Auf großformatigen Bildern werden Teile der Kirche, so etwa die Schallluken am Turm, eine Balustrade oder ein Gesims ausschnittartig in Großaufnahme dargestellt. Dinge, die dem flüchtigen Betrachter oder Kirchenbesucher sonst kaum auffallen und die er nicht eigens wahrnehmen würde, nimmt der Künstler, es ist der Kitzinger Kunstlehrer Harald Knobling, in den Blick oder gleichsam unter die Lupe.

Die überwiegend dunklen, tiefen Farben mögen zwar nicht bei allen Besuchern der Kirche Beifall finden, mancher mag sich hier hellere, leichtere Farben wünschen, aber das Wesentliche dieser Ausstellung sind die Motive, und die sprechen für sich. Schwebend scheint der Pinselstrich geführt zu werden und durchbricht die massigen Blöcke. Schlichtheit und Spielerisches, Größe und menschliches Maß finden sich so.

Mit seinen Bildern macht der Künstler deutlich, dass auch eine große Kirche bis ins Kleinste hinein sorgfältig und mit viel Sachverstand und Geschick gebaut und gestaltet wurde, und dass auch eher unauffällige Details eine wichtige Funktion haben. Oft tragen gerade sie auf ihre Weise zur Schönheit des Ganzen bei.

Nicht nur bei einem Bauwerk sind neben den Dingen, die gleich auf den ersten Blick ins Auge fallen, auch die unendlich vielen, oft verborgenen Bestandteile und Kunstwerke schätzenswert. Draußen in der Natur haben auch die manchmal unscheinbaren Geschöpfe, in einer Region die eher versteckten Schätze sehr wohl ihren Sinn und Wert.

Und bei Menschen mögen es Eigenschaften, Fähigkeiten und Gaben sein, die sie einzigartig und vielleicht sogar unersetzlich machen, wenn diese erkannt und gewürdigt werden.

Ich denke an alle, die tagaus tagein an ihrem Platz für einen reibungslosen Ablauf unseres Alltags sorgen, selten werden sie beachtet. Sie gehören zu den unendlich vielen Helfern, die unser Leben leichter machen. Wir haben uns an sie gewöhnt, ohne sie zu schätzen. Erst, wenn sie fehlen, wird uns dies bewusst.

Es ist Urlaubszeit. Eine ideale Zeit, auszubrechen aus dem allzu Vertrauten und Neues zu entdecken. Oder Bekanntes in seiner Schönheit neu wahrzunehmen. Der Urlaub bietet Gelegenheit, den Blick zu weiten. Wenn uns das gelingt, werden wir auch im Kleinen Großes finden.

Es gibt sie überall, die unscheinbaren und doch so wertvollen Werke aus Gottes und der Menschen Hand. Sie sind Teil eines großen Ganzen, eines letztlich wunderbaren und faszinierenden Lebens. Die Ausstellung in der Stadtkirche hat mir dafür den Blick geöffnet.

Der Autor Hanspeter Kern (59) ist Dekan des evangelisch-lutherischen Dekanats Kitzingen und Pfarrer in der Stadtkirchengemeinde.