Prichsenstadt
Stadtrat

Simulierte (Un-)einigkeit in Prichsenstadt

Eigentlich ist es ja positiv, wenn sich ein Stadtrat über einen Punkt wie die Abwasserbehandlung einig ist. Diskussion muss aber sein - und wenn sie sich um die Art und Weise dreht, wie abgestimmt werden soll.
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Foto: dpa
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Eine Gruppe von Stadträten hatte sich zur Schmutzfrachtsimulation für die Abwasserbeseitigung von Prichsenstadt und seinen Ortsteilen bezüglich künftiger Entwicklungsgebiete schon Gedanken gemacht. In der Stadtratssitzung am Donnerstagabend machte Gruppensprecher Harald Eger die entsprechenden Vorschläge, welche Gewerbe- und Wohngebiete in den weiteren Planungen verbleiben und welche herausfallen sollen.
Varianten der Abstimmung gab es etliche: Die Punkte nach den Erläuterungen Egers noch einmal durchgehen und einzeln abstimmen, alles besprechen und dann en bloc nach den Vorstellungen der Gruppe votieren oder nur manche Gebiete diskutieren.
Schließlich einigte man sich darauf, die Flächen noch einmal durchzusprechen und dann abzustimmen.
"Wir können jede Woche Sitzung machen und würden auch dann bis gegen elf Uhr diskutieren", wie ein Ratsmitglied am Ende der langen Debatte um die Abstimmungsformalität meinte.
Zu Beginn dieses Tagesordnungspunktes hatte der Bürgermeister daran erinnert, dass die Simulation vom Wasserwirtschaftsamt verlangt werde und die Planungsschmiede Braun daran arbeite. In die Überlegungen sollen alle im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Entwicklungsflächen einfließen. Würden alle diese Flächen berücksichtigt, würde es nach den Worten Falkensteins "vermutlich zu einer massiven Erweiterung der Kläranlage und des Kanalnetzes führen". Aus diesem Grunde müssten alle Entwicklungsflächen auf den Prüfstand gestellt werden "und ich warne davor, unbedacht und nur vorsorglich Flächen aufzunehmen, da dies zu einer nicht erforderlichen Größe der Kläranlage und damit zu Gebühren führen würde, die zu hoch sind".

Schmutzfracht reduzieren

Die Simulation selbst wurde von Thomas Spyth vom Planungsbüro erläutert, der die Parameter wie Niederschläge, Fließzeit, Fremdwasser oder Schmutzkonzentration vorstellte: "Dabei werden alle Abwasseranlagen im Zusammenspiel überprüft". Zur Verbesserung der Abwasserbeseitigung gebe es somit mehrere Stellschrauben, "nicht nur die Schaffung von Speicherraum". Den Fremdwasseranteil bezifferte Spyth auf 58 Prozent "und wir sollten auf 50 Prozent kommen".
Richtig aufhorchen ließ das Ratsgremium, "dass zwei Betriebe so viel Abwasser einleiten wie alle Einwohner von Prichsenstadt und den Stadtteilen". Aus diesem Grunde müsste auch der Umgang mit diesen "Starkverschmutzern" besprochen werden. "Die müssen ihre Schmutzfracht reduzieren", forderte Hans-Dieter Kern (SPD). Harald Eger hob die Maßnahmen hervor, die notwendig sind, um möglichst wenig Schmutzwasser in Bäche und Gräben abzuleiten. In die aktuelle Schmutzfrachtsimulation einstimmig oder mit einer Gegenstimme aufgenommen wurden das allgemeine Wohngebiet östlich von Kirchschönbach, die Erweiterung des Baugebiets "Ertläcker" in Laub, das Wohn- und Mischgebiet südöstlich von Järkendorf, das Wohngebiet südlich des Baugebiets "Ziegelgärten" in Prichsenstadt, die Gewerbefläche südlich der Lauber Straße westliche des Dienstbaches und die östliche Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets "Prichsenstadt Ost" in Prichsenstadt und etwa die Hälfte des Wohngebiets nördlich der Siedlung in Stadelschwarzach.
Mit Mehrheit befürwortet wurden das Wohngebiet südlich von Neudorf und das Mischgebiet südöstlich des Altortes in Stadelschwarzach. Einstimmig oder mit einer Ja-Stimme abgelehnt wurden das Mischgebiet nördlich von Bimbach, das Baugebiet "Altenberg" in Brünnau, das Wohn- und Mischgebiet südlich von Kirchschönbach, das Wohn- und Mischgebiet südwestlich von Järkendorf, das Mischgebiet und allgemeine Wohngebiet in Neuses am Sand bei zwei Ja-Stimmen, die Gewerbefläche nördlich der Lauber Straße und bei drei Ja-Stimmen die Gewerbefläche südlich der Lauber Straße südöstlich des Dienstbaches in Prichsenstadt.
Bei der Gewerbefläche südwestlich der ehemaligen Schreinerei Eberlein in Altenschönbach gab es ein Patt und somit eine Ablehnung.

Nichts mit Traumtour


Da gab es keine langen Diskussionen und der Prichsenstädter Stadtrat war sich in der letzten Sitzung schnell einig: Die vom Fachberater des Landkreises Kitzingen vorgeschlagene "Traumtour" bei Ilmbach wurde einstimmig abgelehnt, da sie keine Anbindung an die örtliche Gastronomie hat und auch keine besonderen Sehenswürdigkeiten aufweist. Es sind auch keine Mittel für diese Maßnahme im Haushalt ausgewiesen.
Bürgermeister Adolf Falkenstein hatte das Gremium informiert, dass über "Leader Plus" Fördermittel für "besonders qualifizierte Wanderwege" zur Verfügung stehen. Daher sei auf Landkreisebene das Projekt "Traum-Touren im Kitzinger Land" ins Leben gerufen worden. "Dabei sollen schon bestehende attraktive Wanderwege beworben und neue ausgewiesen werden".

Hütte ohne Ausblick

Es könne dabei mit einer Förderung von 50 Prozent der nachgewiesenen Kosten gerechnet werden, wobei die Bagatellgrenze bei 5000 Euro liege "und Bauhofleistungen sind nicht förderfähig", sagte der Bürgermeister. Die vom Fachberater vorgeschlagene Strecke bei Ilmbach sei aber von den Referenten im Stadtrat nicht als Traumtour für Familien, Ausflügler und Touristen bewertet worden. "Die Strecke ist zwar landschaftlich interessant, aber das Gasthaus in Ilmbach ist nicht bewirtschaftet und die Trunk-Hütte ohne Ausblick, das ist keine Traum-Tour", lautete das Fazit von Ursula Reiche (CSU).
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