KITZINGEN

Sommer-Kolumne (3): Ruhe für die Schnittstelle

Bei Wikipedia heißt es, dass Offline ein Zustand ist, "in dem ein Gerät, das über eine Kommunikationsschnittstelle verfügt, nicht bereit ist, Daten über diese Schnittstelle zu empfangen oder zu senden." Kurzum: eine Urlaubsbeschreibung.
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Sommer-Kolumne: Die Rufe am Strand
Psssst. Hören Sie es auch? Der Strand ruft. Immerzu. „Wo bleibst Du? Wo bleibst Du?“ Das steigert die Vorfreude. Auf den Sand zwischen den Zehen. Auf hemmungsloses Nichtstun. Auf den immer wieder vorbeilaufenden Eismann. Beim ersten Eis fragt die Liebste noch: „Schatz, wie sieht es aus? Hast Du auch so viel Lust auf ein Eis wie ich? Als kleine Erfrischung? Sag schon: Bringe ich Dir auch eine leckere Eiswaffel mit? Du weißt schon: Die ein bisschen nach Sahne schmeckt. Nach der ich so verrückt bin. Soll ich?“ Nach einer Woche lautet die Frage noch: „Soll ich Dir auch ein leckeres Eis zur Erfrischung mitbringen?“ Kurz darauf sorgt das Läuten der Eisglocke lediglich für diese Reaktion: „Auch Eis?“ Dann, so viel steht fest, ist man im Urlaubs-Modus angekommen. Die Trägheit hat gesiegt. Die Welt ist barfuß. Lauter kleine Augenblicke. Weniger ist Meer. Warum reden, wenn man auch schweigen kann. Der Rest ist Erholung und Ruhe. Zwischendurch taucht neben „Auch Eis?“ noch die eine oder andere zusätzliche Frage auf: Weshalb es den Strand-Tester nicht auch als Beruf gibt? Und warum an der deutschen Ostsee nicht längst Palmen wachsen? Ansonsten: Wohltuendes Nichts. Stille. Wobei das mit der Ruhe am Strand so eine Sache ist. Einer plärrt ja immer. Aber das hört man irgendwann nicht mehr. Zumal es ja auch wichtig ist, sich darauf zu konzentrieren, ob der Strand ruft: „Schön, dass Du endlich da bist! Auch Eis?“

Bei Wikipedia heißt es, dass Offline ein Zustand ist, „in dem ein Gerät, das über eine Kommunikationsschnittstelle verfügt, nicht bereit ist, Daten über diese Schnittstelle zu empfangen oder zu senden.“

Urlaub ist Offline. Die einzige Zeit im Jahr, in der mal keine Mails gecheckt werden. In der es so herrlich egal ist, was da draußen in der Welt passiert.

Kein Blinken. Kein Piepen.

Wen juckt's, welche arme Sau gerade durch irgend ein Dorf getrieben wird. Einfach mal nichts. Die einzige Aufregung ergibt sich morgens beim Bäcker bei der Auswahl der Brötchen.

Das Handy hat Schnittstellenverbot. Es blinkt nichts, es piept nichts. Boris-Becker-freie-Zone. Dass Jan Ulrich der Nachbar von Til Schweiger ist – herje, andere haben es auch nicht einfach. Selbst die Heidi Klums dieser Welt lassen sich einfach aus dem Sommer verbannen.

Das schafft Platz für andere Dinge. Einhörner am Strand zählen etwa. In Geschäfte gehen, die „Aufhübschzone“ heißen. Stundenlang zuschauen, wie andere mit dem Bananenboot umkippen. Möwen aufscheuchen. Strandburgen bauen. Und Johannes Oerding hören. Nachdem der Sänger kürzlich in Kitzingen zum Open-Air gebeten hatte, ist er jetzt schon wieder da – diesmal auf dem Kurplatz mit Blick aufs Meer.

Kleiner Preisunterschied

Während in Kitzingen am Mainufer an der Abendkasse 45 Euro verlangt wurden, sind diesmal nur 25 Euro fällig. Aber selbst die lassen sich sparen. Man miete einen strategisch günstigen Strandkorb, besorge sich einen Bocksbeutel – das Frei-Konzert kann beginnen. Wobei etwas Kommunikationsschnittmenge und Datenempfang dann doch nichts schaden können – so lange es sich um das Gratis-Meeresrauschen handelt.

„Urlaubsreif“ erscheint während der Sommerferien in loser Folge.

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