Kitzingen
Schule

Sie ziehen am selben Seil

Sieben Projekte aus ganz Unterfranken zeigen, wie das Thema ,Werte' an den Schulen seinen Platz findet. Eine Erkenntnis: Gemeinsam geht es besser.
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Sie knüpfen mit am Werte-Netz: Staatssekretär Bernd Sibler, Gustav Eirich, Abteilungsdirektor des Bereichs Schulen der Regierung von Unterfranken und Ute Multrus, ISB München, die die Handreichung vorstellte. Jeder Knoten im blauen Seil symbolisiert ein Projekt. Fotos: nat
Sie knüpfen mit am Werte-Netz: Staatssekretär Bernd Sibler, Gustav Eirich, Abteilungsdirektor des Bereichs Schulen der Regierung von Unterfranken und Ute Multrus, ISB München, die die Handreichung vorstellte. Jeder Knoten im blauen Seil symbolisiert ein Projekt. Fotos: nat
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Wenn man im Seil hängt, muss man demjenigen vertrauen, der das Seil hält. Das haben die Zehntklässler der Friedrich-Bernbeck-Schule in Kitzingen gelernt. Für Andre Roder, Katharina Schmidt und ihre Mitschüler begann das Schuljahr mit einem Besuch im Klettergarten. Neben viel Spaß lernten sie dabei aber einiges. "Schon auf der Zugfahrt konnte man Kontakte knüpfen", berichtet Andre. "Es wurden schnell neue Freundschaften geschlossen", erklärt Katharina. Die 55 Schüler erlebten sich als Team.

Gestern zogen Vertreter von Schulen beim unterfränkischen Wertetag im Paul-Eber-Haus eine Zwischenbilanz zur Schulentwicklung. Schwerpunkt der Tagung: Die Werteerziehung.

Die Schüler der Friedrich-Bernbeck-Schule haben beim Klettern viel über sich gelernt. Eine "gewaltige Herausforderung", war es laut Andre besonders für diejenigen mit Höhenangst.
Doch wenn diese zuerst geglaubt hatten, im Klettergarten wenig mitmachen zu können, hatten sie sich getäuscht. Die Schüler hatten die Aufgabe, sich gegenseitig zu sichern und zu motivieren. "Die Erfahrungen der Schüler gehen in die Richtung, die wir erreichen wollen", erklärte Klassenlehrer Thomas Reinlein: Gemeinschaft, Teamarbeit und Vertrauen fördern.

Hoher Leistungsdruck

Die Aktion war Teil des Konzepts, das am Anfang des Schuljahres in der Wirtschaftsschule im zweistufigen Bereich durchgeführt wird. Da die zehnte und elfte Jahrgangsstufe durch den vielen Stoff einen hohen Leistungsdruck mit sich bringt, werden die ersten Wochen dazu genutzt, auf das Thema ,Wertebildung' einzugehen und als Basis eine gute Gruppe zu schaffen. "Der Klettergarten war das Highlight", so Reinlein.

Wenn alt und jung zusammen kommen, profitieren beide Seiten. Das erfuhren die Schüler der Mittelschule Margetshöchheim beispielsweise an einem Nachmittag, an dem der evangelische Seniorenkreis die Jugendlichen in der Ganztagsbetreuung besuchte. Die Schüler der Don-Bosco-Berufsschule Würzburg haben dagegen selbst erarbeitet, was für sie Werte sind: Zum Beispiel Pünktlichkeit, Mut, Höflichkeit, Anerkennung, Sorgfalt, Respekt. An der Jakob-Stoll-Realschule Würzburg dagegen setzt Rosaline Hohneiser bei den Referendaren an. "Wenn wir bewusst Werteerziehung betreiben, geht es an den Schulen allen besser."

Das sind nur wenige Beispiele, die zeigen, wie man Schule - gemäß dem Motto des Tages - "WERTvoll gestalten" kann. Mit der 2008 gestarteten Initiative des Kultusministeriums "Werte machen stark" soll auf die Werteorientierung im Schulalltag aufmerksam gemacht werden. "Die Schule ist ein wichtiger Ort gemeinsamen Umgehens und somit auch ein Ort der gegenseitigen Wertschätzung", erklärte Staatssekretär Bernd Sibler vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. In der Schule würden nicht nur Fachkenntnisse vermittelt, sondern auch Werte und deren aktive Mitgestaltung.

Handbuch für die Praxis

Als Beispiel, wie Kinder sich selbst von klein auf als selbstwirksam erleben, konnten etwa die kleinen Streitschlichter der Sankt Hedwig-Grundschule gelten. Die Erfahrungen aus Projekten wie dieses fanden auch Eingang in das Praxishandbuch zum Projekt.

Ute Multrus vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) erklärte bei der Vorstellung des Buches, dass sich seit dem Wertekongress vor fünf Jahre in München einiges getan habe. "Der Weg geht von reiner Projektarbeit hin zur Schulentwicklung."

"Wir sind insgesamt auf einem guten Weg", fand auch Sibler. 145 bayerische Wertemultiplikatoren an allen Schularten leisteten in den letzten Schuljahren einen guten Dienst. Werteerziehung sei oft alltäglicher Bestandteil des Schullebens. Auch seien Lehrerinnen und Lehrer neben den Eltern Vorbilder. Er betonte die große Bedeutung der Wertevermittlung. Schließlich sei der Umgang mit dem Einzelnen prägend für die Gesellschaft. Er selbst, so Sibler, versuche, jeden Ernst zu nehmen und respektvoll zu behandeln.

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