KITZINGEN

Siegfried Müller schweigt zu Rother

Oberbürgermeister Siegfried Müller schweigt. Nein, zu Richard Rother wolle er keine Fragen beantworten, hieß im Rathaus auf Nachfrage, nachdem unsere schriftliche Anfrage ohne Reaktion geblieben war. Passt das Thema gerade schlecht? Hält er die Debatte für überflüssig? Ist er für aussitzen?
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Der deutsche Michl: „Ob sie loben, ob sie toben. Helfet mit, auf dass wir ihn, glücklich aus der Tinte ziehn“ Exlibris von Richard Rother für Reichspropagandaminister Dr. Joseph Goebbels, der den deutschen Michl eigenhändig aus der Tinte zieht.

Oberbürgermeister Siegfried Müller schweigt. Nein, zu Richard Rother wolle er keine Fragen beantworten, hieß im Rathaus auf Nachfrage, nachdem unsere schriftliche Anfrage ohne Reaktion geblieben war. Passt das Thema gerade schlecht? Hält er die Debatte für überflüssig? Ist er für aussitzen?

Vielleicht erfährt man am 8. Mai mehr, wenn der OB in der Rathausdiele die zweigeteilte Retrospektive zum 125. Geburtstag des Künstlers eröffnet: Teil eins widmet sich dem Exlibris-Werk Rothers, Teil zwei seinen Druckgrafiken von 1920 bis 1950, darunter auch problematischen Arbeiten während der Nazizeit. Die Autoren Renate Haass und Klaus Christof haben eine „sachlich-kritische“ Begleitung angekündigt. Anders als Müller weicht Tamara Bischof der Diskussion um den Namensgeber der Richard-Rother-Realschule nicht aus. Sie gibt Kultusminister Ludwig Spaenle zwar recht, wenn er sagt, „dass staatliche Schulen nicht nach Personen benannt werden können, die sich durch ihre Zusammenarbeit mit der braunen Diktatur unter Adolf Hitler mitschuldig gemacht haben.“ Die Landrätin verweist aber auch auf ein Schreiben des Historikers Spaenle vom 25. Juli 2013 an Landtagspräsidentin Barbara Stamm: „Nähere Prüfungen führen – zumindest im Einzelfall – auch zu dem Befund, dass es Namensgeber gibt, bei denen zwar eine intensive Zuarbeit für das NS-Regime gegeben war, ersichtlich auch mit entsprechenden Auszeichnungen honoriert, bestimmte Ereignisse aber zu einem Gesamtbild führen, das die Fortführung des Namen legitimiert erscheinen lässt.“

Bischof bittet vor diesem Hintergrund darum, die erneute Prüfung der Namensgebung durch die Schulfamilie abzuwarten. An der Prüfung „möglicher neuer Erkenntnisse“ ist der Landkreis als Sachaufwandsträger neben Lehrerkonferenz, SMV und Elternbeirat beteiligt. Laut Bischof sei davon auszugehen, dass bereits bei der Namensgebung 1980 unter Zustimmung des Kultusministeriums eine umfassende Prüfung der Person Rother stattgefunden hat. „Des Weiteren war er Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, eine Auszeichnung, die eigentlich nur Personen erhalten haben, die durch einen Bescheid der Spruchkammer als nicht betroffen erklärt wurden.“

Dass damals Archive verschlossen waren, die Forscher heute nutzen, ist allerdings Fakt. „Wenn man sich anschaut, was Historiker über Rother zusammengetragen haben, ist offensichtlich, dass er zu jenen gehörte, die Spaenle gemeint und als Namensgeber ausgeschlossen hat“, sagt Josef Schuster (Würzburg), der Vorsitzende des Zentralrats der Juden. „Mann sollte der Schulfamilie Zeit geben, diese Einsicht selbst zu gewinnen.“

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