LANDKREIS KITZINGEN

Sieben wollen es gemeinsam packen

Wenn der eine etwas hat, das er mit dem anderen teilen kann und dieser wiederum seine Stärken und sein Know-how einem weiteren zur Verfügung stellen mag und am Ende alle profitieren – dann ist das eine gute Sache. Und von der Allianz, die am Mittwoch von den Bürgermeistern der Gemeinden Markt Einersheim, Iphofen, Mainbernheim, Martinsheim, Rödelsee, Seinsheim und Willanzheim sollen einmal nicht nur die Kommunen, sondern auch deren Bürger profitieren.
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Vereint in der Zukunft bestehen: Die Bürgermeister Ingrid Reifenscheid-Eckert (Markt Willanzheim), Burkhard Klein (Rödelsee), Josef Mend (Iphofen), Rainer Ott (Martinsheim), Herbert Volkamer (Markt Einersheim), Peter Kraus (Mainbernheim) und Heinz Dorsch (Seinsheim) haben eine Gemeinde-Allianz gegründet. Foto: Foto: Timo Lechner

Wenn der eine etwas hat, das er mit dem anderen teilen kann und dieser wiederum seine Stärken und sein Know-how einem weiteren zur Verfügung stellen mag und am Ende alle profitieren – dann ist das eine gute Sache. Und von der Allianz, die am Mittwoch von den Bürgermeistern der Gemeinden Markt Einersheim, Iphofen, Mainbernheim, Martinsheim, Rödelsee, Seinsheim und Willanzheim sollen einmal nicht nur die Kommunen, sondern auch deren Bürger profitieren.

„Das Kind muss schnell laufen lernen.“
Burkhard Klein Bürgermeister Rödelsee

Die kleinen Gemeinden haben immer weniger Bürger, und die wenigen werden immer älter. Im selben Maße wachsen aber die Anforderungen an die Verwaltungen, ihren Einwohnern einen lebenswerten Raum zu bieten, der zudem nicht stehen bleibt. Wenn Nachbargemeinden ihr Kirchturmdenken überwinden und Synergien nutzen, klappt dies gemeinsam besser– die Aufgaben sind ohnehin allerorts die Gleichen. Auf diesen Nenner lässt sich die Ausgangsposition bringen.

„Kommunale Allianz südöstlicher Landkreis Kitzingen“ lautet der etwas sperrige Arbeitstitel der Gemeinschaftsaktion, der auch auf der Gründungsurkunde steht, die im Gasthaus Löwenhof in Rödelsee am Mittwoch unterzeichnet wurde. Einen schöner klingenden Namen will man sich noch geben.

Viel wichtiger jedoch sind vorerst andere Dinge: Zwar haben sich die Gemeinden mit dieser Art von Koalitionsvertrag eine gegenseitige Willenserklärung gegeben, künftig in Themenbereichen wie Tourismus, Schulen, Verkehr, Kultur, Generationenmanagement oder Wein- und Wegebau enger zusammenzuarbeiten. Welche Projekte jedoch angestoßen werden, und vor allem auf welche Weise und in welchem Umfang diese Grundsubstanz, das als „Integriertes Entwicklungskonzept“ (ILEK) dann vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Unterfranken bezuschusst und betreut wird, muss noch festgelegt werden.

Peter Doneis vom ALE rechnet damit, dass es noch mindestens ein Jahr dauern wird, bis erste Gemeinschaftsprojekte angepackt werden. So zeige es zumindest die Erfahrung der Behörde, die derzeit 26 solcher Allianzen im Bezirk betreut, unter denen 210 von 305 Gemeinden organisiert sind, wie ALE-Amtsleiter Ottmar Porzelt berichtete. Wenn die Partnerschaften richtig fruchten, könnten einst gar beispielsweise Standesämter oder Bauhöfe zusammengelegt werden.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Zuallererst müssen sich die Gemeinden auf ein Planungsbüro einigen, das ein ILEK entwickelt. In den einzelnen Gemeinde- beziehungsweise Stadträten wurden die Beschlüsse bereits gefasst, dass die bereits im Jahr 2012 von Mainbernheims damaligen Bürgermeister Karl Wolf ins Leben gerufene Idee zur Bildung dieser Allianz verfolgt werde. Steht das Konzept, müssen unter anderem Termine und Workshops koordiniert werden. Auch ein Sprecher, der die Allianz vertritt, muss gefunden werden. Derzeit ist dies Rödelsees Bürgermeister Burkhard Klein, der seinen Amtskollegen ins Gedächtnis rief, dass „das Kind schnell laufen lernen muss“. Gemeinsames Suchen nach Lösungen für gemeinsame Probleme, das sei die Devise. Und der stellvertretende Landrat Paul Streng nahm's pragmatisch: „Auch für den Landkreis ist heute ein Glückstag. Stabile Kommunen sind treue Kreisumlagezahler.“

Dass alles, was sich die Gemeinden demnächst ausdenken, nur in enger Absprache mit den Bürgern der Gemeinden funktioniere, bekräftigten die ALE-Beamten. Die Einwohner dürften nicht mit vollendeten Tatsachen konfrontiert werden, sonst kehre sich eine anfängliche Akzeptanz schnell ins Gegenteil um. Als herausragendes Beispiel einer funktionierenden Allianz nannte Porzelt die Werbegemeinschaft Weinparadies Franken, die sogar bezirksübergreifend Weine und Kultur vermarktet. Aus der Allianz könne übrigens jedes Mitglied jederzeit austreten. Neue Partner können hinzukommen.

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