sommerferien mag es der Reflexion dienen, ob wir unsere Ferien, den Urlaub und die so genannte „freie Zeit“ richtig genutzt haben und nutzen. Insofern sind nicht alleine Schüler, Lehrer und ihre Familien betroffen.

Chinesische Touristen im Raum Neuschwanstein müssen nach Zeitungsangaben lernen, sich „richtig“ zu verhalten. Auch wir sind aufgerufen, uns zu Hause und im Ausland angemessen zu benehmen.

Lasset uns beten: „Himmlischer Vater, schaue zu uns hernieder auf uns, deine getreuen Touristen, die dazu aufgerufen sind, die Welt zu bereisen, zu fotografieren, Ansichtskarten zu versenden, Souvenirs zu kaufen, sich in in passender Kleidung zu bewegen.

Schenke uns in diesen Tagen göttliche Führung in der Auswahl unserer Feriendomizile, dass unsere Reservierungen korrekt vorgenommen und die Zimmer ordentlich vorbereitet wurden, das Frühstück inbegriffen ist, Duschen mit genügend heißem Wasser vorhanden sind und die Toiletten funktionieren.

Wir bitten, dass unsere Telefone und Laptops Anschlüsse haben, die Rechnungen nicht zu hoch ausfallen und die Angestellten unsere Sprache verstehen.

Geleite uns, Herr, zu guten und preiswerten Restaurants, in denen die Lebensmittel gesund, die Bedienungen freundlich und die servierten Weine fehlerlos und schmackhaft sind. Herr, lass auch den nicht fränkischen Winzern ein geschmackvoller Wein gelingen!

Gib uns die Weisheit, das passende Trinkgeld in einer fremden Währung zu verabreichen. Vergib uns, wenn wir aus Ignoranz zu wenig oder aus Angst zu viel Trinkgeld geben. Schenke den Einheimischen das Verständnis, uns als Menschen zu mögen und nicht nur als Abnehmer ihrer Waren und Dienstleistungen.

Verleihe uns die Kraft, Museen, Kathedralen, ansehnliche Häuser, Nationalparks und Aussichtspunkte zu besuchen, die in unseren Touristenführern als „must see“ vorgeschrieben und empfohlen sind.

O Herr, gib uns die Einsicht, dass wir unsere Beziehungsprobleme, Fragen und Sorgen nicht lösen, indem wir die Welt bereisen oder umrunden. Selbst in der Antarktis können wir nicht über unseren Schatten springen. Wir können nicht vor uns, vor unseren Mitmenschen, vor unseren Gefühlen und vor Dir davonlaufen. Du bist immer schon vor uns da und hilfst uns (Psalm 91), du hast alles geschaffen (Psalm 104), damit wir etwas zu bereisen und zu bewundern haben. Gott, wir dürfen dir danken, dass du uns beschützt auf allen Wegen und auf unserem Lebensweg (Psalm 107).“

Ja, es ist tröstlich, dass wir auch zu Hause, im Haus, bleiben können. Niemand muss davonlaufen, um sich und die Welt zu entdecken. Gott weiß alles über uns (Psalm 149!), unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Der Autor: Dr. Michael Persie (63) aus Buchbrunn ist Studiendirektor an der Staatlichen Berufsschule Kitzingen-Ochsenfurt, Religionslehrer, Gottesdienstleiter, katholisch, verheiratet und hat drei Kinder. Seine Gedanken zum Sonntag schreibt er seit 1985.