SOMMERACH

So werden Frankens Weinprinzessinnen vorbereitet

Krone auf – und dann? Beim zweitägigen Workshop werden Frankens neue Weinhoheiten auf das ungewohnte Amt vorbereitet.
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Wie verhält sich eine Weinprinzessin, wenn die Fragen knifflig werden? Nicole Then-Plannasch, ehemalige Fränkische und Deutsche Weinkönigin, übte mit den jungen Hoheiten, in Interviews souverän zu bleiben. Foto: Foto: Johannes Kiefer
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Es war einmal eine schöne Prinzessin, die darauf wartete, von einem Prinzen gerettet zu werden . . . Stopp! Eine Krone ja bitte, aber sonst nimmt die (Wein-)Prinzessin heute ihr Leben selbst in die Hand. Kompetent und selbstbewusst auftreten, das war eines der zentralen Themen des zweitägigen Workshops für Weinrepräsentantinnen, den die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) angeboten hat.

Knifflige Fragen smart parieren

Und zu üben gab es viel. Wie etwa reagiert eine 17-jährige Schülerin am smartesten, wenn ihr plötzlich ein Mikrofon unter die Nase gehalten und knifflige Fragen gestellt werden? Ob der fränkische Rotwein denn überhaupt mithalten könne mit denen aus dem Süden? Ob sie einen Freund habe? Und wozu braucht es überhaupt so viele Weinprinzessinnen? Bei der letzten Frage gibt Referentin Nicole Then-Plannasch den 31 Teilnehmerinnen eine klare Antwort: „Es gibt viele Produkt-Königinnen, aber die Weinprinzessin hat einen besonderen Stellenwert in der Wahrnehmung.“ Seit über 60 Jahren gebe es Weinhoheiten. Damit sei es ein traditionelles Amt, ja, „aber Ihr seid kein Bild-Beiwerk für alte Männer“.

Ehemalige Deutsche Weinkönigin als Referentin

Die Moderatorin weiß, wovon sie spricht. Sie war vor 19 Jahren selbst in der Rolle ihrer Zuhörerinnen. Sie wurde Weinprinzessin, das Amt der Fränkischen und Deutschen Weinkönigin folgte. Im sonnengefluteten Raum der Infovinothek in Sommerach sitzen die jungen Frauen Then-Plannasch gegenüber und hören konzentriert zu. Es ist der letzte Block des Seminars, das am Vortag mit reichlich Fakten über den Frankenwein, seinen Verband und die Gebietsweinwerbung begonnen hatte. Am Abend folgte der erste Praxisteil: Die jungen Hoheiten übten die Ansprache zum schicken Essen und die Moderation einer Weinprobe.

Eine leichte Übung für Anna Leschert-Fug, die frisch gekrönte Repräsentantin Röttingens (Landkreis Würzburg) und seiner Weine. Ihre Tante und ihr Onkel haben ein Weingut, dort spricht die 22-Jährige regelmäßig vor Gästen. Die Ergotherapeutin ist begeistert von dem Workshop. Den Abend mit Weindozentin Martha Gering und der früheren Fränkischen Weinkönigin Christina Schneider fand sie „sehr interessant – und sehr lecker“.

Wie streng ist ein Dresscode einzuhalten?

Am nächsten Morgen gibt Stilberaterin Annette Sax den Teilnehmerinnen im Alter von 16 bis 25 Jahren Tipps. Bei ihr begegnen sie dem Prinzip „Erdbeerkuchen mit Sahne“, will heißen „unten neutral, oben die Hingucker“. Und sie erfahren, dass lila die Modefarbe des Jahres und wie streng ein Dresscode einzuhalten ist. Wichtig ist Sax, dass jede Hoheit ihre eigenen Stärken und Schwächen erkennt, dass sie ihren Vorlieben folgt. „Wagt es einfach, schön zu sein“, sagt die Expertin. Auch wenn die moderne Prinzessin kein modisches Beiwerk sei, werde doch von ihr ein stilsicheres Auftreten verlangt.

Das Outfit müsse zum Anlass passen, ob Weinbergswanderung, Weinfest-Eröffnung, Messe-Auftritt oder Neujahrsempfang. Vier Gruppen zeigen die verschiedene Stile. Etwas schüchtern steht manch eine noch vorne im Raum. Annette Sax rät hier zu einem etwas helleren Lippenstift, lobt dort den perfekt gewählten Schmuck – und ist insgesamt sehr angetan von der Kleiderwahl der Teilnehmerinnen. So auch bei Shivani Knoblach, die im April zur Weinprinzessin von Lindach (Landkreis Schweinfurt) gekrönt wird. Die gebürtige Nepalesin hat sich passend zum Neujahrsempfang für eine elegante Variante in schwarz und petrol entschieden. Das kommt gut an. Wie das Seminar bei der 17-Jährigen: „Interessant und echt hilfreich“, urteilt sie.

Tabu: Kippe in der Hand und Krone auf dem Kopf

Auch die spontanen Interviews, mit denen Nicole Then-Plannasch in ihren Seminarteil einsteigt, begeistern die jungen Frauen. Erstaunlich souverän reagieren einige auf die Fragen der Expertin, der neben der Rhetorik-Schulung am Nachmittag der Umgang mit den Medien am Herzen liegt. Weder Facebook noch Twitter gab's damals, als die 37-Jährige die Krone trug. Entsprechend vielfältiger seien die Aufgaben einer Wein-Repräsentantin heutzutage geworden. Auch die mediale Aufmerksamkeit sei gewachsen, Fotos werden immer und überall geschossen und machen via Internet sofort die Runde. „Kippe in der Hand und Krone auf dem Kopf“, so die Moderatorin, sei umso mehr verpönt. Genauso wie das Smartphone unterm Tisch, wenn der Bürgermeister gerade seine Ansprache hält. Then-Plannasch appelliert an „die Würde im Amt“ und fordert die Teilnehmerinnen auf, dieses zu genießen: „Weinprinzessin zu sein bedeutet nicht, schüchtern in der Ecke zu stehen.“

Das dürfte Hannah Schmidt aus dem mittelfränkischen Bullenheim kaum passieren. Die selbstbewusste 20-Jährige ist seit drei Wochen gekrönt – und eine Prinzessin, die weiß, was sie will. Als einzige unter den 31 Teilnehmerinnen hebt sie ihre Hand, wer sich denn eines Tages eine Bewerbung um die fränkische Krone vorstellen könne. Für die gelernte Schneiderin, die aus einem Weingut stammt, verbinden sich in dem Amt ihre zwei Leidenschaften: Wein und Mode. Viel dazugelernt habe sie bei dem Seminar dennoch. Ihrer Nachfolgerin, die bereits feststeht, werde sie den zweitägigen Workshop auf jeden Fall weiterempfehlen: „Hier sind tolle Fachleute – und es ist eine gute Chance, die anderen Mädels kennenzulernen.“

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